Die Rose und die Nachtigall

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Im Garten klagt die Nachtigall
und hängt das feine Köpfchen nieder,
was hilft's dass ich so schöne Lieder
und wundersüsse Töne habe -
solange ich dies grau Gefieder
und der Rose Schöne nicht habe!

Im Blumenbeet die Rose klagt:
Wie soll das Leben mir gefallen?
Was hilft's, dass vor den Blumen allen
ich Anmut, Duft und Schöne habe -
solang ich nicht der Nachtigallen
Gesang und süsse Töne habe!

Mirza Schaffy entschied den Streit.
Er sprach: "Lasst euer Klagen beide,
Du Rose mit dem duft'gen Kleide,
du Nachtigall mit deinen Liedern:
Vereint zur Lust und Ohrenweide
der Menschen, euch in meinen Liedern!"


Gedicht von Martin von Bodenstedt (1819-1892)
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2 Kommentare
12.929
Marlies Bluhm aus Düsseldorf | 19.02.2017 | 07:59  
12.929
Marlies Bluhm aus Düsseldorf | 19.02.2017 | 08:00  
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