Petra, was hast Du getan? - Der Fall "Petra Hinz"

KLATSCHE(N)! Foto: Peer Steinbrück, Petra Hinz, Oliver Scheytt.
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  • hochgeladen von Susanne Demmer

Schwer frustriert nahm ich die Nachricht auf, dass die Bundestagabgeordnete Petra Hinz Teile ihres Lebenslaufs erfunden hat. Ich prognostiziere schon jetzt, dass Petra ihr Mandat in Berlin niederlegen wird. Dafür braucht es keine Aufforderungen.
Der aktuell hysterischen Diskussion in Deutschlands Medien werde ich mich nicht anschließen. Es ist schließlich nicht das erste Mal, dass das Verhalten eines Menschen Wut und Frust in mir auslöst. Da bin ich echter Erfahrungs-Millionär. Aufgeregtes Motzen und Draufkloppen war mir dabei nie ein guter Berater.

Klar, auch heute ist wieder so ein Tag, an dem so mancher sein rotes Parteibuch in den Gully schmeißen möchte und kaum mehr weiß, wo und wie er seine Wut kanalisieren kann. Gerade jetzt ist aber eines gefragt, das ich die „Helmut Schmidt-Kurzmeditation“ nenne: Erstmal eine rauchen und ruhig bleiben! Und bevor jetzt die Nichtraucher ausflippen: nehmt einen Dauerlutscher. Oder eine Mettwurst.

Was aktuell im Fall „Petra Hinz“ passiert, ist eine massenhafte Ego-Reflektion auf das Geschehene. ICH entscheide, wie ICH reflektiere und während im (virtuellen) Blätterwald mit Häme, Spott und Bösartigkeiten um sich geworfen wird, versuche ich, das Wort „Vergebung“ in meine Gedanken einfließen zu lassen. Das ist alles andere als einfach. Auch in mir tobt Böses, weil ich allzu oft Opfer einer ungerechten Politik war. Da kann man schon mal ausflippen, hoch gehen wie ein HB-Männchen oder gedanklich radikal werden. Nutzt aber nix!

Apropos „Radikalität“: Wir müssen jetzt nicht viel Labern, der Fall „Petra Hinz“ wird Wasser auf den Mühlen der AfD oder anderer Parteien sein. Da hilft keine Schönrednerei. Basta! Wieviel Wasser die Essener SPD noch auffangen kann, um das laufende Mühlrad zu stoppen, steht in den Sternen. Die oft aalglatten Verbalprofis mit Mandaten auf hoher Ebene werden es schwer haben. Man glaubt ihnen auf breiter Ebene nicht mehr. Es sind jetzt eher die „kleinen Sozis“, die das Steuerrad in der Hand haben.
Die, die gerade jetzt zwischen Lebenslauf und Werdegang unterscheiden können und nicht in der breiten Öffentlichkeit „das Gesicht wahren“ müssen.

Ich habe in dieser Hinsicht nichts zu verlieren. Ich schrei es frei heraus: Arsch ist Arsch und Scheiße ist Scheiße. „Petra, warum hast Du diese Scheiße gebaut?“ dröhnt es in meinem Kopf, aber dann denke ich an Deinen Werdegang. Es war bestimmt nicht leicht, mit dieser Lüge zu leben. Wenn doch, musst auch Du Opfer einer widerwärtigen Gesellschaft sein.

Petra, in unserer Gesellschaft haben Dir viele Menschen applaudiert. Vom Dackelzuchtvereinsmitglied bis zum Minister. Jetzt klatschen verbale Ohrfeigen in Dauerschleife auf Dich ein, die sicherlich noch viel tiefer in Deinem Inneren spürbar sind. Denjenigen, denen Du wehgetan hast, mag es eine Genugtuung sein.

„Der Schwache kann nicht vergeben. Vergebung ist das Merkmal der Starken.“
(Mahatma Gandhi)

Ich bin nicht immer stark. Vielleicht sollten WIR gemeinsam an Stärke arbeiten.

Autor:

Susanne Demmer aus Essen-Nord

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