Am 13. Februar entscheidet der Stadtrat über die zukünftige Nutzung des Flughafen-Areals
Wie geht es weiter beim Flughafen?

Eine transparente Luftschiffhalle soll spektakuläre Ein- und Ausblicke bieten.
Grafik: WDL
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  • Eine transparente Luftschiffhalle soll spektakuläre Ein- und Ausblicke bieten.
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Was wird aus dem Flughafen? Wirtschaftsförder Hendrik Dönnebrink hatte aufs Tempo gedrückt und Teile der Politik waren dieses Engagement mitgegangen. Nun soll der Mülheimer Stadtrat am 13. Februar entscheiden, wie man die zukünftige Nutzung des Areals vorantreiben kann.

Wird der Flughafen-Betrieb in Abänderung des bisherigen Ausstiegsbeschlusses mindestens um zehn Jahre bis Ende 2034 verlängert? Gleichzeitig könnte durch eine Verlängerung des Erbbaurechtsvertrags mit der WDL Luftschiffgesellschaft im Falle einer namhaften Investition sogar ein langfristiges Verbleiben an diesem Standort ermöglicht werden.
Der angestoßene Masterplan-Prozess kommt nicht so richtig voran. Unter anderem, weil da noch wesentliche Gutachten fehlen. Ein gewisser Zeitverzug ist auch der Beantragung von Fördergeldern geschuldet. Für die WDL und ihren Geschäftsführer Frank Peylo käme aber ein Ratsbeschluss am 13. Februar genau richtig: „Uns freut die Entwicklung, denn wir benötigen jetzt eine Entscheidung. Wir müssen jetzt reagieren. Die Infrastruktur hält fünf weitere Jahre nicht durch. Was will der Mülheimer Bürger? Er will Taten sehen und nicht dieses Abwarten. Politik soll entscheiden und darf nicht auf Wahlen warten. Bisher gab es lediglich den Prüfauftrag, ob ein Teilausstieg 2024 möglich ist. Beim Masterplan ist ja auch noch nichts festgezurrt, da wird die Verwaltung noch etliche Jahre benötigen. Bis 2024 gibt es da noch kein Konzept. Also sagen wir, gebt uns doch erst einmal Sicherheit bis 2034.“

Massive Investitionen

Peylo spricht da auch für die Initiative „Wir sind Flughafen“. Mit den ansässigen Flugschulen FFL und TFC Käufer, den Firmen Claassen und Air Marin, den Vereinen wie Aero-Club, Hanseatischer Fliegerclub, Luftfahrtverein Essen. Der sei übrigens mit der Älteste der Welt. Seit 2014 habe man mit den politischen Fraktionen gesprochen, in Essen und Mülheim: „Wir wollten den Status Quo aufzeigen. Dieser Flughafen war ein Stück weit zum Spielball der Politik geworden. Da gerieten die mehr als 200 Arbeitsplätze und die ansässigen Firmen aus dem Fokus. Da wollten wir einfach informieren. Was passiert hier oben? Gewiss nicht nur Hobbyfliegerei. Das Luftschiff hat ein Alleinstellungsmerkmal. Es trägt zum Heimatgefühl bei. Weltweit gibt es überhaupt nur sechs Luftschiffe. Unsere WDL wird 65 Jahre alt. Da wollen wir am 5. September ein schönes Fest feiern.“
Die Pläne für massive Investitionen liegen vor. Das Unternehmen möchte eine Summe von zehn bis zwölf Millionen Euro in die Hand nehmen. Da würde die bestehende Luftschiffhalle mit einer transparente Membran bespannt, spektakuläre Ausblicke bieten und auf 4.000 Quadratmetern ideale Veranstaltungsfläche für Events sein: „Wir sehen da Potenzial in kleineren, feineren Veranstaltungen.“ Daneben soll der Altbestand abgerissen und mit rund 15.000 Quadratmeter Nutzfläche neu gebaut werden. Für Büroflächen, flugaffinen Einzelhandel, eine Museumswelt. Vieles wäre denkbar: „Aber dafür ist es wichtig, dass wir die Halle über 2034 hinaus betreiben können. Wir wollten nie einen Persilschein. Aber für uns alle ist Planungssicherheit sehr wichtig. Daher brauchen wir diesen Ratsbeschluss. Nach unserer Auffassung steht eine breite Mehrheit dahinter.“

In den Startlöchern

Frank Peylo und sein Team hocken in den Startlöchern. Doch bei aller Freude über den neuen politischen Fokus auf den Flughafen möchte Peylo die Kirche aber doch im Dorf lassen: „Da würde man den Platz überbewerten. Hier oben werden bestimmt keine Wahlen gewonnen. Beide Städte haben doch ganz andere Probleme.“
Für die Umsetzung der Planungen müsste Baurecht geschaffen werden. Hierfür könnten Anpassungen im regionalen Flächennutzungsplan notwendig werden. Ebenfalls würde die Umsetzung der WDL-Pläne voraussetzen, dass der bestehende Erbbaurechtsvertrag deutlich überarbeitet und verlängert wird. Wie das genau in Verträge gegossen wird, soll das Rechtsamt der Stadt regeln. Die Verwaltung der Stadt Essen möchte übrigens erst zu einem späteren Zeitpunkt den Weiterbetrieb des Flughafens in die Politik einbringen. Frank Peylo hat jedenfalls große Hoffnung, dass sich wieder etwas bewegt in Mülheim: „Uns freut die Entscheidung. Nun kommen wir endlich einen Schritt weiter. Wir sind bereits mit potenziellen Mietern in Gesprächen. Wir haben vieles schon vorbereitet. Wenn der Rat am 13. Februar grünes Licht gibt, wollen wir sofort Gas geben. Das hier könnte eine Initialzündung sein, nicht nur für Mülheim. Ein Leuchtturmprojekt für die ganze Region.“

Mehrheit zeichnet sich ab

Im Stadtrat zeichnet sich eine Mehrheit für den Grundsatzbeschluss ab. Für die SPD fand Rodion Bakum klare Worte: „Die WDL hat einen zukunftsweisenden Vorschlag gemacht: flugaffines Gewerbe, eine moderne Veranstaltungshalle, soziale und kulturelle Einrichtungen vor Ort, dazu erweiterte Gewerbemöglichkeiten. Wir haben jetzt die einmalige Chance, den Zukunftspark Flughafen zu sichern.“ Auch der Bürgerlicher Aufbruch begrüßt ausdrücklich die Dönnebrink-Initiative, über die Zukunft des Flughafens neu nachzudenken: „Dieser längst überfällige Schritt wurde aufgrund veränderter Umstände dringend nötig.“ Hier sei der Rat in der Verantwortung, eine zukunftsfähige Entscheidung zu treffen. Fraktionschef Peter Beitz betont immer wieder, dass seine FDP geschlossen hinter dem Flughafen stehe. Er erinnert an den Besuch von NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart und möchte am Flughafen einen „innovativen Gewerbepark mit flugaffinem Gewerbe“ sehen. Für Lutz Zimmermann vom Bündnis für Bildung ist der Grundsatzbeschluss nur konsequent: „Es muss den am Flughafen ansässigen Wirtschaftsbetrieben nach Jahren des Stillstandes endlich eine Zukunftsperspektive in Mülheim gegeben werden.“ Die technische Aufrüstung des Flughafens sei unabdingbar, um nicht den Anschluss an die Konkurrenz zu verpassen.

„Stück aus dem Tollhaus“

Die Grünen halten dagegen. Sie bezeichnen die Forderung, den Flugbetrieb über 2034 hinaus fortzuführen, als „Stück aus dem Tollhaus“. Angesichts der aktuellen Klima- und Flugverkehrsdiskussion sei es ein Unding, einen im direkten Umfeld des Düsseldorfer Airports liegenden Flugplatz mit maroder Infrastruktur auf Steuerzahlerkosten aufzupäppeln. Lothar Reinhard von den MBI wählt drastische Worte: „Wie gefühlt seit 100 Jahren wird der Fluglandeplatz Essen-Mülheim als Wahlkampfthema aus den verschieden-bunten Hüten gezogen.“ Wieder stehe die Mülheimer SPD gegen die Essener SPD, die Mülheimer CDU gegen die Essener, die Stadt Mülheim gegen die Stadt Essen. Die angesprochene CDU hatte sich vor Ort informiert und Fraktionsvorsitzende Christina Küsters erklärte: „Ich verspreche Ihnen, dass wir die von ihnen heute in beeindruckender Weise präsentierten Planungen in der Fraktion eingehend diskutieren und gewissenhaft prüfen werden.“

Eine transparente Luftschiffhalle soll spektakuläre Ein- und Ausblicke bieten.
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Auf 4.000 Quadratmetern soll die Halle ideale Veranstaltungsfläche für Events sein.
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Autor:

Daniel Henschke aus Essen-Werden

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