Aus einem Ostpreußen wurde ein Westfale
Gladbeck trauert um Karl-Heinz Leitzen

Voller Dynamik und Lebenslust - so kannten viele Gladbecker Karl-Heinz Leitzen, der jetzt im Alter von 97 Jahren verstarb. | Foto: Archiv Braczko
  • Voller Dynamik und Lebenslust - so kannten viele Gladbecker Karl-Heinz Leitzen, der jetzt im Alter von 97 Jahren verstarb.
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Seine Heimat Ostpreußen hat er nie vergessen, auch wenn er im Laufe der Jahrzehnte zu einem Westfalen wurde. Jetzt ist Karl-Heinz Leitzen im Alter von 97 Jahren verstorben.

Vielen Gladbeckern ist Leitzen als Vorsitzender der "Landsmannschaft Ost- und Westpreußen" bekannt, die er 65 Jahre lang leitete. Legendär sind aber seine Erzählungen aus der alten Heimat, seine Vorträge und Filmvorführungen, beispielsweise im Apollo-Filmtheater, witzig und gekonnt die Büttenreden bei den Karnevalsveranstaltungen im Kolpinghaus – und wer ihn besuchte, dem schmeckte auch der selbstgemachte Bärenfang, ein Honigschnaps, bekannt als ostpreussisches „Nationalgetränk!“

In Königsberg (heute Kaliningrad) geboren, wuchs er auf in Succase (Kreis Elbing), dort arbeitete sein Großvater als Dorf-Tierazt. Hier musste er der "Hitlerjugend" beitreten, aber besser gefiel ihm 1939 die Einberufung als Leiter eines Halblöschzuges bei der Feuerwehr. Dann folgte der Einsatz als Soldat in Rußland und Frankreich. Die Engländer waren es, die Leitzen im Jahr 1945 aus seinem Panzer herausholten und ihn als Mitarbeiter eines Transportunternehmens „übernahmen“.

Diese Tätigkeit führte den „Vertriebenen“ schließlich auch nach Gladbeck, wo er seine Frau Gerti kennen lernte. Die Hochzeit musste noch in der Notkirche des Kolpinghauses stattfinden, denn die Lambertikirche lag noch teilweise in Trümmern.

Mit dem Empfehlungsschreiben eines englischen Majors erhielt er in Gladbeck (damals nicht einfach) eine Zwei-Zimmer-Wohnung, blieb seiner neuen Heimat treu und wechselte zur Stadtverwaltung, Abteilung Lastenausgleichsamt, später bearbeitete er Asylanträge.

Ab 1973 durfte Leitzen endlich wieder seine alte Heimat besuchen. Denn die Liebe zu Ostpreußen blieb, getreu seinem Lebensmotto: „Den Kontakt zu seinen Wurzeln sollte man nie verlieren!“
Karl-Heinz Leitzen engagierte sich auch lange Jahre in der SPD Gladbeck-Mitte und wurde für seine Verdienste unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Autor:

Uwe Rath aus Gladbeck

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