Loveparade-Tragödie: bewegende Gedenkfeier

Rettungskräfte legen für jedes der 21 Opfer eine Sonnenblume in ein nach unten offenes Blumenherz. Foto: Preuß
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Eine würdevolle, eine bewegende Gedenkfeier erleben rund 7000 Teilnehmer, so die Angabe der Staatskanzlei NRW, am Jahrestag der Loveparade-Katastrophe in der MSV-Arena. 20 Familien der insgesamt 21 Opfer waren aus dem In- und Ausland nach Duisburg gekommen, etwa 400 Angehörige und Freunde, um gemeinsam mit Vertretern von Kirche, Polizei, Rettungskräften und vielen Bürgern der Stadt der Toten, der Verletzten, der immer noch Traumatisierten zu gedenken, aber auch den vielen Helfern zu danken.

Petra Bosse-Huber, Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland, betont denn auch die Bedeutung der Gemeinschaft: "Man hört immer: Die Zeit heilt alle Wunden. Aber die Narben bleiben - und brennen." Auf Bitte der Angehörigen der Todesopfer spricht sie den Einsatzkräften ausdrücklichen Dank aus „für all das, was sie an diesem Tag für ihre Kinder getan haben“. Die Angehörigen ließen auch Dank ausrichten für all die Hilfe und Begleitung, die ihnen nach dem 24. Juli 2010 zu teil wurde. Zu dieser „tröstenden Erfahrung“ hätten auch die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Duisburg beigetragen.

Weihbischof Franz Grave gesteht, jegliche theologische Erklärungsversuche versagten angesichts solch einer Katastrophe: „Jede Frage nach dem Sinn und Warum verhallt.“ Er möchte die Angehörigen und Teilnehmer der Gedenkfeier daher auf einen gemeinsamen Gebetsweg mitnehmen.

Im Namen aller Angehörigen spricht Nadia Zanacchi aus Italien, deren Tochter Giulia bei der Loveparade ihr Leben verlor. „Wir spüren Wut für das, was passiert ist, wie es passiert ist, warum es passiert ist.“ Es hätte im Vorfeld gereicht, sich den Ort des Geschehens mit aufrichtigem Willen anzuschauen, um die Tragödie zu verhindern. „Ihr wolltet Spaß, aber ihr habt euch an einem baufälligen, dunklen, grauenvollen Ort wiedergefunden.“ Vieles sei im vergangenen Jahr gesagt worden. Da sei die Rede von einem Neubeginn, einem neuen Image gewesen. „Wir warten auf eine Geste des Respekts für unsere Kinder. Wir brauchen Gerechtigkeit. Es wurde viel gesagt, aber niemand hat gesagt, warum eine Jugendliche nicht mehr nach Hause gekommen ist.“

Zentraler Punkt der Gedenkfeier: die Verlesung der Namen der 21 Toten. Für jedes Opfer legen am Einsatz vor einem Jahr beteiligte Rettungskräfte eine einzelne Sonnenblume in ein großes Herz aus weiteren Sonnenblumen, das vor der Bühne angelegt worden war. Das Herz bleibt nach unten offen, ein Herz, das gebrochen ist. Nach einer Schweigeminute singt „Der Graf“, Frontmann der Band „Unheilig“, auf Wunsch der Angehörigen "Geboren um zu leben", ein Song, der vom Verlust eines geliebten Menschen handelt.

Ella Seifer, die die Loveparade verletzt überlebte, kommt zu Wort. Sie schildert unter Tränen das Schreckensgeschehen, ihre Ängste, die Sorge um Freunde. „Ich glaube, das war der Tag, an dem ich wirklich verstanden habe, wie schnell das Leben vorbei sein kann.“

Rettungssanitäter Daniel Otto bricht ebenfalls die Stimme, als er von seinem und dem unermüdlichen Einsatz anderer Helfer berichtet. „Ich weiß nicht mehr, wie viele Reanimationen es waren. Wir haben unser möglichstes getan, um zu helfen. Ich habe noch nie einen solchen Einsatz erlebt.“

Im Namen der Menschen in Duisburg ergreift Gabriela Grillo das Wort. Die Tragödie sei für immer ins kollektive Gedächtnis der Stadt eingebrannt. „Jeder Duisburger weiß, was er in dem Moment getan hat, als ihn die Nachricht erreichte.“ Aber auch das gehöre zum Kollektivgedächtnis der Stadt: die vielen Menschen, die halfen, die Trost spendeten. Sie versichert den Angehörigen: „Wir bleiben bei Ihnen, heute und über den Tag hinaus!“

Es folgen Fürbitten, eine trägt NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft vor. In ihre Fürbitten schließt sie diejenigen ein, die geholfen haben, die verletzt wurden, die geliebte Menschen verloren haben. Und sie bittet: „für alle, die Fehler gemacht haben, dass sie die Kraft finden, diese einzugestehen und um Vergebung zu bitten".

Im Anschluss an die Gedenkfeier machen sich die Angehörigen auf den Weg in den, zu diesem Zeitpunkt für die Allgemeinheit gesperrten, Unglückstunnel, um hier unter Ausschluss der Öffentlichkeit ihrer Lieben zu gedenken.

Mehr Bilder von der Gedenkfeier in unserer Bildergalerie.

Autor:

Sabine Justen aus Duisburg

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