Der Drahtesel bietet in Krisenzeiten gute Freizeitmöglichkeiten
Ab aufs Fahrrad in Corona-Zeiten

Duisburg: Die Chance, sich beim Radfahren etwas einzufangen, tendiert laut Experten gegen null.
  • Duisburg: Die Chance, sich beim Radfahren etwas einzufangen, tendiert laut Experten gegen null.
  • Foto: Thomas Zimmermann
  • hochgeladen von Andrea Becker

"I want to ride my bicycle ..." Queens „Bicycle Race“ ist die Hymne aller Fahrradfahrer. Und die kann in Corona-Zeiten täglich angestimmt werden, denn der Trend mit dem Drahtesel die Umgebung zu erkunden, scheint in diesen Wochen zu boomen. Der WA hat sich auf den Sattel geschwungen und bei den Radlern einmal nachgefragt.

Morgens um halb zehn Uhr Parkplatz "Lucky Bike" am Hauptbahnhof: Geduldig stehen die Kunden in der Schlange. Ein alltägliches Bild in der Corona-Krise. Als Außenstehender meint man, halb Deutschland entwickelt sich sportlich zu Pedalisten, natürlich gut für Herz und Kreislauf. Der Grund liegt auf der Hand, hatten bis dato sämtliche Freizeiteinrichtungen geschlossen, konnten die Bürger nur zu Fuß an die frische Luft oder entdeckten in Pandemie-Zeiten ihre Liebe zum Fahrrad neu.

Gruppen-Radeln ist verboten

Und der Eindruck täuscht nicht, wie der WA im Gespräch mit Oliver Baars von "Lucky Bike" erfuhr, der für den Fahrradeinkauf verantwortlich ist. "Die Zeit der Schließung war natürlich bescheiden, aber die Entwicklung nach dem Lockdown ist für uns gut. Die Leute hatten viel Freizeit und haben gemerkt, dass sie kein Fahrrad haben, und seitdem geht es aufwärts."
Während vor der Corona-Krise der Trend der Kunden eindeutig in Richtung E-Bike ging, ist nach der Wiedereröffnung das Elektrofahrrad zwar immer noch ein großes Thema, dennoch "wird durch die Bank" alles erworben. Nun stehen auch die Standard-Räder hoch im Kurs.
Zur Zeit dürfen sich 30 Kunden im Geschäft aufhalten, die von einem 20-köpfigen Team professionell beraten werden. Die Einschränkung führt jedoch zwangsläufig zu Wartezeiten, die die Kunden vor dem Geschäft verständnisvoll und geduldig hinnehmen. Und so warten eingefleischte Radfahrer und "Fahrrad-Neulinge" auf Einlass.
So wie der 69-jährige Günter Jasper, begeisteter Radfahrer, der eigens aus Oberhausen kam und sich an diesem Morgen einmal nach Ersatzteilen umschauen wollte. Kunde Werner Kautz hingegen ist auf der Suche nach einem Fahrrad für seine Tochter. "Ich habe ein Nachkriegsfahrrad, was ich benutze, damit möchte meine Tochter aber nicht zur Arbeit fahren", so der 74-jährige Duisburger schmunzelnd.

Mobilität, Distanz und klimaneutral

Christiane Kurau aus Duisburg ist an diesem Morgen ebenfalls früh am Start: "Ich habe kein Auto und suche heute Zusatzteile." Die bekennende Fahrradfahrerin hätte jedoch einen Wunsch: "Es wäre jetzt noch schön, wenn die Fahrradwege in Duisburg fahrradfreundlich renoviert würden, das würde mich sehr freuen". Mit diesem Wunsch ist die 53-Jährige auf Duisburgs Wegen sicherlich nicht allein.
Wie lange dieser Ansturm noch andauern wird, kann Baars nur erahnen: "Die stärksten Monate sind generell von März bis Juni. Ich vermute, dass der Trend so lange anhält, bis alle Freizeitmöglichkeiten wieder möglich sind."
Gleiches gilt auch für die Duisburger Filialen von "Little John Bikes", die momentan ebenfalls einen Ansturm erleben. Dies bestätigt auch Felix Natuschke, Projektleiter Marketing, gegenüber dem WA: "Der Trend zu alternativen Transportmitteln ist überdurchschnittlich gestiegen, das belegt die aktuelle Nachfrage nach Rädern in unseren Filialen. Die Fahrradbranche geht also gestärkt gegenüber anderen Branchen aus der aktuellen Situation." Das E-Bike steht auch bei den Duisburgern weiterhin im Vordergrund, vor allem in Verbindung mit der aktuellen Lage, was Reiseziele betrifft. „Das Thema Radreise hat gerade eine besondere Bedeutung, denn die Menschen planen ihren Sommerurlaub. Weil Flugreisen nicht möglich sind, werden Radtouren mit dem E-Bike unternommen“, so Natuschke und weiter: "Ein weiterer Trend ist das Thema 'Mobilität': Um den ÖPNV zu vermeiden, steigen viele Bürger auf das Fahrrad um, so können sie Distanz zu anderen Menschen halten, sich sportlich engagieren und sind zudem noch klimaneutral unterwegs."

Der ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) weist vorsorglich noch mal auf folgende Regeln in Zeiten der Corona-Pandemie hin: 
"Das Fahren in Gruppen ist tabu! Mindestens zwei Meter Abstand halten! Fahrt keine Hot-Spots an! Auch auf der Straße, auf dem Feldweg und an der Ampel gilt: Bleibt so gut es geht auf Abstand, um die Ansteckungsgefahr zu reduzieren.
Bewegt euch am komfortabelsten Rand eurer Komfortzone: Stürzen ist verboten! Vielleicht solltet ihr im Moment nicht gerade freihändig fahren üben und zum Weste ausziehen anhalten. Kein Krankenhaus der Welt möchte gerade jetzt Kapazitäten für Radfahrende mit Armbruch verwenden. Fahrt langsam – bergab, aber auch berghoch.
Das Immunsystem durch Training im Maximalbereich zu belasten, kann bei einer womöglichen Corona- oder auch Influenza-Infektion auch für fitte Radfahrende lebensgefährlich sein.
Auch wenn man (noch) keine Symptome zeigt. Eine entspannte kurze Radtour auf Nebenstraßen und Radwegen macht auch Spaß."

Autor:

Andrea Becker aus Essen-Borbeck

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