Zur Spendenaktion aufgerufen
„Die gute Frau“ - Manuela Bühner-Lankhorst engagiert sich für Obdachlose

Manuela Bühner-Lankhorst an den Gleisen am Klever Bahnhof. In ihrem Wagen hat sie einen Teil der Sachspenden verstaut. Im Hintergrund ist der grüne Container zu sehen.
  • Manuela Bühner-Lankhorst an den Gleisen am Klever Bahnhof. In ihrem Wagen hat sie einen Teil der Sachspenden verstaut. Im Hintergrund ist der grüne Container zu sehen.
  • Foto: Caritas Kleve
  • hochgeladen von Charmaine Fischer

Manuela Bühner-Lankhorst vom Caritasverband Kleve hatte zu einer Spendenaktion für Obdachlose aufgerufen. Es folgte eine Welle der Solidarität. Sachspenden und Lebensmittelgutscheine hat die Sozialarbeiterin aus Kalkar mittlerweile verteilt, dabei viel Dank erfahren und Leid gesehen. Mehr als 60 Bedürftige wurden versorgt.

Mit einem McDonald’s-Gutschein, zwei Euro wert, ist das Eis gebrochen. „Habt ihr Hunger“, fragt Manuela Bühner-Lankhorst. Sie greift in ihre Jackentasche und reicht einer Gruppe von jungen Männern Lebensmittelgutscheine entgegen. „Damit könnt’ ihr euch einen Cheeseburger kaufen. Das Restgeld lasst ihr euch einfach ausbezahlen.“ Einen Augenblick später wird sie fragen, ob es den Männern gut geht? Ob sie noch etwas benötigen? Schlafsäcke? Decken? Schuhe? Socken? Unterwäsche? Spritzen? „Ja“ werden sie sagen, und ihr zum Auto folgen. Ein großer Familienwagen. Die Rückbank umgeklappt. Der Kofferraum bis zum Dachhimmel vollgepackt.

Wohnungslose auch in Corona-Zeiten nicht vergessen

Manuela Bühner-Lankhorst ist Sozialarbeiterin beim Caritasverband Kleve. Anfang Dezember rief sie in den sozialen Medien dazu auf, Winterkleidung und -stiefel sowie Schlafsäcke und Isomatten für Bedürftige zu spenden. Es folgte eine Welle der Solidarität. Unzählige Sachspenden, aber auch Bargeld und haltbare Lebensmittel wurden abgegeben. „Ich bin überwältigt, fast schon erschlagen. Das ist der absolute Wahnsinn“, sagt die 38-Jährige.

Gesagt. Getan. An diesem Nachmittag ist Manuela Bühner-Lankhorst zum dritten Mal unterwegs. Sie war schon in Emmerich und hat dort vier Personen erreicht. Auch in Kalkar hat sie vier Obdachlose angetroffen. In Bedburg-Hau waren es zwölf. In Kleve 44. Neun davon sind zum Kontaktcafé an der Hoffmannallee gekommen. Das niedrigschwellige Angebot des Caritasverbandes, das aufgrund der Corona-Pandemie seit Ende Oktober geschlossen ist, wird von den Bedürftigen schmerzlich vermisst. „Wann können wir wieder kommen?“. Obdachlos sein ist nicht leicht, in einer Krise umso mehr. Auch die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) sagt: „Bei den verschärften Corona-Maßnahmen dürfen Wohnungslose nicht vergessen werden.“

Größter Teil ist männlich

Manuela Bühner-Lankhorst fährt an diesem Tag zuerst zum Klever Bahnhof. Dort steht – für die allermeisten Menschen nicht sichtbar – ein grüner Container. Links und rechts türmt sich Müll, gegenüber liegen die Gleise. Davor stehen drei Fahrräder und ein Spritzenautomat, der von den Mitarbeitenden des Caritasverbandes befüllt wird. Als Manuela Bühner-Lankhorst sich dem Container nähert, kommen fünf Männer heraus. „Die gute Frau“, sagt einer. Er lacht, er blickt auf seine neue, graue Winterjacke mit Stolz und nimmt einen Lebensmittelgutschein entgegen. „Danke“, sagt er.

Nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe waren in Deutschland im Jahr 2018 678.000 Menschen ohne Wohnung. Der Großteil ist männlich, mehr als 70 Prozent. Die größte Gruppe sind die 30- bis 39-Jährigen, viele – mehr als 25 Prozent – haben einen Migrationshintergrund.

Die statistischen Zahlen lassen sich bei der Verteilaktion fast eins zu eins auf Kleve übertragen. Die meisten Obdachlosen, die Manuela Bühner-Lankhorst dort angetroffen hat, sind männlich. Der Großteil ist unter 40. Manche kommen aus Polen oder Russland, manche haben zuvor als Hilfs- oder Leiharbeiter gearbeitet. Einige von ihnen saßen schon einmal in einer Justizvollzugsanstalt. Viele wollen reden, manche nicht. Weil sie sich schämen, weil sie krank sind.

Manuela Bühner-Lankhorst ist das wichtig zu betonen. „Auch Sucht ist eine Krankheit.“ Sie vergleicht das mit einer Behinderung. „Einem Rollstuhlfahrer wird in der Regel die Tür offengehalten, bei einem Suchtkranken wenden sich die meisten Menschen ab.“ Die Sozialarbeiterin hat genau diese Situation in den vergangenen Tagen erlebt. „Eine junge Frau hat gekrampft, mitten auf einem Supermarktparkplatz, nur eine Person hat geholfen.“

Es war nicht die einzige Grenzerfahrung, die Manuela Bühner-Lankhorst gemacht hat. Vieles hat sie beschäftigt, Angst hatte die fast 1,90 Meter große Frau nie. „Ich habe meine Taktik“, sagt sie. Die Ausgabe der Lebensmittelgutscheine gehöre dazu. „Ich möchte den Obdachlosen das Gefühl vermitteln: Ihr seid nicht auf mich angewiesen und ich auch nicht auf euch.“

"Sitzt Bombe"

An den Gleisen am Klever Bahnhof hat das gut geklappt, an der städtischen Notunterkunft auch. „Sitzt Bombe“, sagt der schmächtige, junge Mann, als er von Manuela Bühner-Lankhorst eine grüne Steppjacke bekommt. Ein paar Brötchen und Masken nimmt er ebenfalls. Der Mann ist nervös, er verlagert sein Gewicht von links nach rechts, von einem auf das andere Bein. Er will reden. Er erzählt, dass er bald einen Ein-Euro-Job hat, dass er raus aus der Unterkunft und rein in eine eigene Wohnung möchte. Dass das aber auch schwer sei. Weil er mal im Gefängnis gesessen hat und jetzt an der Selfkant wohnt. „Kennst du BeWo?“, fragt Manuela Bühner-Lankhorst. Er sagt „Ja“, doch Genaueres darüber weiß er nicht. „Komm‘ doch einfach mal für eine Beratung vorbei“, sagt die Sozialarbeiterin. Sie übergibt ihm einen Flyer. Mehr macht sie nicht, denn auch Manuela Bühner-Lankhorst weiß. „Sie müssen es wollen, sie müssen mitarbeiten, nur so sind wir langfristig erfolgreich.“

Das ist BeWo und Spenden

BeWo: Der Fachdienst Wohnhilfen des Caritasverbandes Kleve bietet Ambulant Betreutes Wohnen (BeWo) nach § 67 SGB XII an. BeWo richtet sich an volljährige Menschen, die das 65. Lebensjahr nicht vollendet haben, deren besondere Lebensverhältnisse mit sozialen Schwierigkeiten derart verbunden sind, dass sie diese aus eigener Kraft nicht überwinden können. Es handelt sich um ein kontinuierliches Betreuungsangebot in eigener Wohnung.

Spenden: Wer die Aktion von Manuela Bühner-Lankhorst weiterhin unterstützen möchte, kann dies in Form einer Geldspende machen. Der Caritasverband Kleve hat dazu ein Spendenkonto eingerichtet:

Spenden zur Wohnungsnotfallhilfe
Caritasverband Kleve e.V.
Darlehenskasse Münster (DKM)
IBAN: DE94 4006 0265 0004 0660 00
BIC: GENODEM1DKM
Verwendungszweck: Spende 238S01

Wenn eine Spendenquittung gewünscht wird, bitte im Verwendungszweck zusätzlich die Adresse angeben.

Autor:

Lokalkompass Kleve aus Kleve

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