Vom neuen Truxhof, einem Blick ins Reiter-Denkmal und dem modernsten Archiv
Tag des offenen Denkmals in Dortmund

Die Jüdische Kultusgemeinde bietet im Kaiserviertel Führungen in der 1956 eingeweihten Synagoge und im Gemeindehaus an. Das von Helmut Goldschmidt entworfene Gebäude in der Prinz-Friedrich-Karl-Straße im Stil der 1950er Jahre ist nicht zuletzt ein gebautes Zeichen für den jüdischen Neuanfang in Dortmund elf Jahre nach dem Ende der nationalsozialistischen
 Verfolgung der Juden. Am Tag des offenen Denkmals
werden gleich  Führungen angeboten.
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  • Die Jüdische Kultusgemeinde bietet im Kaiserviertel Führungen in der 1956 eingeweihten Synagoge und im Gemeindehaus an. Das von Helmut Goldschmidt entworfene Gebäude in der Prinz-Friedrich-Karl-Straße im Stil der 1950er Jahre ist nicht zuletzt ein gebautes Zeichen für den jüdischen Neuanfang in Dortmund elf Jahre nach dem Ende der nationalsozialistischen
    Verfolgung der Juden. Am Tag des offenen Denkmals
    werden gleich Führungen angeboten.
  • Foto: LWL Medienzentrum / Olaf Mahlstedt
  • hochgeladen von Antje Geiß

Von der alten Zeche bis zum modernen Baukunstarchiv, viele Orte laden morgen, 8, September, in Dortmund zum Tag des offenen Denkmals ein. 47 Veranstaltungsangebote für Geschichtsinteressierte und Denkmalbegeisterte geben Einblicke. Viele Ehrenamtliche und Mitarbeiter von Vereinen, Museen freuen sich am Sonntag auf viele Besucher.
Das Motto „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“ knüpft an das 100-jährige Jubiläum des Bauhauses an. Dabei geht es mit „Moderne“, „modern“ und „Umbruch“ immer um Momente von Veränderung. So steht die Moderne hier als Beispiel für neue Ideen, architektonische Aufbrüche, technische Fortschritte verschiedener Epochen. 
Denkmal- und Stadtteilführungen, Konzerte und Kunstdarbietungen sowie zwei Bustouren gehören zu dem abwechslungsreichen Programm, das sich vielerorts auch an Kinder richtet. Eine kostenlose 96-seitige Programmbroschüre mit Übersichtskarte erleichtert die Auswahl und Planung für den Denkmaltag.

Eröffnung im Ort des Wandels

Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau eröffnet den Tag des offenen Denkmals um 11 Uhr im Reinoldi-Lichthof des Baukunstarchivs am Ostwall 7. Nach ihm werden Ernst Uhing, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Baukunstarchiv NRW gGmbH, und Dr. Henriette Brink-Kloke, Leiterin der Denkmalbehörde der Stadt, die Besucher begrüßen. Für die musikalische Unterhaltung an diesem Vormittag sorgt der Jugendkonzertchor der Chorakademie Dortmund.
Das Gebäude des Baukunstarchivs passt selbst hervorragend zum Motto „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“, hat es doch selbst vielfältigen Wandel erfahren: 1872-715 nach Plänen des Berliner Architekten Gustav Knoblauch für das Oberbergamt errichtet, wurde es 1911 vom Dortmunder Stadtbaumeister Friedrich Kullrich zum städtischen Kunst- und Gewerbemuseum umgebaut, das nach Kriesgszerstörungen 1956 als Museum am Ostwall wiedereröffnet wurde. Heute beherbergt es mit dem Baukunstarchiv einen Ort der Wissenschaft, der Forschung nnd des baukulturellen Dialogs. Am Denkmaltag selbst gibt es hier ein vielfältiges Programm.

Hafen im Wandel

 
Im Hafen  bietet sich ein Rundgang durch die Speicherstraße unter dem Titel „Kolonialwaren und Landesprodukte en gros“ ein. Das gesamte Areal steht für den Aufbruch der dynamischen Industriestadt Dortmund um 1900 und unterliegt seitdem einem ständigen Wandel. Die Speicherstraße soll demnächst neu gestaltet werden – ein Anlass, sie sich anzusehen und etwas über ihre Geschichte und die dort stattgefunden Auf- und Umbrüche zu erfahren. 

 Schule im Grünen

In  den 1950er Jahren entstand südlich der Innenstadt die „Schule im Grünen“ in der Sckellstraße nahe dem heutigen Westfalenpark. Zusammen mit den zuvor errichteten drei Punkthochhäusern und fünf Einfamilienhäusern in der Straße bildet sie ein interessantes Gebäudeensemble und ist beispielhaft für die Nachkriegsmoderne. In Führungen durch das Architekturbüro Schamp & Schmalöer wird das Ensemble unter die Lupe genommen und im städtebaulichen Zusammenhang erläutert. Hier besonders sehenswert ist das Hallenbad des Hauses Nr. 12, in dem sich ein zehn Meter langes Keramikrelief des Wittener Künstlers Peter Lechner befindet und in welchem die Ausstellung „Schwimmen in Geld“ besichtigt werden kann.

Ein abwechslungsreiches Programm wird auch von den Dorstfelder Vereinen geboten: Neben Führungen durch die Zechensiedlung Oberdorstfeld kann an der geschichtsträchtigen ehem. Zeche Dorstfeld 2/3 mit Markenkontrolle und Gesundheitshaus eine Oldtimerausstellung und eine Fotoausstellung sowie die Lesung „Als Kind im Revier“ besucht werden.

Neu: "Schwarzer Nebel"

Auch im Nordwesten Dortmunds gibt es an dem Tag viel zu entdecken: So ist die in der Weimarer Republik gebaute Großkokerei Hansa in Huckarde ein gutes Beispiel für den Industriebau der Moderne, der durch eine ästhetisch einheitlich-strenge Gestaltung der Gebäude, technischen Anlagen und Aggregate gekennzeichnet ist. Das imposante Industriedenkmal empfängt seine Gäste am Sonntag ab 10 Uhr. Um 12 Uhr wird die Ausstellung „Schwarzer Nebel – Weißer Rauch“ mit Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern der Hochschule für Künste im Sozialen, Ottersberg eröffnet. Zwischen 11 und 17  Uhr zeigen Schüler des Fritz-Henßler-Berufskollegs, Bildungsgang Bautechnische Assistenten Baudokumentationen und praktische Arbeitsergebnisse.

Zum Glück nicht abgerissen

Die Zeche Zollern in Bövinghausen, das „Schloss der Arbeit“ gilt als eines der außergewöhnlichsten Zeugnisse der Industriegeschichte in Deutschland. Kaum mehr vorstellbar ist, dass die imposante Anlage inklusive der Maschinenhalle mit Jugendstilportal nach der Stilllegung in den 1960er Jahren abgerissen werden sollte. Das Jahr 2019 ist für das inzwischen hier beheimatete LWL-Industriemuseum ein ganz Besonderes, denn es feiert gleich drei Jubiläen: 50 Jahre Rettung der Maschinenhalle, 40 Jahre LWL-Industriemuseum und 20 Jahre Zeche Zollern als Museum.

Das Museum bietet neben Führungen zu unterschiedlichen Themen, einem Vortrag über die Maschinenhalle, Angebote für Kinder ein weiteres umfangreiches Programm. Zeitgleich findet auch das Stadtteilfest mit Aktionen für Jung und Alt statt.

Weiter geht’s im Osten: Ein einzigartiges bauliches Ensemble bilden die mittelalterliche Ev. Kirche Brackel, das translozierte Fachwerkgebäude Haus Beckhoff, die vom Jugendstil geprägte Arent-Rupe-Villa und das moderne Arent-Rupe-Haus. Dabei stehen die vier Gebäude für die Aufbrüche, die die Kirchengemeinde Brackel in den zurückliegenden Jahrzehnten wagte, um als Zentrum lokaler kirchlicher Gemeindearbeit attraktiv zu bleiben. Es finden Rundgänge über den gemeindlichen Campus im Ortszentrum zu diesem Thema statt, geführt durch Mitglieder des Fördervereins Ev. Kirche Brackel.

Einblick ins Innere

Im Süden steht hoch über der Ruhr auf dem Syberg das zur Erinnerung an den „Reichseiniger“ Wilhelm I. 1902 eingeweihte Kaiser-Wilhelm-Denkmal. 1935 ist die Anlage vollständig umgebaut
 und in Anlehnung an die nationalsozialistische Architektur neu gestaltet worden. Als beliebtes Ausflugsziel heute kennt zwar fast jeder das Areal mit der phantastischen Aussicht, doch nur die wenigsten haben auch einen Blick in das Innere des Denkmals werfen können: Das Gewölbe im Inneren des Denkmals kann am Sonntag frei besichtigt werden, außerdem finden Führungen zur Geschichte des Denkmals statt.

Der ehemalige Hof zu Kirchhörde „Truxhof“ spielte schon im Jahr 964 bei der Überführung der Reliquien des heiligen Patroklus von Köln nach Soest als „Raststation“ eine bedeutende Rolle. Heute  gilt der Truxhof als gelungenes Beispiel, wie sich historische Architektur mit den modernen Ansprüchen an Lichteinfall und Wärmeschutz in Einklang bringen lassen. Neben einem 1,5 stündigen archäologisch-historischen Spaziergang durch Kirchhörde und die Bittermark kann danach der Truxhof besichtigt sowie an einem Vortrag „Die Geschichte des Truxhof“ mit dem Eigentümer teilgenommen werden.

Passender Abschluss

Kaum ein anderer Sakralbau nimmt das Motto so treffend auf wie das Gebäude der St. Nicolai-Kirche, errichtet 1927 – 30 nach Plänen der Dortmunder Architekten Karl Pinno und Peter Grund. Die erste Sichtbetonkirche in Deutschland mit ihren beeindruckenden Fenstern wird heute dem „Neuen Bauen“ zugerechnet. Hier findet der Denkmaltag ab 17 Uhr seinen würdigen Abschluss mit einem Vortrag von Dr. Eva Dietrich, Wissenschaftliche Referentin der LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen, über Dortmunder Kirchen der Nachkriegszeit sowie deren Denkmalwürdigkeit und Umnutzung.

 Synagoge: Foto LWL-Medienzentrum, Olaf Mahlstedt Sie öffnen morgen die Türen nicht nur hier in der Nicolaikirche, sondern auch in vielen anderen Denkmalen: (v.l.:): Die Leiterin der Denkmalbehörde Dr. Henriette Brink-Kloke, Stefan Nies vom Büro für Geschichte, Planungsamtsleiter Stefan Thabe, Klaus Steenweg von der Sparkasse, Pfarrer Wolfram Eichler, und Dr. Heinz Pohlmann von DSW21.
Foto: Anja Kador

Die Jüdische Kultusgemeinde bietet im Kaiserviertel Führungen in der 1956 eingeweihten Synagoge und im Gemeindehaus an. Das von Helmut Goldschmidt entworfene Gebäude in der Prinz-Friedrich-Karl-Straße im Stil der 1950er Jahre ist nicht zuletzt ein gebautes Zeichen für den jüdischen Neuanfang in Dortmund elf Jahre nach dem Ende der nationalsozialistischen
 Verfolgung der Juden. Am Tag des offenen Denkmals
werden gleich  Führungen angeboten.
Bei der  Vorstellung des Dortmunder Programms für den Tag des offenen Denkmals (v.l.): Dr. Henriette Brink-Kloke, Leiterin der Denkmalbehörde der Stadt,  Stefan Nies vom  Büro für Geschichte, Planungsamtsleiter  Stefan Thabe, Klaus Steenweg von der Sparkasse Dortmund, Pfarrer Wolfram Eichler von der Nicolaikirche,  Dr. Heinz Pohlmann von DSW21.
Autor:

Antje Geiß aus Dortmund-City

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