Mülheimerin gesteht: "Ich bin ein Cycloholic!"

Das Leben ist zu kurz um Abzusteigen!
  • Das Leben ist zu kurz um Abzusteigen!
  • hochgeladen von Anke Müller

Ich bin im Moment ein bisschen lädiert. Ich bin nämlich zweimal innerhalb einer Woche die Treppe heruntergefallen. Eigentlich war das erst gar nicht so schlimm, aber lassen Sie mich erzählen!

Los ging es an einem warmen Sonntagmorgen vor zwei Wochen. Mein Pubi kam vom Sport und weil er ein Asket ist, kühlte er sich im Garten unter der Gartendusche ab. Nun ist der Knabe ja nicht der Ordentlichste und mittlerweile fror ihn stark. Er sprintete zum Haus, um dem sicheren Erfrierungstod zu entkommen. In der Hast verlor er, genau vor der Terrassentür, seine Schlappen.

Nun trug es sich zu, dass dann zwei Dinge gleichzeitig passierten: Die Waschmaschine piepte und das Telefon schellte. Meine Mutter war dran. Ich nahm den Hörer also mit in den Keller und quatschte mit meiner Mutter. Ich habe vergessen, um was es ging, aber es muss interessant gewesen sein. Denn wie ich mit dem Wäschekorb im Arm und meiner Mutter ans Ohr geklemmt aus der Terrassentür jonglierte, gewahrte ich erst im allerletzten Moment Pubis Treter. Leider hatte ich bereits abgehoben und war schon ein MicoNanoSekündchen lang schwerelos, als ich noch versuchte, Pubis Hinterlassenschaft mit einem Kick meines linken Fußes auszuweichen. Sie werden es sich denken können: Das misslang. Ich stürzte mitsamt des Korbes, der Wäsche und meiner Mutter über unseren eisernen Fußabtreter.
Himmel, tat mir jetzt die Ferse weh!

Die nächsten drei Tage war‘s mit Fahrradfahren schlecht und überhaupt kam ich schlecht in meine Schuhe. Ich trat nur vorsichtig auf und hoffte, dass der Schmerz bald vorbeigehen würde.

Weil ich aber so vorsichtig hatschte, war ich eben auch ein bisschen ungeschickter. Keine Woche drauf dann Folgendes: Ich hatte einen Termin und stand viel früher auf als an einem gewöhnlichen Wochentag. Es war stockfinster, noch nicht mal ein Vöglein zwitscherte. Ohne Licht zu machen schlich ich durchs Treppenhaus, denn ich wollte die anderen nicht wecken. Als ich aus dem Bad kam, fiel mir mein Handy ein. Das lag vergessen auf dem obersten Treppenabsatz.

Ich schob mich sacht wie eine Katze von meinem Podest aus nach oben und ertaste das Mobilding in der Finsternis auch tatsächlich. Weil das alles ein wenig dauerte und ich auch recht müde war, brachte ich wohl gedanklich die zurückgelegte Strecke durcheinander. Ich war mir sicher, ich hätte nur eine Stufe erklommen. Schwang mich also mit meiner Kommunikationsbeute nach hinten, um wieder auf dem Podest zu landen – und fiel ins Leere.

Ey, Leute, könnt Ihr Euch vorstellen, wie das gepoltert hat? Danach waren die bei mir im Haus jedenfalls alle wach – und die aus dem Nachbarhaus gleich mit.
Ich hab mich knapp bei meinen Mitbewohnern entschuldigt und geknurrt, sie sollen weiterschlafen. Nach einer Weile hörten die Englein auf, mir einen vorzusingen und der Schmerz in meinem Fuß ließ deutlich nach. Es fühlte sich nur noch an, als sei mir die Haut unter der kleinen Zehe aufgerissen. Ging also.

Ich verbrachte drei echt stressige Arbeitstage. Da blieb keine Zeit, mir die Blessur einmal eingehend zu betrachten.
Warum auch? Meine kleine Zehe war dick und blau und überhaupt war das ganze Ding bunt, als sei ich beim Malern versehentlich in den Farbeimer getreten. Blaue Flecken dauern halt, bis sie abreifen.

Nach den drei Tagen schwang ich mich vorvorgestern erst einmal zur Erholung aufs Fahrrad! Meine kleine Zehe muckerte und gegen Ende meiner Runde schmerzte mir der Mittelfuß. Beim Duschen fiel mir auf, dass die Sache ganz schön fett angeschwollen war. Aber ich bin ja kein Weichei. Abtrocknen, anziehen, fertig.

Vorgestern wieder das Gleiche: Ich zog mein Bike aus der Garage. Die Sonne schien gar zu schön und bald pausiere ich wetterbedingt sowieso. Also hurtig die Zeit genutzt!
Dieses Mal schmerzte der Fuß schon bevor ich den Wald erreichte. Und der Mittelfuß kniff bereits heftig kurz vor jedem huckeligen Wegstück.
Duschen, gleiches Spiel: Fett – aber dafür war jetzt die blaue Farbe verschwunden. Erinnerte jetzt in Form und Coleur an eine bayerische Weißwurst. Oder zwei, weil die Ringfingerzehe sah nun auch so aus.
Am Abend erzählte ich meinem Mann davon.
„Bist du denn verrückt?“, regte der sich auf. „Schluss jetzt mit der Fahrradfahrerei! Lass das erst mal ausheilen!“

Ich versprach‘s, doch gestern Nachmittag schien ja wieder die Sonne! Solchem Wetter kann ich einfach nicht widerstehen! Fuß hat scheiße geschmerzt – ich habe die Runde aber trotzdem genossen. Daheim heizte ich fix und unauffällig mit dem Bike in der Garage, damit mein Mann es nicht entdeckte.
Kurz nach mir erreichte mein Mann den Hof. „Na, warst du heute Fahrradfahren?“
„Nein. Du hast es doch verboten.“
„Und was machen dann deine Radschuhe vor der Tür?“
Scheiße, hatte ich Depp die übersehen.

Gerade eben war ich zufällig in der Garage. Ich wollte vom Fischfuttervorrat reinholen, Sie wissen ja, das koche ich ja neuerdings zum Mittag. Was musste ich da entdecken?
Meine sämtlichen Fahrräder alle mit einer langen Kette zusammengeschlossen und verschnürt!
Was mache ich denn heute Nachmittag?
Hat einer von Ihnen ein Fahrrad für mich?

Autor:

Anke Müller aus Mülheim an der Ruhr

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