In 15 Jahren wurde die Tafel von der ehrenamtlichen Hilfe für viele zur Basisversorgung
15.000 kaufen hier ein

 Auch den Garten der Tafel, wo Obst und Gemüse angebaut wird, zeigte Helmut Lewin (l.) der Grünen Fraktion an der Osterlandwehr.
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  • Auch den Garten der Tafel, wo Obst und Gemüse angebaut wird, zeigte Helmut Lewin (l.) der Grünen Fraktion an der Osterlandwehr.
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 Besser wäre es, wenn man sie gar nicht bräuchte: die Dortmunder Tafel. Doch das ist noch lange nicht der Fall: Etwa 15.000 Dortmunder sind aufgrund ihrer Lebens- und Einkommenssituation berechtigt und kaufen Lebensmittel beim Verein Dortmunder Tafel ein, viele weitere stehen auf der Warteliste. 600 ehrenamtliche Helfer stellen sicher, dass immer für alle etwas da ist.

 „Damit hat sich ein ursprünglich zusätzliches, ehrenamtliches Angebot als Basisversorgung etabliert“, stellt Ulrich Langhorst, Sprecher der Fraktion der Grünen bei seinem Besuch in der Nordstadt fest. Eine Entwicklung, die nachdenklich stimmt. „Ohne so viel Engagement im Ehrenamt wäre vielen Menschen der Zugang zu frischen Zutaten für ein gesundes Essen verwehrt", sagt Langhorst, der beobachtet, dass sich die Verantwortung – wie häufig im sozialen Bereich – vom Staat in den ehrenamtlichen Bereich verschiebe.
Dies gelte insbesondere für Familien und Alleinerziehende, die mit dem Alg II-Satz über die Runden kommen müssen. Aber auch immer häufiger für Rentner. In einer Einrichtung wie der Tafel werde deutlich sichtbar, was auch der jüngst erschienene Bericht zur sozialen Lage in Dortmund belege: Jeder sechste Einwohner lebt inzwischen von Transferleistungen und damit am Rande der Armut. Bei den unter 15-jährigen ist sogar fast jedes dritte Kind armutsgefährdet.

Zahl der Bedürftigen gestiegen

Auch die Zahl der Menschen, die Grundsicherung im Alter in Anspruch nehmen müssen, sei deutlich gestiegen. Ein Teil der örtlichen Probleme gehe dabei auf bundes- und landespolitische Entscheidungen zurück und sei allein kommunal nicht zu lösen. "Deshalb ist es gut, dass die Tafel hier unbürokratische und sehr gut organisierte Hilfe leistet“, so Langhorst.
„Einige Unternehmen, die uns unterstützen, bauen die Arbeit bei der Tafel in ihr Azubi-Projekt ein. Die Arbeit hier wird damit zu einem Baustein der Ausbildung“, weiß Helmut Lewin, selbst ehrenamtlicher Helfer und zuständig für die Praktikanten bei der Tafel, zu berichten. „Ein interessanter Bereich ist in der Regel die Logistik, die mittlerweile einem mittelständischen Unternehmen ähnelt“, so Lewin. Wöchentlich werden rund 100 Tonnen Waren angenommen, eingeräumt, gelagert und auf die insgesamt acht Standorte der Tafel und an Dortmunder verteilt. Das Know-how des ehemaligen Logistik-Fachmanns ist deshalb besonders gefragt.

Kooperation mit Kindergärten

Und es gibt auch Kooperationen mit umliegenden Kitas. Im Garten der Tafel an der Osterlandwehr stehen Hochbeete, in denen Kinder Kohlrabi, Mangold oder Erdbeeren gepflanzt haben. Nach der Ernte wird das Gemüse dann gemeinsam zubereitet und gegessen. Auch das neuste Projekt der Tafel dreht sich um Kinder: „Viele kommen mit ihren Eltern zur Tafel und wir wollen ihnen für die Zeit, die sie hier sind, einfach ein Angebot machen“, berichtet Lewin. Deshalb gibt es jetzt schon einen Bücherschrank. Für die Zukunft soll sich aber mehr daraus entwickeln, ein Gebäude für diese Aktivitäten ist schon gefunden. Doch auch dafür braucht der Verein wieder Menschen, die ihre Zeit einbringen.
„Ein Beleg, wie wichtig es ist, sich für die Stärkung des Ehrenamtes einzusetzen“, so Ulrich Langhorst. Die neue Ehrenamtskarte sei dabei ein Schritt in die richtige Richtung.

Hintergrund: 
 Die Tafel feiert in diesem Jahr ihr 15-jähriges Bestehen. Aus dem ersten kleinen, privat organisiertem Hilfsangebot hat sich in den Jahren ein gut eingespieltes System entwickelt, das nicht nur immer wieder die nötigen Spenden und ehrenamtliche Helferinnen akquiriert, sondern sich auch erfolgreich in der Stadtgesellschaft vernetzt hat.
 So gibt es seit einiger Zeit eine Zusammenarbeit mit verschiedenen Unternehmen, die über die reine Spendentätigkeit hinausgeht.

 Auch den Garten der Tafel, wo Obst und Gemüse angebaut wird, zeigte Helmut Lewin (l.) der Grünen Fraktion an der Osterlandwehr.
Hendrik Schabsky, geschäftsführender Gesellschafter der Atlas-Schuhfabrik übergab 40 Jacken mit Logo an die Fahrer der Tafel. Zum 15. Geburtstag der Dortmunder Tafel werden die Fahrer mit neuen Jacken zu Botschaftern der Tafel. Der Verein ist immer auf der Suche nach zusätzlichen Fahrern. Aktuell werden besonders nachmittags Fahrer gesucht mit einem Führerschein für 7,5 Tonnen. Näheres unter Tel. 0231/477 3240.
Autor:

Antje Geiß aus Dortmund-City

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