Störfall im Müllheizkraftwerk Karnap stundenlang verschwiegen
Ratsgruppe Tierschutz/BAL: Unzureichende "Informations"politik von Stadt und RWE verunsichert Bevölkerung

Die Ratsgruppe Tierschutz/BAL im Rat der Stadt Essen äussert sich empört über die Informationspolitik von Stadt und RWE als Betreiberin des Müllkraftheizwerkes in Karnap. Ein Störfall, bei dem schadstoffbelastetes schwarzes Granulat aus Aktivkohle über angrenzende Stadtbereiche regnete, wurde erst sieben Stunden versetzt der Bevölkerung gegenüber kommuniziert, notwendige Warnhinweise massivst zeitversetzt ausgegeben.

Forderung nach transparenter und umfassender Aufklärung
"Es stellt sich die Frage, wieso erst am Abend des Vorfalltages die Anwohnerinnen und Anwohner seitens der Stadt Warnhinweise erhalten, wonach Hautkontakt mit dem Granulat zu vermeiden sei, nichts in den Mund gelangen dürfe, Straßenschuhe vor der Haustür ausgezogen und draußen belassen werden sollte, um kein Belastungsgut in die Wohnung zu bringen usw.," rügt Ratsfrau Elisabeth van Heesch-Orgass von der Ratsgruppe Tierschutz/BAL, Generalsekretärin der Tierschutzpartei Landesverband NRW. Die späten Warnhinweise im Kontext mit der als Rechtfertigung gedachten Erklärung seitens RWE und Stadt, man hab keine Panik verbreiten wollen, sind schlicht irritierend.

Irritation und Panik in der Bevölkerung Hauptsorge von RWE und Stadt?
"Geradezu grotesk erscheint, dass RWE und Stadt die Nichtinformation und das völlig verspätete Herausgeben von Warnhinweisen angesichts der aufkommenden Kritik aus der Bevölkerung nun damit rechtfertigen, man habe eine Irritation der Bevölkerung vermeiden wollen," wundert sich Ratsherr Marco Trauten. Offenbar seien hier für die Verursacher sowie die städtisch Zuständigen das Ruhighalten des Wahlvolkes sowie lästiger aufmerksamer Bürgerinnen und Bürger das eigentliche Problem, und nicht die Kontaminierung durch das Dauerärgernis Müllheizkraftwerk.

Intransparente und unkontrollierte Verbrennungsvorgänge?
Die Tierschutzpartei bemängelt seit langem die Verbrennungsmodalitäten im Müllheizkraftwerk Karnap. Die nunmehr ausgetretene und über die angrenzenden Gebiete 'geregnete' Aktivkohle in Größenordnung bis hin zur Form einer Erbse enthält die gravierendsten Umweltgifte einer Müllverbrennungsanlage wie z.B. Dioxine, Furane, PCB und Schwermetalle. Der zügige Austausch des Spielplatzsandes am Spielplatz am Werthschemm in der Umgebung der Müllverbrennungsanlage spricht hier eine deutliche Sprache - der Austausch erfolgte vor der Anwohnerwarnung.

Aktuelle Stunde im Rat
"Wir behalten uns vor, zur anstehenden Ratssitzung Ende Februar eine Aktuelle Stunde zu beantragen zur Aufklärung und politischer Aufarbeitung dieses Störfalls sowie der alarmierend unzureichenden Informationspolitik, warten hierzu die weiteren Stellungnahmen des Oberbürgermeisters, der Stadt sowie von RWE nach Durchführung der angekündigten Reinigungsarbeiten im Bereich zwischen Carnaper Hof, Bover, Karnaper und Arenbergstraße sowie Überprüfung der derzeit im betroffenen Teil stillgelegten Verbrennungsanlage ab," betont Ratsfrau Elisabeth van Heesch-Orgass.

Auch Unklarheiten: Problematommeiler Tihange
Die Ratsgruppe Tierschutz/BAL sieht sich hier in negativster Form erinnert an die von ihr beantragte und seitens der Ratsmehrheit in 2018 abgebügelte Aktuelle Stunde zur Gefährdungslage für die Essener Bevölkerung durch den belgischen grenznahen Uralt-Atomreaktor Tihange mit seinen ständigen Störfällen. "Wir haben aktuelle Informationen sowie die Vorstellung eines aktuellen auf die Gesamtregion bezogenen und abgestimmten Krisenmanagements zur Vorbereitung und Schutz der Stadtbevölkerung gefordert. Dieser Antrag wurde niedergestimmt, sogar von den Essener Grünen, die früher einmal als Anti-Atom-Partei angetreten sind," staunt Ratsherr Marco Trauten bis heute. Die Tierschutzpartei beschaffte sich schließlich nach diesem Mauern des Rates Informationen über eine eigene Anfrage bei Oberbürgermeister. Es stelle sich daher nach dem durchaus unproblematisch und zügig kommunizierbaren Störfall im Müllheizkraftwerk nebst der Ausgabe von Warnhinweisen die Frage, wie bei einem atomaren Störfall die Informationspolitik verlaufen würde. "Hier sind Defizite aufzuarbeiten für den Fall einer umfassenden Gefährdungslage für die Stadtbevölkerung, " fordern die Ratsleute van Heesch-Orgass und Trauten.

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