Supernova am Theater Essen-Süd - Eine Rezension zu Stefan Sprangs helden:tot

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Wo: Theater Essen-Süd, Susannastraße 19a, 45136 Essen auf Karte anzeigen

helden:tot von Stefan Sprang

Eine Rezension von Haik Alexanian.

Gesehen am 13.10.2018 im Theater Essen-Süd

Regie: Raphael Batzik/Aless Wiesemann

Vom ersten Moment an ist „helden:tot“ ein Theaterabend, der den Zuschauer heftig packt. Man ist einerseits einfach extrem nah dran. Vieles, was passiert auf der Bühne, spürt man direkt und fast körperlich in dem kleinen Raum. Aber man ist andererseits auch selber herausgefordert – denn man wird von den beiden Schauspielern immer wieder mit angesprochen als Zeuge des Geschehens und vielleicht auch als jemand, der mit verantwortlich ist an den Zuständen, in denen wir leben. Zu denen gehören dann auch die ganzen Tugenden von Fleiß und Strebsamkeit und das Karrieredenken, das Hauptfigur Marcus Wennmann übernommen hat, bis er ein moderner Held der Arbeit geworden ist. Aber dann kommt der Moment, wo er zu seiner eigenen Überraschung kalt gestellt wird vom Chef. Die Botschaft ist dabei immer noch total aktuell, auch wenn das Stück des Essener Autors Stefan Sprang wohl schon ein paar Jahre älter ist. Es geht um Fragen, die wir alle kennen: Was ist wichtig im Leben? Was ist echtes Glück? Sind es Erfolg im Beruf und das Geld, das man verdienen kann, wenn man sich anstrengt? Nach der Pause gibt es eine Szene, die berührt sehr, wenn Wennmann von den Glücksmomenten der Kindheit erzählt, seinem Fahrrad oder dem besonders leckeren Kartoffelsalat der Oma. Dann geht auch ein Foto von ihm durch die Reihen als kleiner putziger Cowboy. Eigentlich wollte er sich dieses Gefühl doch nur bewahren, diese Zufriedenheit und dieses Mit-Sich-Eins-Sein. Aber auch wenn er in Humphrey Bogart in „Casablanca“ einen wahren mitfühlenden Helden beschreibt, dann ist das unheimlich anschaulich und nimmt einen mit. Bei allem Tragischen gibt es aber auch viele witzige Momente, besonders, wenn die „Chef-Hyäne“ auftritt. Unter einem sehr echt wirkenden Tierkopf steckt ebenfalls Raphael Batzik, der großartig wandlungsfähig ist als Hauptfigur. Mal rotzt er seine Wut raus und regt sich wortgewandt auf, aber im nächsten Moment merkt man, wie verletzt er ist und dass er eigentlich immer noch ein zu guter und sanfter Mensch ist für seine Rachepläne. Seine Ergänzung und seine Gegenspielerin ist Aless Wiesemann. Ist es seine Frau, ist es eine Stimme in seinem Kopf oder einfach eine andere Seite seines Charakters? Das muss man sich selber von Mal zu Mal überlegen. Auf jeden Fall zeigt auch sie unglaublich viele Seiten, ist mal komisch, mal streng, mal verzweifelt, mal aufgekratzt. All diese Gefühlslagen kann man immer auch wunderbar auf ihrem Gesicht ablesen. Im spannenden Finale legt sie auch noch einen verführerischen Tanz hin, allerdings versehen mit viel Ironie, die zu diesem Stück immer dazu gehört. Sehr gelungen ist auch die Musikauswahl: „Supernova“ von Casper und Marteria ist so was wie die Titelmelodie, die man nicht so schnell aus dem Kopf kriegt. Genauso wie die vielen klugen Gedanken, die im Text stecken, der mit seiner ausgefeilten Sprache nicht einfach ist, die die beiden Darsteller aber wirklich fesselnd lebendig werden lassen. Eine Aufführung, die man eigentlich mehr als einmal anschauen muss.

Haik Alexanian

Weitere Informationen:
https://www.theater-essen-sued.de/

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