Meine Adventserinnerung anno 1944 / 1945.

Meine Adventserinnerung anno 1944 / 1945.
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  • Meine Adventserinnerung anno 1944 / 1945.

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Ich erinnere mich an die Kriegsjahre 1943- 44- 45.
In Sorge um unsere Sicherheit und der Angst vor Bombardierung des Ruhrgebietes durch die Alliierten, evakuierten meine Eltern mit uns Kinder 1941 von Duisburg nach Amöneburg,--- einem 365 m hohen Basaltberg ,, Der Stadt auf dem Berge ,, wo meine Großmutter und zwei Schwestern meiner Mutter wohnten.
Da unsere Väter und alle Onkel als Soldaten im Kriegseinsatz waren, übernahmen die Frauen die Familienpflichen alleine und versuchten alle Schatten des Krieges von uns Kindern fernzuhalten.
Und trotzdem war für uns Kinder immer ein gewisses beklemmendes Gefühl präsent, auch vermißten wir doch sehr unsere Väter und alle Onkel.

Doch dieses schöne Naturumfeld des ,, Berges,, bescherte uns Kindern den schönsten und größten Spielplatz der Welt, wir hatten den ganzen Berg für uns alleine, inkl. des riesengroßen stadteigenen Waldes unten im Ohmtal.

1944,
es war wie immer ein kalter Winter, der große Berg war wie immer in dieser Zeit ein riesiges schneeweißes Gebilde, das wir Kinder zu nutzen wußten,
denn wir konnten es kaum erwarten, mit unseren Schlitten die Berghänge und Straßen runterzufahren, bis zu drei Km an einem Stück und dann zu Fuß wieder zurück auf den Berg. Mehr als drei Durchgänge war nicht drin, denn wir mußten noch vor Dunkelheit wieder zu Hause sein, wo Mutter und Tanten auf uns durchnäßte und halb erfrorene Kinder warteten, meine Cousine, meine Schwester und ich.
Meine Mutter öffnete schnell von unserem großen Küchenherd die Backofentüre und ließ uns Kinder erst einmal die kalten Füße reinhalten. Danach legte sie Brennholz auf, legte große schöne Äpfel auf ein Backblech und schob sie in den Backofen.
Auf die große mit Ausgleichsringen versehene Ofenplatte legte sie Brotscheiben, bis sie herrlich rochen und eine leichte hellbraune Färbung hatten.
Wir Kinder hatten ja ständig Hunger und ließen von Brot und Bratäpfel nicht übrig.
Jetzt kam der Teil, auf den wir immer warteten :
Meine Mutter löschte das Licht, steckte ein paar Kerzen an, legte noch Brennholz nach, daß sich der flackernde Schein der Flammen durch die Ritzen der Ofenringe an Decke und Wände spiegelte und schlug das große Märchenbuch auf. Wir durften natürlich wünschen, welches Märchen oder welche Geschichte.
Danach sang sie uns vor, wunderschöne Lieder aus ihrer Mädchenwandergruppe, oder schöne Adventslieder vom Schnee der leise rieselt oder Klingglöckchen usw. usw. ----

1945,
Mein Vater und mein Onkel kamen aus der amerikanischen Gefangenschaft wieder nach Hause, der Vater meiner Cousine und zwei Onkel fielen als Soldaten in Rußland, zwei weitere Onkel kamen schwer verletzt zurück.
Es war eine Woche vor Weihnachten, mein Onkel nahm mich an die Hand und frug mich, ob ich Lust hätte mit ihm in den Wald zu gehen einen Tannenbaum zu holen---- ? Wer kann da schon nein sagen ???
Abenteuer im Wald, 50 cm Schnee, beginnende Dämmerung,
nicht laut sprechen, damit der Förster nicht wach wird,
denn das ,, BESORGEN ,, von Tannenbäumchen aus der Waldschonung war auch damals----- ,, nicht gerne,, gesehen,-----
aber in der Kriegs- und Nachkriegszeit herrschten andere Gesetze.
Mit- und auf meinem Schlitten rodelten wir den Berg runter und gingen in Richtung Wald, um uns direkt in der Schonung zu verstecken und abzuwarten ob die ,, Luft sauber,, ist.
Nach 5 Minuten Stille durfte ich mir einen schönen Baum aussuchen, mein Onkel schwang flink das kleine Hackebeil und schon lag der schönste Baum eng verschnürt auf dem Schlitten und ab ging es bei totaler Finsternis nach Hause, Bratäpfel essen.
Für uns Kinder waren solche Aktionen immer spektakulär und herrlich aufregend.

Meine Adventserinnerung anno 1944 / 1945.
1943,  Amöneburg,-----links und rechts meine Cousinen-----
Autor:

Jürgen Daum aus Duisburg

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