100 Jahre Hauptfriedhof Dortmund: Jubiläum an diesem Freitag, 16. Juli
Vom strauchlosen Gelände zur Parklandschaft im Dortmunder Osten

Ein Bild noch aus der Bauzeit: Die Torbögen und der dazwischen liegende Hauptweg vom heutigen Westfalendamm (B1) im Süden und den zentralen Friedhofsgebäuden Am Gottesacker prägen noch heute den Hauptfriedhof.
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  • Ein Bild noch aus der Bauzeit: Die Torbögen und der dazwischen liegende Hauptweg vom heutigen Westfalendamm (B1) im Süden und den zentralen Friedhofsgebäuden Am Gottesacker prägen noch heute den Hauptfriedhof.
  • Foto: Friedhöfe Dortmund
  • hochgeladen von Ralf K. Braun

Am heutigen 16. Juli 2021 jährt sich zum 100. Mal der Tag, an dem der Hauptfriedhof Dortmund durch den damaligen Oberbürgermeister Dr. Ernst Eichhoff offiziell eingeweiht wurde. Die Erinnerung an diesen Tag ist Anlass für einen Rückblick auf die Entstehungsgeschichte des heute drittgrößten Friedhofs Deutschlands.

Die größte Grünfläche Dortmunds

Erstaunlich Wenigen ist bekannt, dass er gleichzeitig die größte Grünfläche Dortmunds ist, deutlich größer als der Westfalen- und der Rombergpark. Diese Entwicklung wurde schon mit seiner Planung angelegt und mit seiner Eröffnung manifestiert.

Ein kurzer Rückblick in die Geschichte verdeutlicht, aus welchen Gründen ein Friedhof dieser Größenordnung notwendig wurde. In der Zeit der Hochindustrialisierung, die historisch mit der Gründung des Deutschen Kaiserreichs ab 1871 einsetzte, hat die Stadt Dortmund ein starkes Bevölkerungswachstum erlebt. Zählte die Stadt 1871 noch rund 44.000 Einwohner*innen, so hatte sich die Zahl zur Jahrtausendwende 1900 schon fast verdreifacht und lag bei rund 142.000.

Diese Entwicklung führte zu einer nahezu vollständigen Belegung der in der Zeit von 1811 bis 1897 gegründeten vier kommunalen Friedhöfe: Westentotenhof (heutiger Westpark), Ostfriedhof, Südfriedhof und Nordfriedhof. Bereits 1905 setzen daher die Planungen für einen neuen Zentralfriedhof ein.

Schon 1908 Beschluss zur Gründung eines Zentralfriedhofs in "Brackel-Süd"

Im Jahr 1908 wurde die Gründung eines Zentralfriedhofs auf einem Gelände in „Brackel-Süd“ beschlossen. Im Jahr 1912 erfolgten weitreichende Beschlüsse zur Weiterentwicklung des Friedhofswesens. In der industriell geprägten Stadt fehlten seinerzeit Grün- und Parkanlagen als notwendige Erholungsstätten für die Bevölkerung. Vor diesem Hintergrund sahen die Beschlüsse vor, „Friedhöfe parkartig und landschaftlich zu bepflanzen und als Erholungsstätten für das Publikum liegen zu lassen“. Es wurden auch Mittel für die Finanzierung der Vorarbeiten für den neuen Friedhof, den Hauptfriedhof, bereitgestellt.

Der Erste Weltkrieg (1914–1918) unterbrach die ambitionierten Planungen. Erst im April 1919 wurde ein öffentlicher Ideenwettbewerb unter in Deutschland ansässigen Gartenkünstlern und Architekten ausgeschrieben. Aus 68 vorgelegten Entwürfen wurden zwei für die weitere Entwurfsplanung ausgewählt. Mit der späteren Realisierung sind die Namen der Architekten Strunck und Wentzler, des Gartenarchitekten Allinger, des Stadtbaurats Strobel und des Gartendirektors Nose untrennbar verbunden.

Die sozialen und wirtschaftlichen Folgen des 1. Weltkriegs und die damit verbundene Mangelsituation prägte auch die Umsetzung der Planungen. Die gärtnerische Herrichtung des als „strauchlos“ beschriebenen Geländes am seinerzeitigen Rand der Stadtgrenze begann mit dem Einsatz von 100 Notstandarbeitern im Oktober 1920.

Oberbürgermeister Eichhoff weihte Hauptfriedhof ein

In seiner Eröffnungsansprache am 16. Juli 1921 stellte Oberbürgermeister Eichhoff mit seinen einleitenden Worten deshalb auch heraus „dass die Einweihung des Dortmunder Hauptfriedhofes im Wesentlichen die Bedeutung einer Grundsteinlegung hat. Das Werk des Hauptfriedhofes steht noch nicht fertig vor unseren Augen, sondern ist erst in den Anfängen des Werdens und wird noch Jahrzehnte im Werden sein."

OB Eichhoff skizzierte gleichzeitig ein klares Bild davon, in welche Richtung sich „das Werden“ des Hauptfriedhofs entwickeln sollte: "(...) so wird auch er selbst nicht nur eine würdige und stimmungsvolle Stätte zur Aufnahme der Toten und zur Erhebung und Erbauung trauender gebeugter Seelen, sondern auch ein Gefilde sein, das Tausenden und Abertausenden von Menschenkindern ausgiebige Erholung in frischer, freier Luft, die sehnlichst gesuchte Gelegenheit zur Selbstbesinnung und Verinnerlichung und ungetrübten Genuss vom Schönen und Edlen in Kunst und Natur schenken wird."

Jubiläumsveranstaltungen bis Jahresende

Der 100. Jahrestag seit der Einweihung des Hauptfriedhofs ist sicher ein guter Anlass, sich davon zu überzeugen, welche Taten den Worten gefolgt sind. Die „Friedhöfe Dortmund“ sind sich sicher, dass sich der Hauptfriedhof heute als würdige und stimmungsvolle Park-und Gartenlandschaft mit einem großzügigen historischen Gebäudeensemble und einer ganz eigenen ruhigen und beruhigenden Atmosphäre präsentiert. Sie laden zum Besuch ein, um die besondere Stimmung dieses Ortes zu erspüren, der sich auf einer Fläche von 118 Hektar im Dortmunder Osten zwischen Brackel im Norden und der Bundesstraße 1 im Süden, Wambel im Westen und Neuasseln im Osten erstreckt.

In der zweiten Jahreshälfte 2021 werden regelmäßig anregende Veranstaltungen mit verschiedenen Themenaspekten angeboten, die ein „begleitetes Entdecken“ ermöglichen. Die Reihe startet direkt am heutigen Jahrestag, dem 16. Juli 2021, und schon in den Folgetagen werden verschiedene kostenlose Führungen stattfinden.

Nähere Informationen zu Inhalten und Anmeldemodalitäten bietet der Veranstaltungskalender auf der Homepage der Friedhöfe Dortmund (www.friedhoefe-dortmund.de).

Autor:

Ralf K. Braun aus Dortmund-Ost

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