Die "Walsumbahn" könnte für den Personenverkehr reaktiviert werden
Gibt es ab 2025 wieder Personen am Gleis?

Am 2. Februar 1976 wartet das Lokpersonal von 50 904-2 (links) auf die Kollegen mit der 50 220-3, die gerade die Oberhausener Stadtgrenze, aus Duisburg kommend, überfahren haben. Am 7. Dezember 2012 versteckt sich das erhalten gebliebene Geländer am Treppenabgang im Buschwerk. Bahnsteigkante, Stellwerk und Formsignale sind lange verschwunden. Fotos: Dietmar Beckmann (1976), Marc Keiterling (3, 2012)
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  • Am 2. Februar 1976 wartet das Lokpersonal von 50 904-2 (links) auf die Kollegen mit der 50 220-3, die gerade die Oberhausener Stadtgrenze, aus Duisburg kommend, überfahren haben. Am 7. Dezember 2012 versteckt sich das erhalten gebliebene Geländer am Treppenabgang im Buschwerk. Bahnsteigkante, Stellwerk und Formsignale sind lange verschwunden. Fotos: Dietmar Beckmann (1976), Marc Keiterling (3, 2012)
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Stehen hier langfristig wieder Personen am Gleis? Seit 1983 fuhren auf der sogenannten "Walsumbahn" nur noch Güter. Eine Machbarkeitsstudie wird nun die Möglichkeiten einer Reaktivierung der Eisenbahnstrecke von Duisburg-Walsum über Duisburg-Neumühl, Oberhausen-Buschhausen, Oberhausener Hauptbahnhof und weiter zum Duisburger Hauptbahnhof für den Personenverkehr untersuchen. 2025 könnten dort wieder Reisende auf der Schiene unterwegs sein. Einen aktuellen Beitrag zu diesem Thema finden Sie hier im Lokalkompass. www.lokalkompass.de/1224189 

Es kommt einer Zeitreise gleich. Eine solche unternahmen zwei Autoren vor sieben Jahren. Das Werk „Schienenwege gestern und heute“ von Dietmar Beckmann und Michael Hubrich nahm den Leser mit auf eine fotografische Zeitreise. Diese machte auch Halt an einem verwaisten Bahnsteig - der im Zuge der neuen Planungen wieder in Betrieb gehen könnte. 2012 fand dieser Besuch am Haltepunkt Oberhausen-Buschhausen statt.

Für jüngere Zeitgenossen sind die Rad- und Wanderwege mitten durch den Pott vermutlich einfach idyllische Schneisen durch die betriebsame „Ruhr-Stadt“. Wer in den Siebzigern bereits den Windeln entwachsen war, kennt auch noch ihre frühere Bestimmung. Dietmar Beckmann und Michael Hubrich zeigten in ihrem Buch eine Schienenkreuzfahrt mit Güterzügen über die Haupt- und Nebenstrecken des Ruhrgebiets, wie es vor etwa 35 bis 40 Jahren möglich war. Durch den direkten Vergleich von Fotos aus den 1970-er Jahren mit solchen aus heutiger Zeit wird deutlich, wie der Strukturwandel die Region zwischen Emscher und Ruhr umgeformt hat.

Genau dort, wo damals Züge mit Kohle und Koks an gigantischen Industrieanlagen vorbeidampften, sind heute Radfahrer, Fußgänger und Inline-Skater in künstlichen Landschaftsparks unterwegs. Woanders hat sich die Natur die stillgelegten Bahndämme der Güterzugtrassen zurückerobert. An weiteren Örtlichkeiten rollen noch heute die Räder der Eisenbahn, doch links und rechts der Schienen hat sich vieles gewandelt. Ehemalige Haltepunkte etwa sind nur noch an Fragmenten erkennbar, angrenzende Bauten wandelten ihr Gesicht.

Reizvoll etwa der eingangs angekündigte Blick auf den teilweise schneebedeckten Bahnsteig in Oberhausen-Buschhausen am 2. Februar 1976, flankiert von zwei Dampflokomotiven der Baureihe 50. Hier wurde der Personenzugverkehr zum Sommerfahrplan 1983 eingestellt. Von der dortigen Skagerrakstraße ist kein Zugang mehr zum einstigen Haltepunkt erkennbar. Dieser erfolgte einst durch einen Tunnel unter dem südlichen Gleis der hier zweigleisigen Anlage hindurch. Zu dieser Stelle besteht heute keine offizielle Zugangsmöglichkeit mehr. Die Unterquerung ist mächtig zugewuchert, ebenso die Treppenstufen hinauf zum früheren Bahnsteig. Das verzierte Geländer am Abgang blieb erhalten, im Gegensatz zum Stellwerksgebäude. Das kleine Haus verschwand vermutlich zeitgleich mit den Formsignalen. Diese wurden an exakt gleicher Stelle durch elektronische Signale ersetzt.

Die "Walsumbahn"

Die Bahnstrecke Wesel - Oberhausen, auch "Walsumbahn" genannt, wurde 1912 in Betrieb genommen, der Baubeginn war 1908. Die Strecke wurde als Nord-Süd-Entlastung der Hauptlinie Wesel – Dinslaken – Oberhausen gebaut. Wegen ihrer Nähe zum Rhein wurde die Bahnstrecke als Hochbahn ausgeführt.
Der Personenverkehr zwischen Duisburg-Walsum und Oberhausen-Hauptbahnhof wurde am 28. Mai 1983 eingestellt.
Im Jahr 2004 gab es ein Gutachten des Fahrgastverbandes Pro Bahn zur Überprüfung Wirtschaftlichkeit einer Reaktivierung des Personenverkehrs. Die bautechnische Machbarkeit sei durch die vorhandene Nutzung des Güterverkehr gegeben, lediglich Bahnsteige müssten neu errichtet werden. Die Investitionskosten würden, vergli-chen zu anderen Reaktivierungen, im Rahmen bleiben. Jedoch sei das Fahrgastpotenzial nicht ausreichend. Deshalb wurde damals von einer Reaktivierung abgeraten.
Nach der Stilllegung der Zeche Walsum im Jahr 2008 und des Kraftwerks Voerde im März 2017 ist das tägliche Güterzugaufkommen auf unter 20 Fahrten zurückgegangen. Bis vor gut zwei Jahren wurde das Kraftwerk Voerde über die Strecke mit Importkohle bedient, die Zugfahrten machten etwa drei Viertel des gesamten Güteraufkommens auf der Strecke aus.
An der Strecke befinden sich der imposante Bahnhofsbau in Hamborn, sowie das abgebrochene Restaurationsprojekt Bahnhof Walsum.

Der zugewachsene Zugang zum einstigen Haltepunkt in Oberhausen-Buschhausen. Die Treppenstufen sind völlig überwuchert.

Autor:

Marc Keiterling aus Mülheim an der Ruhr

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