Der Steiger kommt......nicht mehr
Eine Aera geht zu Ende

Auf der zeche Rheinpreußen in Moers wurde sich schon im Oktober in einer Feierstunde von der Kohle verabschiedet. Hier singt der Knappenchor
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  • hochgeladen von Randolf Vastmans

Eigentlich hatte unsere Familie gar kein richtigen Bezuch zum Pütt. Bei uns waren alle auffe Teerverwertung in Meiderich, außer ich....ich bin Beamter beie Bahn geworden.
Aber trotzdem hat die Kohle, un zwar inne schwarzen Form.....also getz nich Schwarzkohle wie heute, nää richtich schwarze Kohle unser Leben bestimmt. Wolltzet warm inne Bude haben, musstesse Kohle haben......wolltze heiß baden, musstesse Kohle haben, wolltze Wäsche wachen, musstesse Kohle haben. Oft kam dä Kohlenkerl un hat dich die Kohle zentnerweise gebracht, die Säcke vort Haus ausgeschüttet un wir mussten mit Papa die Kohle im Keller scheppen….durchet Kellerfenster. Minnegens dreimal am Tach musste einer dann mit sonne Schütte im Keller gehen und Kohlen holen. Ich hab immer gekuckt, datt ich dann aum Klo musste,. Dann habbich so lange da drauf gesessen, bis et einem,,, meistens mein Papa, zu lang gedauert hat und er selber gegangen is. Hat aber nich immer geklappt. Wir sind aber auch mitte Schubkarre nachem Kohlehafen am Rhein- Herne- Kanal gegangen. Da standen immer die Waggons mitti Kohle. Da haben wir geklaut....soviel wie ging inne Schubkarre und dann wieder nach Hause. Wir waren nich die einzigen, die auffe Güterwagen rumkletterten. War ja auch nich schlimm, dä Frings hatte dat ja sechsenvierzich in seine Silvesterpredicht erlaubt. Hat au nie jemand wat gesacht. Et war ja noch nich lange nam Kriech un wir hatten nich viel. Fürn Stromzähler gabet Münzen. Die konntze beim RWE kaufen und wenn die eine verbraucht war, ging dat Licht aus. Dann musstesse ne neue reinschmeißen un dat Licht ging wieder an. Scheiße war nur, wenn dat am Wochenende passierte un du vergessen hattes, neue zu holen. Da musste schoma die eine oder andere Kerze herhalten bisset wieder Montach war. Aber getz wieder zur Kohle. Wenn Mama n weißes Hemd frisch gewaschen auffe Leine gehängt hatte und dat länger als ne Stunde da hing, konntese dat nomal waschen, weil et von den Russ inne Luft wieder schwarz war.
Aber et war unsere Versicherung, dat wir nich friern mussten un dat wir wat zum Essen hatten, weil gekocht hasse ja auch mitte Kohle. Kohle und Stahl, dat war damals dat Ruhrgebiet, dafür waret berühmt un wir waren alle stolz, Pottkinder zu sein. Die Kumpels, die für uns die Kohle von unterde Erde holten, waren Helden. Da waret auch egal, ob dä Kumpel Achmet, Stanislaus, Salvatore oder Willi hieß. Alle haben sich verstanden. Da konntze no Spökskes machen. Dä Italiener hat dich Eisbeinfresser genannt und du ihn Spaghettifresser. Dä Türke hat aus Spaß Arschloch für dich gesacht, wenne wat falsch gemacht hass, dann hasse n Kümmeltürke genannt. Den Pole hasse gefracht, obber heut schon n Auto geklaut hat (soviel gabet damals allerdings noch nich) un alle wussten, wiet gemeint war. Abends haben dann alle zusammen anne Theke gestanden un ihr Pilsken un Korn zusammen getrunken, während inne Musikbox Conny Francis "Die Liebe ist ein seltsames Spiel" lief un alle haben vorm Schwarzweiß Fernseher gesessen (wennse ein hatten), geklatscht un Rotz un Wasser gebrüllt, als in Lengede de Verschütteten mitte Dahlbuschbombe einer nachem andern gerettet wurden. Dat ging ganz schön anne Nieren. Dreiunsechzich war dat. Irgendwann waret mim Stahl nich mehr so un die Stahlindustrie war mit dat erste, wat den Bach runterging. Mittlerweile hasse dich dadran gewöhnt. Aber getz is die Kohle au noch wech….keine Kumpels mehr....also die vom Pütt, kein Russ mehr, gar nix mehr. Anstatt Dreck inne Luft hassen heute im Essen, warm machset mit Gas oder Öl. De Blagen sitzen nur noch vorm Kompjuter un Schwarzweißfernsehen gibbet gar nich mehr. Früher hattesse ein Programm und dat war nachem Wort zum Sonntach zu Ende....dann gabet erst die Nationalhymne un dann Testbild. Heute kannze aum Fernsehn noch nich ma mehr ne Lampe draufstellen, weil die Dinger so schmal sind....also dat Fernsehen. Dafür krisse wat weiß ich wie viel Programme....ohne Flimmern un ohne dat jemand immer de Antenne drehen muss.
Mach ja heute alles ganz nett sein, aber dat war ne schöne Zeit damals. Getz is die letzte Zeche, Prosper in Bottrop, au noch zu. Alles nich mehr wiet war. Un klar is, mit jedem Stück vonne Vergangenheit geht n Stück von dich selber, weilet einfach bei dein Leben gehörte.
Schade...…..aber klar is, "Dä Steigr kommt nich mehr"
Glück auf

Autor:

Randolf Vastmans aus Xanten

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