Premiere von "Reine Formsache" im Theater an der Ruhr
Auf der ständigen Suche nach Antworten

Mouayad Roumieh (l.) und Amal Omran hinterfragen in "Reine Formsache" ihre eigene Identität "zwischen den Welten".      Fotos: Theater an der Ruhr
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  • Mouayad Roumieh (l.) und Amal Omran hinterfragen in "Reine Formsache" ihre eigene Identität "zwischen den Welten". Fotos: Theater an der Ruhr
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Es gibt Fragen über Fragen, die den einzelnen Menschen, aber auch die gesamte Gesellschaft bewegen. Die Suche nach Antworten ist alles andere als „Reine Formsache“, auch wenn der gleichnamige Titel der nächsten Premiere im Theater an der Ruhr das vermuten lässt.

Am Samstag, 9. November, dem 30. Jahrestag des Mauerfalls, beschäftigt sich das von der Kulturstiftung des Bundes und dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW geförderte Collective Ma'louba in seiner jüngsten Uraufführung mit physischen und psychischen Grenzen. Das Stück aus der Feder von Mudar Alhaggi hat mit Aufbrüchen zu tun, mit dem Ablegen von Zwängen und der Entstehung von neuen Zwängen. Es kommt zu Situationen, die so nicht vorherzusehen waren.

In seinen Theaterproduktionen hinterfragt Collective Ma'louba, eine Künstlerplattform, die eine Art von „Dauerresidenz“ im Theater an der Ruhr genießt, vor dem Hintergrund der jüngsten gesellschaftlichen Veränderungen die politische, künstlerische und soziale Lage der arabischen und der europäischen Welt. In beiden Welten sind sowohl der Autor Alhaggi als auch Regisseur Wael Ali verwurzelt. Syrien haben sie hinter sich gelassen, Frankreich und Deutschland sind ihr Exil, das zur Heimat werden kann.

Eine Vielzahl von Fragen

In „Reine Formsache“ erlebt das Publikum auf der Bühne am Raffelbergpark die syrische Schauspielerin Amal Omran und ihren Kollegen Mouayad Roumieh, die ebenfalls seit ein paar Jahren in Europa leben. Während sie sich die Bühne teilen, suchen sie nach ihrer künstlerischen Identität als professionelle Darsteller. Und die ständige Identitätssuche ist es auch, die sich wie ein roter Faden durch das Stück zieht, eingebettet in eine Vielzahl von Fragen, die letztlich noch nicht, vielleicht sogar nie beantwortet werden. In jedem Fall wird das Publikum in die Suche nach Antworten einbezogen.

Es geht um Grenzen, um deren Überschreitung, um Erinnerungen und Konsequenzen. Amal entschließt sich, ihre Eltern in Syrien zu besuchen. Als sie die Grenze erreicht, muss sie ein Verhör über sich ergehen lassen, dass eigentlich eine reine Formsache sein sollte. Weit gefehlt. Mouayad, der den Part eines Offiziers im Stück übernimmt, muss sie verhören, bevor Amal das Land betreten darf. Die Zuschauer erfahren, dass Amal in ihrem Kopf an einem Bild festhält, das nichts mit der Realität zu tun hat. Sie sehnt sich nicht danach, nach Syrien zurückzukehren. Sie sehnt sich aber nach dem Besuch eines winzigen Cafés auf einem Hausdach in einem kleinen Dorf, in dem sie nur von der Natur und alter Musik umgeben wäre. Sie möchte an einem Ort sein, an dem das Konzept der Zeit eine andere Bedeutung als im wirklichen Leben hat.

Spontane Veränderungen

Produktionsleiter und Dramaturg Immanuel Bartz ist von der Idee des politischen Stücks, in dem sich zwei Schauspieler selber spielen, um Grenzen aufzuzeigen und die eigene Identität zu hinterfragen, begeistert, und hofft, dass diese Begeisterung auch auf das Publikum überspringt. Es gibt in „Reine Formsache“, das in arabischer Sprache mit deutschen Übertiteln zur Aufführung kommt, keine starren Situationen, sondern viel Raum für spontane Veränderungen und „Zwischentöne“. Das Stück ist ein Wagnis, ein Expriemnt, eine Bereicherung des Phänomens Theater.

INFO

Die weiteren Aufführungen nach der Premiere am Samstag, 9. November, 19.30 Uhr, finden am Sonntag, 10. November, 18 Uhr, sowie am Freitag, 20. Dezember, 19.30 Uhr, im Theater an der Ruhr, Akazienallee 61, statt. Karten unter Tel. 0208 / 5990188 oder per Mail an info@theater-an-der-ruhr.de.

Autor:

Reiner Terhorst aus Duisburg

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