Steag will Altholz-Kraftwerk auf Logport VI-Gelände bauen - Massive Proteste in der Politik und der Walsumer Bevölkerung

Das Logport VI-Gelände in Walsum ist "leergelegt". Dort plant die Steag ein "Altholz-Kraftwerk". Die Pläne stoßen in der Politik und in der Bevölkerung auf wenig Gegenliebe.    Foto: Frank Preuß
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  • Das Logport VI-Gelände in Walsum ist "leergelegt". Dort plant die Steag ein "Altholz-Kraftwerk". Die Pläne stoßen in der Politik und in der Bevölkerung auf wenig Gegenliebe. Foto: Frank Preuß
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Vor genau 20 Jahren wurde mit Logport I auf dem Gelände des ehemaligen Krupp-Hüttenwerks in Rheinhausen das erste Kapitel einer Erfolgsgeschichte geschrieben, die kontinuierlich fortgesetzt wurde. Nun steht Logport VI auf dem 40 Hektar großen Gelände der früheren Papierfabrik in den Startlöchern.

Dort will die Steag New Energies in naher Zukunft ein Kraftwerk errichten, das aus Altholz Strom und Fernwärme erzeugt. Der erste Aufschlag für ein weiteres Großprojekt der Duisburger Hafen AG sei damit erfolgt, teilten deren Vorstandsvorsitzender Erich Staake, Logport-Geschäftsführer Dr. Ghanem Degheili und Thomas Billotet, Geschäftsführer der Steag New Energies, jetzt mit.

Vor zwei Jahren stellten Hafenchef Staake und Degheili in Anwesenheit des damaligen NRW-Verkehrsministers Groschek die ersten konzeptionellen Pläne und Ideen für das Walsumer Areal vor. Dann ging es an die Arbeit. Bis zu 500 neue Jobs sollen dort insgesamt entstehen.

Investitionsvolumen 100 Millionen Euro

Das Gelände der früheren Papierfabrik ist durch die Hafen AG mit erheblichen finanziellen Mitteln baureif aufbereitet worden. In unmittelbarer Nähe zum Kohlekraftwerk will die Steag New Energies nun, so deren Technischer Geschäftsführer Thomas Billotet, das neue Kraftwerk mit einem Investitionsvolumen von 100 Millionen Euro errichten. 2022 soll es in Betrieb gehen, etwa 15 neue Arbeitsplätze entstehen dort.

Auf einer Fläche von drei Hektar des insgesamt 40 Hektar großen Gesamtbereichs soll eine Leistung von etwa 20 Megawatt Strom und 60 bis 70 Megawatt Wärme erzeugt werden. Der Rohstoff, also das Altholz, werde zu einem großen Teil per Schiff angeliefert, so Erich Staake. Geplant ist die Verwertung einer jährlichen Gesamtmenge von 170.000 Tonnen.

Da das Heizmaterial halt Altholz sei, das beim Abbruch anfalle oder aus ausgedienten Paletten bestehe, könne es schadstoffbelastet sein. Daher werde man die Anlage in jedem Fall mit den erforderlichen Umweltschutztechniken ausstatten, bekräftigt Billotet.

Süd-West-Spange soll Entlastung bringen

Neben dem Schiffsverkehr ermöglichen vier neue Gleise, dass mehrere Züge gleichzeitig abgefertigt werden können, die von dort über den Ruhrorter Bahnhof weitergeleitet werden. Aber auch Transporte per LKW stehen auf der Logistik-Agenda. Für die ohnehin jetzt schon lärmgeplagten Anlieger soll es nach Auffassung der Logort VI-Macher eine deutliche Verbesserung geben. Bei der geplanten Süd-West-Spange als Umgehungsstraße wird Ende 2019 der Baubeginn des ersten Bauabschnitts erfolgen. Baubeginn für den zweiten Abschnitt ist dann 2020/2021.

Die Kraftwerkspläne signalisieren Aufwind für das Walsumer Logport-Projekt, erzeugen aber massiven Gegenwind in der Politik und der Bevölkerung vor Ort. So hat sich die CDU Walsum Anfang der Woche klar gegen das Steag-Kraftwerk positioniert und will es „in jedem Fall verhinder.“ Sebastian Geßmann, Fraktionschef der Christdemokraten in der Bezirksvertretung Walsum, wird bereits in der Sitzung des Gremiums am 6. September den Antrag stellen, alle Planungen und Genehmigung für das Kraftwerk einzustellen.

CDU will neues Kraftwerk "dringlichst vermeiden"

Geßmann: „Die bislang ohne Bebauungsplan stattfindende Entwicklung des Geländes bringt bereits in ihrer bekannten Form unterschiedlich starke Umwelt-, Verkehrs- und Lärmbelastungen für Walsum mit sich. Eine Verschärfung der Situation vor Ort durch die Errichtung eines Holzkraftwerks ist dringlichst zu vermeiden.“ Der CDU-Fraktionsvorsitzende verweist auf Beispiele in der Stadt Neuwied. Hier klagten Anwohner seit langem über Rauch- und Staubentwicklungen des dortigen Altholzkraftwerkes, das sogar nur halb so groß sei wie das in Walsum geplante.

Auch die Walsumer SPD betrachtet das geplante Kraftwerk skeptisch und mit spürbarem Unbehagen. Ratsherr Benedikt Falszewski, zugleich Vorsitzender der SPD Walsum, und der Vorsitzende der SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung Walsum, Detlef Frese: „Wir sehen die Planungen von Steag und Hafen sehr kritisch. Wir wollen, dass die örtliche Bevölkerung nicht noch stärker durch Lärm, Verkehr und Dreck belastet wird. Irgendwann ist die Toleranzgrenze der Anwohnerinnen und Anwohner auch mal überschritten.“

Umfassender Fragenkatalog der SPD

Deshalb haben die Walsumer Sozialdemokraten – ebenfalls für die Sitzung der Bezirksvertretung am 6. September – einen umfassenden Fragenkatalog eingereicht. „Wir wollen genau wissen, welche Auswirkungen der Bau eines solchen Kraftwerkes auf die Walsumerinnen und Walsumer hätte. Eine Klärung der Fakten im Vorfeld ist unabdingbar“, meint Fraktionschef Frese.

Er und Falszewski sind sich einig, dass man Nachteile für die Walsumer Bevölkerung nicht akzeptieren darf. „Falls unsere Nachforschungen ergeben, dass der Betrieb Nachteile für sie zur Folge hätte, werden wir dieses Vorhaben ablehnen“, erklären die Walsumer SPD-Politiker.

Börner: Planung mehr als fragwürdig

Überrascht zeigt sich auch der SPD-Landtagsabgeordnete Frank Börner zu den Plänen der Ansiedlung einer Altholzverbrennung in Walsum: „Das ausgerechnet ein Betrieb, der kontaminiertes Altholz verbrennen wird, als erster Ankermieter an diesem neuen Gewerbegebiet eine gute Planung sein soll, ist mehr als fragwürdig.“

Geplant war an dieser Stelle, so erinnert er, neue nachhaltige Arbeitsplätze im Bereich Logistik zu schaffen. „Dann könnte man den Menschen im Duisburger Norden auch die verstärkte Verkehrssituation vermitteln, die hier bis zur Fertigstellung der Umgehungsstraße entstehen würde“, so Börner. Aber eine Altholzverbrennung ist keinem Walsumer vermittelbar.

Eher Müllverbrennungsanlage als Kraftwerk? 

Dirk Schlenke, stellvertretender Kreisvorsitzender der Duisburger FDP, wirft zudem Stark und auch OB Sören Link eine verfehlte Informationspolitik vor. Dass man so ein umweltbelastendes Vorhaben in der Nachbarschaft zum Naturschutzgebiet ansiedeln will, hält er zudem für ein gewagtes Unterfangen. „Altholz, also mit Umweltgiften belastetes Brennmaterial mit Schiffen aus allen Ländern anzuliefern und dann angeblich CO2-arm zu verbrennen, kommt doch eher einer Müllverbrennung nahe“, sagt Schlenke. Die angepriesenen Arbeitsplätze in einer so geringen Größenordnung legitimierten seiner Auffassung nach „jedenfalls keine weitere Umwelt- und Stadtbildverschlechterung in Walsum.“

Autor:

Reiner Terhorst aus Duisburg

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