Freibad droht das Aus: Dortmunder Sportausschuss will Nordstadt-Bad gar nicht mehr öffnen
Freundeskreis Hoeschpark entrüstet

Direkt am Hoeschpark liegt das 3,2 Hektar große Nordstadt-Freibad, welches 1952 von der Krupp-Hoesch-Stahl AG erbaut und 1995 übernommen wurde, 2017 an den Revierpark Wischlingen gehen sollte und seit 2018 von den Sport- und Freizeitbetrieben geführt wird. Schon vor acht Jahren erstellte die Sportwelt ein Gutachten zur Sanierung.
  • Direkt am Hoeschpark liegt das 3,2 Hektar große Nordstadt-Freibad, welches 1952 von der Krupp-Hoesch-Stahl AG erbaut und 1995 übernommen wurde, 2017 an den Revierpark Wischlingen gehen sollte und seit 2018 von den Sport- und Freizeitbetrieben geführt wird. Schon vor acht Jahren erstellte die Sportwelt ein Gutachten zur Sanierung.
  • Foto: Archivfoto Schaper
  • hochgeladen von Antje Geiß

 In 19 Tagen soll der Rat der Stadt entscheiden, ob der kinderreichste Stadtteil Dortmunds zukünftig noch ein Freibad haben wird oder nicht. Schon am 27. Januar wird die Bezirksvertretung Innenstadt-Nord beraten, welchem Vorschlag der Verwaltung sie für das sanierungsbedürftige, denkmalgeschütze Freibad Stockheide folgt. Einer der Vorschläge war, in Kenntnis des Aufwandes alle notwendigen Schritte zu beauftragen, um das Bad am Hoeschpark 2021 öffnen zu können. Die Mehrheit des Sportausschusses lehnte dies ab.

Der Freundeskreis Hoeschpark fordert die Öffnung des Freibades  Stockheide 2021 und ein klares Bekenntnis der Politik zur Sanierung des historischen Bades. Seit 2005 engagiert sich der Verein für die Weiterentwicklung des Hoeschparks und das Freibad. In nur vier Monaten 2018 kamen rund 31.000 Badegäste zum Schwimmen, 2019 rund 21.000. Während der Park durch Baumaßnahmen, Veranstaltungen und neue Sportvereine immer attraktiver geworden ist, stehe dies bei dem über die Grenzen des Stadtteils hinaus beliebten Stockheide-Bades nach wie vor aus.

Es mangelt nicht an Plänen

"Es mangelt nicht an Plänen und Konzepten zur Sanierung des Bades", erinnert Vereinsvorsitzende Ute Ellermann an das Handlungskonzept des Freundeskreises von 2011, die konkreten Pläne von 2013 des damaligen Betreibers Sportwelt Dortmund und die aktuelle Planung von 2020 in Regie der Sport- und Freizeitbetriebe zur Bad-Sanierung. "Was fehlt, ist ein politischer Grundsatzbeschluss und ein klarer Fahrplan", ist sie sicher, dass dies zu einer Hängepartie geführt habe. Man hangele sich von Jahr zu Jahr mit kleineren Reparaturen und Verbesserungen. Wegen verzögerter Instandsetzung habe das historische Bad gerade mal gut einen Monat öffnen können und zählte rund 3.800 Badegäste. "Seit Jahren schwebt somit das Damokles-Schwert einer Schließung über dem Freibad", bedauert sie.

Verein fürchtet Schließung und Aus für Bad

Mit Erstaunen und Entrüstung hat der Freundeskreis Hoeschpark jetzt den mehrheitlichen Beschluss des Ausschusses für Kultur, Sport und Freizeit zur Kenntnis genommen, das Bad dieses Jahr nicht zu öffnen und zunächst die Ergebnisse des Bäderkonzeptes abzuwarten, das derzeit im Kontext des Masterplans Sport entwickelt wird.
"Es ist zu befürchten, dass diese Schließung Anlass für eine dauerhafte Einstellung des Badbetriebes sein wird", sagt Ute Ellermann. Dabei mangele es nicht an Geld für einen Weiterbetrieb 2021: Im Wirtschaftsplan der Sport- und Freizeitbetriebe sind die Mittel für technische Instandsetzung sowie die laufenden Personal- und Sachaufwendungen eingestellt.

Millionen für Sanierung anderer Bäder

2020 haben die Sport- und Freizeitbetriebe beim Land mehrere Millionen Euro Förderung für die Becken- (und teilweise Gebäude-) Sanierung der Freibäder Volksbad, Wellinghofen und Hardenberg beantragt. "Hierbei musste erstaunlicherweise nicht auf die Ergebnisse des Bäderkonzeptes gewartet werden", kritisiert die Vorsitzende des Freundeskreises.
Eine Schließung des Bades würde auch dem aktuellen Projekt „Entwicklung des Hoeschparks und des Freibades Stockheide zu einem überregionalen Integrations-, Gesundheits-, Sport- und Freizeitpark“ widersprechen. Im Sinne der rund 150.000 Dortmunder, die im Einzugsgebiet des Freibades leben, fordert der Freundeskreis Hoeschpark:

  •  Eine Öffnung des Bades 2021 sicherzustellen.
  •  Die Sanierung und Weiterentwicklung des Bades ist als Vorgabe in das Bäderkonzept aufzunehmen und zeitnah mit einem verbindlichen Zeitplan in Angriff zu nehmen.

Grüne hatten Erhalt des Freibads beantragt

Die Grünen haben sich im Sportausschuss für den grundsätzlichen Erhalt des Freibads Stockheide in der Nordstadt stark gemacht. Mit einem Antrag wollten sie sicherstellen, dass das Bad im noch ausstehenden Bäderkonzept der Stadt als gesetzt berücksichtigt wird. Doch die Mehrheit wollte sich dieser Grundsatzentscheidung und dem klaren Bekenntnis zum Freibad am Hoeschpark nicht anschließen. Stattdessen gab es gegen die Stimmen der Grünen eine Mehrheit für die Schließung des Bades zunächst für die kommende Saison.

Bäderkonzept kann zur Schließung führen

„Der grundsätzliche Wille, das Bad im Norden zu erhalten, ist für uns eine Prämisse für das Bäderkonzept“, erklärt Katrin Lögering, Grünes Mitglied im Sportausschuss. Mit dem Argument, dass man zunächst das Bäderkonzept abwarten wolle, um dann über den Fortbestand des Freibades zu diskutieren, nehme man aber in Kauf, dass die Schließung das Ergebnis dieses Konzepts sein könnte. "Doch das Freibad Stockheide hat für die Nordstädter, insbesondere für die dort lebenden Familien mit Kindern, nicht nur eine sportliche, sondern vor allem auch eine soziale Bedeutung. Gerade in dem vielfältigen und multikulturellen Viertel rund um den Borsigplatz sollten die verbindenden und integrativen Möglichkeiten des Schwimmbades genutzt und ausgebaut werden, anstatt den Betrieb immer weiter zurückzufahren, um am Ende mit weiter sinkenden Besucherzahlen für ein dauerhafte Schließung zu argumentieren“, gibt sie zu bedenken. 

Sanierung immer wieder zurück gestellt

Die längst fällige Sanierung des Freibads Stockheide soll laut gestern empfohlener Verwaltungsvorlage bis zur Präsentation des Dortmunder Bäderkonzepts erneut zurückgestellt werden. Zusätzlich soll Politik entscheiden, ob das Freibad in 2021 überhaupt geöffnet werden soll. Der Ausschuss hatte sich dagegen entschieden. Die Vorlage wird allerdings erst am 11. Februar im Rat endgültig beschlossen.
Die Geschichte um die Sanierung des Freibades Stockheide beschäftigt den Rat der Stadt Dortmund - ebenso wie das Bäderkonzept - seit vielen Jahren. Ein tragfähiges Konzept zur Attraktivierung des Bades liegt trotz des im Februar 2020 mit großer Mehrheit verabschiedeten Gesamtkonzepts für Hoeschpark und Freibad weiterhin nicht vor.

Mit klarem Ja die Weichen stellen

„Mit einem klaren ´Ja´ der Politik zum Erhalt des Bades hätten im Rahmen des Bäderkonzepts jetzt die passenden Weichen für die Funktion und die Nutzung, zum Beispiel als attraktives Familienbad, gestellt werden können. Dazu hätten Lösungen zur verbesserten Anbindung per Rad oder ÖPNV ebenso gehört, wie die Frage nach einem energetischen Konzept möglicherweise für ein beheiztes Kleinkinderbecken. Stockheide ist seit jeher wesentlicher konzeptioneller und historischer Teil des Hoeschparks. Es wurde als wichtige soziale und gesundheitsfördernde Einrichtung für alle Bewohner angelegt und stellt seit vielen Jahrzehnten einen wichtigen Teil des sozialen Lebens für die ca. 150.000 Menschen dar, die im Einzugsgebiet leben. Der Erhalt des Bades steht für uns außer Frage“, betont Katrin Lögering.

Zum Hintergrund: 

  •  Das beheizte Freibad Stockheide wurde am 15. Juli 1952 auf dem Gelände des ehemaligen Schießplatzes als Teil des Projektes Kurpark des Nordens eröffnet.
  •  Im Gegensatz zu anderen Bädern, die über die Sportwelt flexibel Aushilfen und ehrenamtliche Helfer in ihren Freibädern einsetzen kann, könne laut Verwaltung fürs Freibad Stockheide vom Betreiber Sport und Freizeitbetriebe aus den Hallenbädern nur eine kleine Stammbesetzung abgestellt werden. Viel Aufwand mache es mit langem Vorlauf das restliche Personal zu rekrutieren.
  • Für die Sanierung des Freibades hatte die Sportwelt bereits 2013 ein Gutachten erstellt, dass für rund 5,1 Mio. € Gebäude renoviert, Becken saniert und Technik erneuert werden müsste.
Autor:

Antje Geiß aus Dortmund-City

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