Die Bezirksvertretung diskutierte über die Schulentwicklung im Essener Süden
Kurze Beine, kurze Wege

Das Graffiti an der Jacobsallee ist schön, aber der Pavillon stammt aus den 1970er Jahren und weist massive Mängel auf. 
Foto: Henschke
  • Das Graffiti an der Jacobsallee ist schön, aber der Pavillon stammt aus den 1970er Jahren und weist massive Mängel auf.
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Die Bezirksvertretung diskutierte über die Grundschulen im Essener Süden. Miriam Matenia von der Stadt Essen hatte Zahlen des Amtes für Statistiker mitgebracht: „Das ist noch nicht der Schulentwicklungsplan. Hier sind zum Beispiel Integration und Inklusion gar nicht berücksichtigt.“

Spannend zu lesen war die Vorlage dennoch, denn sie vergleicht aktuelle Schülerzahlen mit Prognosen fürs Schuljahr 2024/2025 im Bezirk IX. Hier stolperte man aber schnell über ein zumindest fehleranfälliges Verfahren: Da nämlich die Fertigstellungstermine geplanter Neubauten schwierig zu definieren seien und um die Prognose-Ergebnisse nicht zu verzerren, würden die Neubautätigkeiten nicht berücksichtigt. Um dennoch eine Orientierung über den Bevölkerungseffekt durch Neubaugebiete zu erhalten, werde eine Schätzung vorgenommen. Deren Ergebnis: Ein Zuzug von 40 Kindern im Grundschulalter. Der würde insbesondere Heidhausen und zu einem geringeren Anteil Kettwig betreffen. Für den Bezirk IX ergebe sich also kein sehr großer Bedarf an zusätzlichen Schulplätzen.

Realität sieht anders aus

Für Kettwig bestehe rechnerisch zurzeit ein Bedarf von 5,4 Eingangsklassen. Schmachtenbergschule und Schule an der Ruhr sind jeweils dreizügig. Das passt also, zumal hier für das Schuljahr 24/25 ein Bedarf von 6,1 prognostiziert wird. Allerdings hatte Daniel Behmenburg eine Anmerkung zu machen. Aufgrund von Schadstoffbelastungen war vor drei Jahren der Schulbetrieb in Kettwig vor der Brücke eingestellt worden. Mithilfe eines sechsklassigen Schulpavillons konnte an der Gustavstraße der komplette Schulbetrieb weitergeführt werden. Nun soll am Mintarder Weg neu gebaut werden. Die Baumaßnahmen sollen in spätestens zweieinhalb Jahren abgeschlossen sein und dann zwei Züge wieder zurück über die Brücke ziehen. Nach Adam Riese bliebe dann aber an der Gustavstraße nur noch Einzügigkeit. Es sei aber Wunsch der Schule, zweizügig zu bleiben. Die Kapazitäten vor Ort gäben dies her, habe die Schulleitung Behmenburg gegenüber beteuert. Das hatte Miriam Matenia auch schon gehört und kommentierte: „Angesichts der Zahlen nicht auszuschließen. Aber wir benutzen hier noch den Konjunktiv.“ Die wie gesagt geschätzten Schülerzahlen für Heidhausen wurden kritisch gesehen. Für die BV steht fest: Viele Familien sind dort hingezogen, weil auch Werbung mit der guten Kita-und Schulinfrastruktur gemacht wurde. Offenbar sehe die Realität aber anders aus. Wie zahlreiche Anfragen an Kitas und Schulen bestätigten, könne in Heidhausen und auch Fischlaken insbesondere dem Wunsch nach einer offenen Ganztagsbetreuung nur selten entsprochen werden.

Erweiterung in Heidhausen?

Die Schule an der Jacobsallee in Heidhausen ist zweizügig, bekommt aber jetzt schon einen Bedarf von 2,3 Eingangsklassen bescheinigt. Dieser Wert werde bis 24/25 sogar auf 2,6 steigen. Das rief die Bezirksvertreter auf den Plan: Sie zeigten sich entsetzt, dass man in vier Jahren keinen Schritt weiter gekommen sei. Bereits Anfang 2016 hatten Vertreter aus Elternschaft, Förderverein und Schulpflegschaft in der BV ihren Vorschlag einer möglichen Erweiterung der Heidhauser Grundschule mit Integration einer Kindertagesstätte vorgestellt. Der momentan stattfindende Generationenwechsel im Stadtteil sorge für Bedarf, auch die zahlreichen Neubaugebiete. So rechneten die Eltern damals mit einem Zuzug von etwa 70 zusätzlichen Grundschulkindern alleine nach Heidhausen. Die könne die Schule an der Jacobsallee aus Kapazitätsgründen nicht alle aufnehmen. Zudem weise der Pavillon aus den 1970er Jahren massive Mängel auf. Er sollte vor über 40 Jahren ohnehin nur eine Übergangslösung sein und gelte als asbestbelastet.

An die Zukunft denken

Stephan Sülzer erklärte, die Zahlen für Heidhausen seien auch aufgrund der vielen Neubaugebiete bedenklich: „Wir müssen an die Zukunft denken.“ Anna Leipprand forderte: „Schleunigst eine Dreizügigkeit für die Jacobsallee.“ Hans Joachim von Hesler legte nach: „Angesichts der Zahlen muss die Schule dringend erweitert werden. Eine Dreizügigkeit ist nötig für Heidhausen. Der Pavillon muss ersetzt werden.“ In diesem Pavillon hatte Patrick Widmaier schon als Schulkind gesessen: „Für uns ist wichtig: Kurze Beine, kurze Wege. Wir wollen eine wohnortnahe Beschulung.“ Auf Nachfrage hatte die Schulverwaltung mitgeteilt, das Grundstück erlaube die Erweiterung auf drei Züge. Der abgängige Pavillon müsste in diesem Zusammenhang auch betrachtet werden. Bisher seien aber konkrete Maßnahmen oder eine Zeitschiene nicht geplant. Miriam Matenia betonte: „Die Schule an der Jacobsallee bietet die Möglichkeit, da was zu machen.“
An der Fischlaker Schule musste übrigens ein Pavillon aufgrund baulicher Mängel geschlossen werden. Er soll aber kurzfristig ersetzt werden. Laut Mitteilung der Schulverwaltung wurde bereits ein neuer, größerer Pavillon in Auftrag gegeben. Eine konkrete Zeitschiene werde derzeit bei der Immobilienverwaltung erarbeitet.

Autor:

Daniel Henschke aus Essen-Werden

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