Vortrag zu Kinderarbeit
Kirchengemeinde St.Theresia sammelt Spenden für Kinder in Indien

Statt in die Schule zu gehen, muss dieses indische Mädchen Backsteine auf ihrem Fahrrad transportieren. Im Gemeindesaal ist es mucksmäuschenstill.
  • Statt in die Schule zu gehen, muss dieses indische Mädchen Backsteine auf ihrem Fahrrad transportieren. Im Gemeindesaal ist es mucksmäuschenstill.
  • Foto: Klaus Sokolowski-Tinten
  • hochgeladen von Christian Schaffeld

Wie viel Kinderarbeit steckt eigentlich in unserem Alltag? Dieser Frage ist Missionar Benjamin Pütter vom Hilfswerk "Die Sternsinger" bei seinen insgesamt 88 Reisen nach Indien auf die Spur gegangen. Seine Erlebnisse schilderte er jetzt in einem Vortrag im Gemeindesaal der katholischen Kirchengemeinde St. Theresia vom Kinde Jesu in Oberhausen.

"Weltweit sind etwa 73 Millionen Kinder von Kinderarbeit betroffen", sagt Pütter mit alarmierenden Worten. Die Meisten davon leben in Indien. "Viele Kinder dort dürfen noch immer nicht zur Schule gehen. Stattdessen müssen sie unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten", sagt Pütter. Eine große Rolle spielt dabei laut dem 61-Jährigen das Kastensystem, das Indien noch immer ins "Land der Gegensätze" teilt. "Die Priesterkaste hat kein Mitleid mit den Kindern der Kastenlosen und beutet diese rücksichtslos aus."

Menschen arbeiten für weniger als 20 Cent am Tag

Viele Menschen in dem asiatischen Staat, nicht nur Kinder, arbeiten für weniger als 20 Cent am Tag. "Davon kann man selbst in Indien nicht überleben", warnt Pütter. Ein weiteres Problem für Kinderarbeit sind die schlechten oder nicht vorhandenen Schulen. "Genau hier setzen Hilfsorganisationen wie 'Die Sternsinger' oder MISEREOR an."

Schulen eröffnen neue Perspektiven

Jedes Jahr werden durch Spenden neue Schulen eröffnet und den Kindern eine Perspektive geboten. Doch die Arbeit ist längst nicht am Ende. "Es gibt zwar gute Gesetze, aber sie werden nicht eingehalten." Und so fertigen die indischen Kinder Räucherstäbchen, T-Shirts und Modeschmuck für deutsche Unternehmen. Aber auch von Kindern geknüpfte Teppiche landen in deutschen Wohnzimmern. Besonders dramatisch sieht es bei den "Steinbruch-Kindern" aus. Die Eltern der Kinder arbeiten dort den ganzen Tag ohne Schutzkleidung. Nicht einmal Atemschutzmasken gegen den Staub gibt es. Da die Steinbrüche auch in Indien weit außerhalb der Metropolen Delhi und Mumbai liegen, wachsen die Kinder quasi im Steinbruch auf. "Ich habe Kinder gesehen, die mit Hämmern und Steinen spielen. Mit den Jahren wird der Hammer dann größer und aus dem Spiel wird Arbeit", sagt Pütter. Die Lebenserwartung dieser Kinder beträgt laut Pütter gerade einmal 30 Jahre.

Grabsteine aus Kinderarbeit

Noch erschreckender: Dort entstehen Grabsteine für deutsche Steinmetze. Auf unseren Friedhöfen stehen also Grabsteine aus Kinderarbeit? "Ja", sagt Benjamin Pütter. Man kann sich beim Kauf jedoch dagegen absichern, dass man keinen Grabstein aus Kinderarbeit kauft. "Es gibt zertifizierte Steinbrüche. Wenn Grabsteine ein Siegel von 'Fairstone' oder 'Xertifix' haben, kann man sicher sein, dass der Stein nicht aus Kinderarbeit hergestellt wurde", erklärt Pütter. Die beiden Unternehmen führen regelmäßige Kontrollen im Kampf gegen Kinderarbeit durch.  Damit sich die Situation für die Kinder weiter verbessert, bleiben die Hilfsorganisationen hartnäckig und bauen weitere Schulen. Zudem ist gute Lobbyarbeit gefragt, denn auch die Politik muss sich engagieren.

Besucher spenden 1300 Euro

Die rund 60 Besucher spendeten am Ende des Vortrags fleißig, sodass schlussendlich eine Summe von 1300 Euro zusammenkam. Davon werden je 650 Euro an "Die Sternsinger" und MISEREOR gespendet.


Die Sternsinger:

Das Kindermissionswerk "Die Sternsinger" ist das Kinderhilfswerk der katholischen Kirche und fördert rund 2.000 Projekte in über 100 Ländern. Das Hilfswerk mit Sitz in Aachen organisiert unter anderem die Sternsingeraktionen im Januar.

MISEREOR:
Das „Bischöfliche Hilfswerk MISEREOR“ wurde 1958 als „Aktion gegen Hunger undKrankheit in der Welt“ gegründet und ist heute eines der größten Hilfswerke der katholischen Kirche. Den Namen schlug der Kölner Kardinal Joseph Frings in Anlehnung an den Ausspruch Jesu vor: „Misereor super turbam“ („Ich habe Mitleid mit den Menschen“).

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen