Dortmunder Bienenautomatenprojekt startet in neue Saison
Bienenrettung aus dem Kaugummiautomaten

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Was haben ein Heimatverein im ostwestfälischen Kalletal, eine Grundschule in Holzwickede, eine Kirchengemeinde in Sachsen, die VHS in Moers und ein Familienzentrum in saarländischen St.Wendel gemeinsam?

Diese fünf gehören exemplarisch zu den inzwischen insgesamt über 65 Standorten von Bienenautomaten. Dabei handelt es sich um ehemalige Kaugummiautomaten, die nun Samenmischungen ausgeben, welche Wild- und Honigbienen in Zeiten von Flächenversiegelung, Pestizideinsatz und Monokulturen auf vielen Grünflächen das Überleben erleichtern sollen.

Die Idee, einen alten Kaugummiautomaten zu einem Projekt zur Rettung von Wild- und Honigbienen umzubauen, kam Sebastian Everding und seiner Lebensgefährtin im heimischen Garten: „Wir achten in unserem Garten sehr auf eine naturnahe Gestaltung mit insektenfreundlichen Pflanzen und geeigneten Nisthilfen. Deshalb dachten wir uns: warum eine Hilfe für Bienen nicht vielen Menschen leicht zugänglich machen?“. Everding hatte zuvor mit einem Witzeautomaten in Dortmund-Hombruch bereits erste Erfahrungen im Umgang mit der Technik gemacht, die viele wohl noch aus ihrer Kindheit kennen. Mit dem entsprechenden Knowhow organisierte der 38-jährige Dortmunder Handwerksmeister einen entsprechenden Automaten und arbeitete ihn optisch komplett um. Nun fehlte die geeignete Füllung. „Ich wusste, dass man dort viel falsch machen kann und manche Mischungen zwar optisch schön aussehen, unter Umständen aber von heimischen Bienenarten gar nicht angenommen werden“, erklärt Bienenfreund Everding

Deshalb recherchierte er und stieß auf das deutschlandweit aktive Bildungsprojekt „Bienenretter“. Mit seiner Anfrage lief Everding bei der Initiative aus Frankfurt offene Türen ein: „Wir fanden diese Idee vom ersten Moment an sympathisch, um viele Menschen auf spielerische Art für den Schutz der Wildbienen zu begeistern. Die Bedeutung der Wildbienen als Bestäuber wurde lange unterschätzt. Viele fliegen schon, wenn es den Honigbienen noch zu kalt oder zu nass ist und teilweise bestäuben sie Pflanzen, die die Honigbienen aufgrund ihres Körperbaus nicht bestäuben können oder links liegen lassen“, so der Bienenretter-Gründer Christian Bourgeois.

Im Oktober 2019 wurde der erste von mittlerweile über 65 Automaten in Dortmund montiert. Was dann passierte, hatten weder der Erfinder noch die Bienenretter erwartet: Nachfragen aus allen Teilen der Republik erreichte das Team. Sie alle wollten ebenfalls einen Bienenautomaten erwerben. „Es war dabei eine wirklich bunte Mischung, von Schulen bis zu Imkern, Firmen, Vereinen und Privatpersonen“, erzählt Everding erfreut. So erweiterten der Online-Shop der Bienenretter um gefüllten Saatgut-Kapseln, die in die Automaten kommen, und Everding begann in den heimischen vier Wänden mit der Aufarbeitung weiterer Automaten.

Die Bienenautomaten im rapsgelben Gehäuse bestehen dabei grundsätzlich aus zwei Teilen: Der Automat mit 50 Cent Münzeinwurf gibt eine Kapsel mitsamt einer regionalen ein-/ und zweijährigen Samenmischung aus, die andere Seite eine mehrjährige Blumen-Mischung. „Ab September gibt es auch Kapseln mit Knollen des Frühlingskrokus, über Krokusse als Frühblüher freuen sich vor allem Hummeln, die sonst im Frühling nur sehr wenig Nahrung finden“, ergänzt Bienenretter Christian Bourgeois.

Die Teile für seine Automaten organisiert Everding inzwischen aus ganz Deutschland über Kleinanzeigenportale und befreundete Automatenaufsteller. „Ich setze sowohl bei Automaten als auch bei den Gehäusen als Upcycling-Projekt voll auf Gebrauchtteile, diese haben zum einen den ganz besonderen Charme vergangener Zeiten und zum anderen würde diese sonst häufig verschrottet werden“, erklärt der Dortmunder die Philosophie seiner kleinen Automaten-Manufaktur. „In jedem Automaten stecken viele Stunden Handarbeit“, gibt Everding an, der von seiner Lebensgefährtin mitsamt seiner Automaten inzwischen in einen Kellerraum verbannt wurde.
Ein Aspekt liegt dabei dem Team besonders am Herzen: Die Nachhaltigkeit. Aus technischen Gründen ist es aktuell leider nicht möglich, Alternativen zu den Kunststoff-Kapseln zu nutzen. Denn die Technik der 70er Jahre funktioniert nur mit einer festen Hülle. Aus diesem Grund hängt aber neben jedem der Automaten eine gelbe Sammelbox in der die leeren Kapseln zurückgegeben werden können, um im Anschluss dann wieder neu befüllt zu werden. Das eigene „Mehrweg-System“ funktioniert dabei nach ersten Erfahrungen hervorragend. Gerade die kleinen Bienenfreunde legen größten Wert darauf, keinen Müll zu produzieren.

Die Internetseite www.bienenautomat.de informiert über alle Standorte und weitere Neuigkeiten. Aktuelle Informationen findet man auf dem Instagram Profil von Sebastian Everding @betterworldmachines. Die Produktion im heimischen Heizungskeller ist dabei schon wieder voll angelaufen, denn für dieses Frühjahr liegen bereits mehr als 40 Vorbestellungen vor.

Autor:

Sebastian Everding aus Dortmund-Süd

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