202 Corona-Fälle an einem Tag: 926 Infizierte aktuell / Stadt bittet Dortmunder um Hilfe
Appell: Regeln einhalten und Kontakte über 5 Tage dokumentieren

Der Krisenstab entschied, die Bundeswehr um weitere Unterstützung bei der Verfolgung der Kontakte Corona-Infizierter im Dortmunder Gesundheitsamt zu bitten, um wieder tagesaktuell mögliche Infizierte zu informieren. Angesichts 202 neuer Fälle an einem Tag bittet die Stadt um 20 zusätzliche Soldaten, auch Mitarbeiter der Verwaltung aus anderen Ämtern helfen jetzt im Schichtbetrieb.
  • Der Krisenstab entschied, die Bundeswehr um weitere Unterstützung bei der Verfolgung der Kontakte Corona-Infizierter im Dortmunder Gesundheitsamt zu bitten, um wieder tagesaktuell mögliche Infizierte zu informieren. Angesichts 202 neuer Fälle an einem Tag bittet die Stadt um 20 zusätzliche Soldaten, auch Mitarbeiter der Verwaltung aus anderen Ämtern helfen jetzt im Schichtbetrieb.
  • hochgeladen von Antje Geiß

Angesichts des rasanten Anstiegs der positiven Corona-Tests in Dortmund, 202 Fälle wurden gestern gemeldet, verweist der Krisenstab dringend darauf, die Schutzregeln einzuhalten, verschärft die Kontrollen und  bittet alle Dortmunder ihre Kontakte der vergangenen fünf Tage zu dokumentieren. 926 Dortmunder sind laut Gesundheitsamt aktuell infiziert, rund 3.000 befinden sich in Quarantäne.  

Wie ernst die Lage ist, mache die Inzidenz von 100 neuen Fällen in einer Woche pro 100.000 Dortmundern deutlich. "Alle Regeln einzuhalten und sich an die Vorgaben halten, das ist zwingend notwendig", appelliert die derzeitige Sprecherin des Krisentabs an alle Dortmunder*innen. Daniela Schneckenburger fordert alle mit auf, sich daran zu beteiligen, die Pandemielage mit einzudämmen.

Forderung: 3. Risiko-Stufe

Es habe sich eine deutliche Lageveränderung in dieser Woche ergeben. Aus der Sicht der Dezernentin wäre es sinnvoll eine 3. Risiko-Stufe für die Kommunen vom Bund zu definieren, um Handlungsrahmen anzupassen. "Es macht wenig Sinn, wenn Maßnahmen allein kommunal verschärft werden, es wäre notwendig, wenn das Land für solche Problemlagen einen Rahmen definiert, damit man Handlungseinheitlichkeit hat zwischen den Kommunen und keinen Flickenteppich", sagt sie. 

Bitte der Stadt: Kontakte aufschreiben

Daniela Schneckenburger bittet die Menschen, dem Gesundheitsamt zu helfen, welches mit 150 Mitarbeitenden auf Hochtouren Infizierte berät und ihre Kontakte verfolgt, und zu dokumentieren, wen man getroffen hat in den letzten 2 bis 5 Tagen. "Das erleichtert nicht nur die Kontaktverfolgung. Ich glaube die persönliche Dokumentation macht auch deutlich, einen Überblick zu haben, welchen Menschen ich mit Abstand begegnet bin", sagt sie. "Wir tun alles, was in unseren Möglichkeiten steht, um die Kontaktverfolgung weiter sicherzustellen", bittet sie um Unterstützung.
Warum das so wichtig ist, zeigt Gesundheitsamtsleiter Dr. Frank Renken mit Hilfe stark ansteigender Balken-Diagramme: "Die Lage hat sich erheblich verändert und zwar so, wie wir es nicht haben möchten.  Wir werden die 100 bis 16 Uhr heute überschreiten", ist er sicher.

926 Infizierte aktuell bekannt 

Was ihn beschäftigt ist die hohe Zahl der aktuell 926 bekannten Infizierten. In der ersten Welle seien es in der Spitze 275 Dortmunder gewesen, heute sind es fast 1.000.  "Das einzige, wofür wir noch ganz dankbar sind, ist die Zahl 14", verweist er auf die geringe Zahl der ursächlich an Covid-19 verstorbenen Dortmunder. 
Das Geschehen nimmt dynamisch zu , exponentiell, in allen Großstädten des Reviers. "In 2. Welle bewegen wir uns noch nicht mal auf dem Scheitelpunkt, wann das sein wird, kann man heute noch nicht sagen", betont Dr. Renken. 
Die 60-Jährigen und Älteren, die sich jetzt mit dem Coronavirus anstecken, die bereiten dem Mediziner Sorgen. So verzeichnen die Krankenhäuser schon eine erhebliche Zunahme von rund 12 auf 56 Personen, also eine Vervierfachung an Covid-19-Patienten, 12 auf Intensivstationen, 5 davon  beatmet.

Gefahr für Ältere

Noch, wendet der Gesundheitsamtsleiter ein, sei das für eine Großstadt ein niedriges Niveau, welches nicht die Versorgung in den Dortmunder Krankenhäusern gefährde. "Aber das ganze in drei Wochen? Würde sich das fortsetzen, wären wir bei 200 und wenn das auch für die Intensivpatienten gelten würde?" Dr. Frank Renken sieht, dass jetzt der Anteil der Menschen, die durch das Virus sehr gefährdet sind, exponentiell zunimmt.
Kritisch sei die Situation vor allem, erinnert er in Sachen Epidemie, dass Effekte von Maßnahmen erst in zwei oder drei Wochen greifen.  Hinzu komme, dass das Gesundheitsamt bei rund 60 Prozent der Infizierten nicht feststellen könne, wo die Infektion stattgefunden hat. 
 

Muttersprachler informieren in der Nordstadt

Nicht gelungen sei es die deutlich höhere Inzidenz in der Nordstadt, die sich jetzt in Eving fortsetze, einzugrenzen.  Mit muttersprachlicher Begleitung durch Grünbau werden bei Corona-Fällen Familien besucht und über Quarantäneregeln informiert. "Es gibt Menschen, die sich nur aus Heimatmedien informieren. Wir bemühen uns, das auszugleichen", berichtet Dr. Renken. Muttersprachliche Clips werden rund um Corona und zur Quarantäne in verschiedenen Sprachen erstellt Und auch die Streetworker*innen machten seit Wochen in der Nordstadt Corona zum Thema. 

Zehntausende Tests

Wie viele Corona-Tests in Dortmund gemacht werden, kann der Amtsleiter nicht sagen, da keine Zahlen zu den Tests aus allen Arztpraxen vorliegen. In den Dortmunder Krankenhäusern seien pro Woche rund 2.500 Tests beim Screening im August und September gemacht worden, insgesamt rund 10.000 Tests bei Aufnahmen, 7.000 Tests kommen an der Teststelle Nord hinzu und rund 10.000 von der Stadt sowie rund 10.000 von Schwerpunktpraxen. 
An positiven Fällen werden bei symptomlosen Dortmundern, die aus anderen Gründen in die Klinik kommen 1 - 2 Fälle pro Tag gezählt. Dieser Wert habe sich jetzt verdoppelt. Bei den Schwerpunktpraxen in die Dortmunder mit Symptomen kommen, seien es jetzt 3,5 % positive Tests. Und am Flughafen bei pro Woche 2.500 bis 3.500 Tests liege die Positivrate bei 3 - 5 Prozent.  
Ob angesichts der rasanten Entwicklung der Weihnachtsmarkt veranstaltet werden könne, müsse in naher Zukunft entschieden werden und von der weiteren Entwicklung abhängen.

Gesundheitsamt braucht 200 Mitarbeiter

Bei der aktuellen Inzidenz von 100 benötigt das Gesundheitsamt rund 200 Mitarbeitende, um die Tagesfälle und die Kontaktfälle in einem Tag verfolgen zu können. Manchmal sei das nicht mehr gelungen, deshalb werde aufgestockt. "Wir gehen davon aus, dass wir die Zahl von 200 in der nächsten Woche erreichen werden", würde Dr. Ranken auch gern die Hilfe der Soldaten länger in Anspruch nehmen. Mitarbeiter der Verwaltung werden vorübergehen mitarbeiten, um zu helfen, die  schwierige Situation mit abzuarbeiten. Dafür werden weitere Arbeitsplätze ausgestattet und Mitarbeiter geschult. 

Hilfe aus anderen Ämtern 

"Wir haben noch minimale Reserve für 250", braucht das Team jede Hilfe, denn es sei nicht mit Anrufen getan, alles müsse zusammengefasst und zurückverfolgt werden. 
"Wir prüfen in jedem Verwaltungsbereich auch im Jugendamt, ob es Aufgaben gibt, die man mal liegenlassen kann", berichtet Daniela Schneckenburger im Rathaus.  
Aushilfen und Ehrenamtliche einzusetzen, die anfragen, sei nur theoretisch denkbar, so Renken, da es nicht nur um Schulungen und verbindliche 40 Stunden-Schichten auch an Wochenende gehe, sondern auch um rechtliche Fragen. "Wir sprechen über freiheitsbeschränkende und freiheitsentziehende Maßnahmen, und dieser stattliche Eingriff ist nichts, was man mal eben so macht", muss der Gesundheitsamtsleiter Angebote freiwilliger Helfer ablehnen. 

Rund 3000 Dortmunder in Quarantäne

Rund 3.000 Dortmunder sind in Quarantäne, "die können wir nicht jeden Tag selber anrufen. Das wollen wir im laufe der kommenden Woche an externen Dienstleister vergeben, um uns damit dauerhaft zu entlasten", plant der Amtsleiter das weitere Vorgehen.  
Immer wieder wird er gefragt, warum sich die Fallzahlen jetzt so dramatisch erhöhen. Der Mediziner erklärt das so: Wir hatten junge Leute mit einer hohen Betroffenheit, die topfit waren. Sie haben es selber nicht bemerkt, sind sehr mobil und feierten. Das geht gut, weil man in der Altersgruppe bleibt. Doch langsam breitet sich die Infektion unbemerkt in der Bevölkerung aus. Über Kontakte und Familienfeiern breitet sich das Virus jetzt auch bei Älteren aus. Und dann ist die Zahl der Infizierten so groß, dass sich das sprunghaft schnell ausbreitet. Wie bei einem Schneeballsystem steckt jeder ein bis zwei andere an.

Autor:

Antje Geiß aus Dortmund-City

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