Corona-Ausbrüche im Klinikum Dortmund, Josefs Hospital und Seniorenheim Kronenburg
Krisenstab: Wir haben Situation im Griff

Hunderte Coronatests wurden nach zwei Coronavirus- Ausbrüchen in Dortmunder Krankenhäusern gemacht.  Mediziner berichteten heute in Dortmund in einer Pressekonferenz, warum Infektionen nicht gänzlich ausgeschlossen werden können.
  • Hunderte Coronatests wurden nach zwei Coronavirus- Ausbrüchen in Dortmunder Krankenhäusern gemacht. Mediziner berichteten heute in Dortmund in einer Pressekonferenz, warum Infektionen nicht gänzlich ausgeschlossen werden können.
  • Foto: Klinikum Dortmund
  • hochgeladen von Antje Geiß

Trotz der Covid-19-Ausbrüche im Klinikum Dortmund und im Josefs-Hospital sowie dem Seniorenheim Kronenburg liege Dortmund, was das Infektionsgeschehen angehe, unter den zehn größten Städten in NRW auf dem vorletzten Platz. "Wir haben die Situation gut im Griff", sagt Krisenstabsleiterin Birgit Zoerner zum Umgang mit der Pandemie.

Nicht überraschend kam für Dr. Frank Hünger, Direktor für Krankhaushygiene des Klinikums, dass es zu Ausbrüchen kommen würde. Sein Kollege, Prof. Dr. Thomas Schwenzer, Ärztlicher Direktor am Klinikum berichtet: "Wir führen bei jeder Aufnahme einen Covid-19 Abstrich durch, wir rechnen mit einer Inkubationszeit von fünf bis nen Tagen und führen zusätzlich bei der Verlegung in die Geriatrie Tests durch." Bei einem Klinikum mit 4.000 Beschäftigten, seien Infektionsfälle nie auszuschließen und auch von Patienten gehe ein Gefährdungspotential aus.

Relativ wenig Todesfälle

Nach dem Corona-Ausbruch im Klinikum, für das ab zwei Fällen in 14 Tagen der Vorfall als Ausbruch definiert wird, seien 451 Mitarbeiter getestet worden, davon waren 11 positiv. "Das ist eine vergleichbar kleine Zahl und wir werden es immer wieder erleben, dass wir positive Mitarbeiter und positive Patienten haben", sagt Dr. Schwenzer.
"Dass wir relativ wenige Todesfälle haben ist der exquisiten Ausstattung zu verdanken, die wir hier haben. Plasma als Therapie Patienten zu geben, damit haben wir angefangen und das ist auch hilfreich", fügt der Ärztliche Direktor hinzu.

Auf Ausbruch vorbereitet

Dr. Hünger erklärt zum Ausbruch: "Glücklicherweise sind wir ein Krankenhaus, was selber testet und wir haben früh dafür gesorgt, um sehr sehr schnell Ergebnisse zu haben. Und ich sage als Hygieniker, wir haben diesen Ausbruch erwartet, und zwar lange, bevor die Pandemie in Deutschland angekommen war und wir haben uns darauf vorbereitet. Wie der Ausbruch sich entwickelt kommt darauf an, wie man darauf reagiert. In den letzten 14 Tagen hatten wir zwei Fälle und das ist für uns einen Ausbruch, den wir umgehend dem Gesundheitsamt melden und testen ganz viel, Mitarbeiter und Patienten, das führte dazu, dass noch drei hinzukamen, die Patienten waren symptomlos.

Zehn Mitarbeiter infiziert

Der 1. war ein Patient, der so unruhig war, dass vier Pflegende ihn sofort in ganz engem Kontakt betreuen mussten, ein ganz schwieriger Patient. Wir gegen davon aus, dass es dabei zu Übertragungen gekommen ist." Wer zuerst, Mitarbeiter oder Patient infiziert war, das wisse niemand, die Mitarbeiter waren symptomlos. "Innerhalb von drei Tagen haben wir alle Patienten und alle Mitarbeiter identifiziert, die beteiligt waren, doch der Patient war weiter verlegt worden, zuvor, als er symptomlos war", berichtet der Direktor der Krankenhaushygiene. "Er war denn so schwer krank, dass die Atemwege abgesaugt werden mussten, dabei haben sich noch drei weitere Mitarbeiter infiziert. Das waren zehn Mitarbeiter, und fünf Patienten, in diesem Ausbruchsgeschehen", rechnet er zusammen.
Im Klinikum wurden in 14 Tagen vom 29. Mai bis zum 12. Juni 2682 Personen getestet, davon waren insgesamt 31 positiv. In dem Ausbruch Anfang Juni wurden 451 Mitarbeiter untersucht davon waren 11 positiv sowie zwei Mitarbeiter, die nicht im Zusammenhang mit dem Ausbruch stehen. Beim dem Ausbruch im Klinikum seine alle Fälle spätestens vor einer Woche auf drei Stationen aufgetreten und betreffen fünf Patienten und zehn Mitarbeiter.

Tod durch Begleiterkrankungen

Zum Todesfall im Klinikum sagt Dr. Schwenzer: "Der Patient ist an zahlreichen Begleiterkrankungen gestorben, nicht an Covid-19, er hatte auch keinen typischen Lungenbefund. Der 82-Jährige war multipel krank und ist schnell verstorben."
Wer mit typischen Sympotomen komme, werde sofort getestet, aber auch ohne Symptome. "So viele, wie wir auch testen, man kann Infektionen nicht in letzter Konsequenz ausschließen, dann müssten wir das Krankenhaus schließen", stellt der Ärztliche Leiter klar, "es wird keine Entbindung und keinen Schlaganfall weniger geben, es wird noch eine ganze Zeit so bleiben, dass Zahlen steigen und wieder weniger werden und wieder steigen, auch in Einrichtungen", sagt der Mediziner.
Das Hauptrisiko bei Codiv-19 sei enger, intensiver Kontakt. Und noch so gute F2 Masken böten keinen sicheren Schutz.

Geschehen unter Kontrolle bringen

"Ausbrüche zu managen daran arbeiten wir im Klinikum intensiv, und wir konnten das Geschehen sehr schnell unter Kontrolle bringen und hoffen, dass es so bleibt",so die Einschätzung der Ärzte. Ihre Definition von "hinter sich haben" seien zwei Inkubationszeiten.
Zur Entwicklung der Pandemie in Dortmund meint Birgit Zoerner als Leiterin des Krisenstabes: "Wir sind die Lockerungsschritte alle ein bisschen schnell gegangen, nicht immer so, wie wir uns das gewünscht hätten." Einig sei sich der Krisenstab, dass Geschwindigkeit nicht das höchste Ziel ist.

Große private Feiern möglich

Laut der neuen Coronaschutz-Verordnung vom Land NRW, soll es wieder möglich sein, im privaten Rahmen mit bis zu 50 Menschen zu feiern und da sei es sehr schwierig Abstand zu halten. Was der Dezernentin beim Querlesen auffiel, war, dass der jeweilige Veranstalter die volle Verantwortung übernehme. Das hält Birgit Zoerner für ein bisschen zu leichtfertig. "Das Thema Infektionschutz hält uns noch ordentlich am Laufen in der nächster Zeit", ist sie sicher, "das muss man sich genau ansehen, wie man damit umgeht. Der Infektionsschutz hat für uns wesentliches Gewicht. Das Gesundheitsamt macht mehr, als es müsste, andere Städte gehen damit sorgloser und, aber das zeigen auch unsere Zahlen", fügt sei hinzu.

Neue Fälle durch Lockerungen

"Aus Lockerungen entstehen wieder neue positive Fälle", sagt Zoerner, "wir sind weiterhin mitten in einer Pandemie und da sind Krankenhäuser besonders sensible Orte.
"Wir haben hier in Dortmund die Situation gut im Griff", verweist Zoerner auf Zahlen: "Wenn ich mir die zehn größten NRW-Städte ansehe, und die Infizierten pro 100.000 Einwohner, liegen wir vor Bielefeld auf dem vorletzten Tabellenplatz. Bielefeld hat 24, Dortmund 134, Düsseldorf 245, Spitzenreiter ist Wuppertal mit 267 Fällen.

2. Fall Josefs-Hospital

Zum zweiten Ausbruch im Josefs-Hospital berichtet Dr. Renken, Leiter des Gesundheitsamtes: Auch im 2. Krankenhaus müssen wir von einer Häufung ausgehen. Da wird nicht automatisch ein Abstrich bei der Aufnahme durchgeführt. Hier werden viele ältere Patienten aufgenommen. Ein Patient ist verstorben, er kam aus dem Pflegeheim Kronenburg." Im Krankenhaus und im Pflegeheim wurden Untersuchungen durchgeführt, zehn positive Fälle fielen insgesamt auf, fünf davon im Josefs-Hospital, fünf im Pflegeheim, und es stehen noch sehr wenige Testergebnisse aus.
Das Seniorenheim nehme daher derzeit keine neuen Bewohner auf, der Wohnbereich wurde gesperrt und alle positiv Getesteten wurden isoliert. 77 Personen wurden in der Umgebung untersucht, im Hospital 160. "Im Klinikum gehen wir davon aus, dass wir das eingegrenzt haben. Im Josefs Hospital stehen wir am Anfang", sagt Dr. Frank Renken.

"Nie ganz zu beweisen"

Zur Rückverfolgung von Infektionen sagt der Ärztliche Direktor des Klinikums Dr. Schwenzer: " Es sei sehr schwierig zu sagen, der Patient hat die Infektion im Krankenhaus oder schon zuvor im Heim erworben, aber das sind Spekulationen, die wir nie ganz beweisen können."
Eines ist dem Ärztlichen Direktor des Klinikums wichtig:" Jede Lockerung macht uns Sorge als Krankenhaus, weil wir den Regelbetrieb wieder hochfahren. Wir sehen, dass da für ein Restrisiko bleibt, das alles macht es für uns unkalkulierbarer. Wir müssen mit dem einen oder anderen Ausbruch rechnen, den wir zu handhaben haben."

Behandlungszentrum schließt

Am Montag wird das Corona-Behandlungszentrum der KVWL am Klinikum Nord geschlossen. Entschieden wurde dass, laut Dr. Renken, als die pro Tag nur 15 Dortmunder dort zum Test kamen. "Jetzt mit ansteigendem Infektionsgeschehen, werden das ganz genau ansehen. Infektketten, von denen wir glauben, dass wir sie unter Kontrolle haben. Pro Tag rechnen wir mit drei bis vier Fällen, die individuell entstehen und kontrollieren das Geschehen sehr eng, ob es ansteigt oder ein Plateau wird, das werden wir sehen. Wenn das Infektionsgeschehen es erfordert, werden wir vom Gesundheitsamt wieder eine Abstrichstelle aufmachen", sagt der Leiter. Nicht positiv sei es, das Infektionsgeschehen auf sehr viele Schultern in alle Arztpraxen zu verteilen. Daher sind in Dortmund folgende Praxen Anlaufstellen für Tests:
Dr. Mehler und Hausmann in Hombruch tel:0231 7254860
in Husen Dr. Stratmann Tel:  0231 28741
und Dr. Rodewyk in Hörde Tel:  417041

Wichtig sei für Patienten sich vorher telefonisch zu melden. Apropos Test: Zuvor testeten nur die aufnahmestärksten Kliniken Patienten vor der Aufnahme auf das Coronavirus, nun tun es alle.

Autor:

Antje Geiß aus Dortmund-City

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