Erinnerung an die Reichspogromnacht
Gedenkgottesdienst mit berührender Darstellung aus "Andorra" in der Essener Marktkirche

Im Gedenkgottesdienst führten mehrere Laiendarsteller eine szenische Zusammenfassung des Stücks "Andorra" von Max Frisch auf; Schülerinnen aus dem Carl-Humann-Gymnasium sprachen Fürbitten und Gebete. Mit auf dem Foto: Pfarrer Joachim Dahlhoff (liturgische Leitung, li.), Dr. Theresa Kohlmeyer (Predigt, 5.v.li.) und Oberbürgermeister Thomas Kufen (re.).
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  • Im Gedenkgottesdienst führten mehrere Laiendarsteller eine szenische Zusammenfassung des Stücks "Andorra" von Max Frisch auf; Schülerinnen aus dem Carl-Humann-Gymnasium sprachen Fürbitten und Gebete. Mit auf dem Foto: Pfarrer Joachim Dahlhoff (liturgische Leitung, li.), Dr. Theresa Kohlmeyer (Predigt, 5.v.li.) und Oberbürgermeister Thomas Kufen (re.).
  • Foto: Kirchenkreis Essen/Alexandra Roth
  • hochgeladen von Stefan Koppelmann

Rückblick auf den Gottesdienst, den die ACK Essen am Sonntag in der Marktkirche zur Erinnerung an die Reichspogromnacht gefeiert hat, und ein Dankeschön für: die berührende Darstellung aus „Andorra“ von Max Frisch, die eindrucksvoll von mehreren Laiendarstellern vorgetragen wurde; die Predigt von Dr. Theresa Kohlmeyer aus dem Bistum Essen; die klaren Worte von Oberbürgermeister Thomas Kufen; die Musik von Robert Beck und Deniz Elitez; für Lesungen und Gebete, die von Schülern und Mitgliedern aus ACK-Gemeinden gesprochen wurden und nicht zuletzt für dieses Bekenntnis: Die Erinnerung ist wichtig, aber wir dürfen dabei nicht stehen bleiben. Die Angriffe auf die offene Gesellschaft ereignen sich auch heute wieder, Tag für Tag - ob in den Medien oder in der Nachbarschaft, durch öffentliche Reden oder Anschläge wie zuletzt in Halle.

Ja, es ist richtig: Man darf heute vieles sagen, sogar mit Worten verletzen. Unwidersprochen bleiben darf das nicht. Und niemals wieder darf zwischen lebenswertem und lebensunwertem Leben unterschieden werden. Wir lassen uns nicht spalten, wenn die Menschenwürde gefährdet ist, Ausländer angegriffen oder Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung stigmatisiert werden! Gemeinsam stehen wir, über die Grenzen von Kulturen, Religionen und Konfessionen hinweg, für Toleranz, Freiheit und ein friedliches Miteinander ein.

Außer der Predigt von Dr. Theresa Kohlmeyer stand eine bewegende szenische Zusammenfassung des Dramas „Andorra“ im Mittelpunkt des Gottesdienstes: In dem 1961 veröffentlichten Stück, das bis heute aktuell ist, thematisiert Max Frisch auf verstörende Art die negativen Auswirkung von Vorurteilen nicht nur für die davon Betroffenen, sondern auch für unsere Gesellschaft. Er zeigt, wie Vorurteile zum Einfallstor für jegliche Form von Antisemitismus und Rassismus werden können. Zugleich stellt er in diesem Zusammenhang die Frage nach eigener Mitverantwortung und Mitschuld. Die Darsteller: Flix Nier (Andri), Sandra Paß (Tochter des Soldaten), Ciro Ruggiero (Wirt), Sebastian Fischer (Jemand), Jörg Alfering (Tischlermeister), Samuel Höfer (Geselle), Dr. Helmut Förster (Amtsarzt), Joachim Dahlhoff (Geistlicher). Die Requisiten hatte die Werkstatt WERK 2 hergestellt.

An der Gestaltung des Gottesdienstes wirkten außerdem Marlene Haske und Clara Ozan, Schülerinnen am Carl-Humann-Gymnasium Essen, Pfarrer Fritz Pahlke und Dompropst Thomas Zander mit. Für die Musik sorgten Robert Beck (Klarinette) und Deniz Elitez (Klavier). Die Kollekte war traditionell für die Arbeit der Jüdischen Kultusgemeinde in Essen bestimmt. Der Gottesdienst fand in diesem Jahr am 10. November statt, weil der eigentliche Gedenktag auf den jüdischen Sabbat fiel.

Autor:

Stefan Koppelmann aus Essen-Nord

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