Mobbing - Irrtümer und Wahrheiten eines sozial- und gesellschaftspolitischen Problems

Der Begriff ‚Mobbing’ ist in den vergangenen Jahren mehr oder weniger selbstverständlich in unseren Sprachgebrauch aufgenommen worden. Täglich liest oder hört man darüber. Neben vielen Fakten, die veröffentlicht werden, ranken sich aber auch zahlreiche Irrtümer, Halbwahrheiten oder Fehlinformationen um dieses Thema.

So wird gern bei einem einzelnen Vorfall vorschnell von Mobbing gesprochen. Zwar kann ein einzelner Vorfall Bestandteil von Mobbing sein, jedoch bezieht sich die Definition ‚Mobbing’ immer auf einen länger andauernden Prozess mit wiederkehrendem Verhaltensmuster des/der Täter/s.

Auch wird bei dem Begriff ‚Mobbing’ in erster Linie ein direkter Bezug zum Arbeitsplatz hergestellt, da hierüber besonders häufig berichtet wird. Dessen ungeachtet wird in allen Bereichen gesellschaftlichen Miteinanders gleichermaßen gemobbt: in der Schule, in der Nachbarschaft, im Verein zum Beispiel.

Ein weit verbreiteter Irrtum ist der, dass ‚Mobbing’ strafbar ist. Mobbing ist bisher im deutschen Strafrecht nicht definiert und kann daher gar nicht zur Anzeige gebracht werden. Nichtsdestotrotz soll es Einzelfälle geben, in denen Mobbing-Handlungen zum Beispiel als üble Nachrede/Verleumdung, Nötigung oder Körperverletzung geahndet wurden. Dem überwiegenden Teil der Mobbing-Opfer jedoch stehen kaum wirksame Rechtsmittel zur Verfügung.

Außerordentlich leicht fällt es auch immer, dem Opfer mindestens eine Mitschuld, wenn nicht gar die alleinige Verantwortung für das Mobbing zuzuweisen. In Wahrheit jedoch befinden sich Mobbing-Opfer immer in einer Situation, aus der sie ohne Hilfe nicht mehr herauskommen können. Dabei ist es völlig gleichgültig, ob das Opfer die Mobbing-Handlungen ignoriert, ob es sich wehrt, ob es versucht, Hilfe zu bekommen oder auch eine Klärung durch ein ‚vernünftiges Gespräch’ erzielen will.

Eine immer wieder unterschätzte aber besonders wichtige Rolle spielen bei Mobbing die so genannten Neutralen, die Unbeteiligten – ein besserer Begriff hierfür ist wohl die ‚Möglichmacher’. Diejenigen, die sich nach bestem Vermögen aus dem Geschehen direkt um sie herum heraushalten und die durch ihre Untätigkeit Mobbing erst ermöglichen. Ohne das ‚Wegsehen’ dieser ‚Unbeteiligten’ könnte das Mobbing für den/die Täter nicht zum Erfolg führen.

Wie hinterhältig, systematisch und strategisch Mobber vorgehen, wie einfach es ist, in einer vermeintlich aufgeklärten, zivilisierten Gesellschaft den sozialen Tod eines Mitmenschen herbeizuführen, wie schnell man sich selbst unwissentlich zum Mittäter macht, wie wichtig das Verhalten des Umfeldes ist, welch entscheidende Rolle Gruppendynamik spielt und wie wehrlos das Opfer tatsächlich dasteht, beschreibt sehr detailliert das Buch ‚Vereinsmeierei …und andere Schweinereien’.
Eine authentische Erzählung über Mobbing im Verein, die lebensnahe Schilderung einer Situation, in die jeder geraten kann und unverblümte Aufklärung über eine nahezu alltägliche, aber besonders perfide Form von Gewalt.

Autor:

Ilia Faye aus Essen-Ruhr

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