Protesttag am 5. Mai
Einsatz für Inklusion und Barrierefreiheit

Am Donnerstag (25.04.) trafen sich haupt- und ehrenamtliche Mitglieder der Vorbereitungsgruppe und Gäste zu einer Ortsbesichtigung - v.li.n.re. Ratsherr Ralf Bockstedte, Dirk Boehme, Eva Rode, Thomas Meyer, Heidi Meyer, Stefan Bellenberg, Antje Dawideit, Fikria Aab-Baz und Wolfgang Engler. | Foto: Kirchenkreis Essen/Alexandra Roth
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  • Am Donnerstag (25.04.) trafen sich haupt- und ehrenamtliche Mitglieder der Vorbereitungsgruppe und Gäste zu einer Ortsbesichtigung - v.li.n.re. Ratsherr Ralf Bockstedte, Dirk Boehme, Eva Rode, Thomas Meyer, Heidi Meyer, Stefan Bellenberg, Antje Dawideit, Fikria Aab-Baz und Wolfgang Engler.
  • Foto: Kirchenkreis Essen/Alexandra Roth
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Essener Organisationen und Initiativen planen am 5. Mai, dem Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen, erstmals eine gemeinsame Aktion auf dem Gelände des UNESCO-Welterbes Zollverein: Unter dem Motto „Viel vor für Inklusion! Selbstbestimmt leben – ohne Barrieren“ erzählen Menschen mit Behinderungen am kommenden Sonntag von 12 bis 16 Uhr an mehreren Ständen auf dem Gleisboulevard hinter Halle 12 aus ihrem Leben und laden dazu ein, sich für Selbstbestimmung, Barrierefreiheit und eine inklusive Gesellschaft stark zu machen.

Beteiligt an der Aktion sind das Integrationsmodell Essen, die Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfe behinderter Menschen, die Peer-Berater der KoKoBe, die Stadtteil-Entdecker aus dem Franz-Sales-Haus sowie die Freizeit-Tester und die inklusive Frauengruppe der Menschenstadt Essen, einem kirchlichen Eigenbetrieb des Kirchenkreises Essen.

Interviews, Kreativität und Angebote zur Beteiligung

„An diesem Tag kommen wir selbst zu Wort“, erklärt Dirk Boehme bei der Ortsbesichtigung selbstbewusst. Er ist einer von mehreren Ehrenamtlichen mit einer Behinderung, die die Aktivitäten mit vorbereiten. In mehreren Interviews will er am Sonntag davon erzählen, wie er als Kind, Jugendlicher und Erwachsener Diskriminierung und auch Gewalt erlebte.

Andere Angebote laden zu Kreativität und Mitwirkung ein: „Anhand von ganz konkreten Beispielen zeigen wir, wie Menschen durch Sprache und Worte benachteiligt werden und wie das relativ einfach vermieden werden kann“, erklärt Antje Dawideit von der Menschenstadt Essen. „An einem anderen Stand wird erklärt, wie ein Text aus dem Ruhrmuseum in Leichte Sprache übersetzt wird. Außerdem suchen wir gemeinsam mit den Gästen nach Hindernissen und Barrieren auf dem Gelände, dokumentieren sie mit dem Fotoapparat und informieren die Stiftung Zollverein hinterher über unsere Ergebnisse.“

Stiftung Zollverein begrüßt die Aktion

Gerade dieses Angebot stieß auch bei der Stiftung selbst auf großes Interesse: „Natürlich ist Zollverein ein historisches Areal, das sich nicht komplett inklusiv gestalten lässt. Doch überall dort, wo Barrieren abgebaut werden können, wollen wir das tun. Deshalb freuen wir uns, dass die Aktion zum Protesttag bei uns stattfindet“, sagt Silke Ladnar-Duckwitz, die auch zur Ortsbesichtigung kam und bei der Stiftung für die Themen Strategie, Produktentwicklung und Innovation zuständig ist. Die neuen „inklusiven Laufzeiten“ der Eisbahn im Winter seien ein Schritt in die richtige Richtung gewesen und sehr gut angenommen worden; auch die Rollschuhbahn in den Osterferien war barrierefrei zugänglich.

„Menschen mit körperlichen Einschränkungen und Lernschwierigkeiten sollen spüren, dass sie hier willkommen sind“, ergänzt der Essener Ratsherr Ralf Bockstedte, der selbst im Rollstuhl sitzt und am 5. Mai ein Grußwort halten wird. Die „Aktion Mensch“, größte private Sozialorganisation in Deutschland, fand das Konzept der Veranstaltung so gut, dass sie sie in ihr bundesweites Förderprogramm zum Protesttag aufnahm und finanziell unterstützt.

Wie Menschen nicht über das Thema Behinderung sprechen sollten, weiß auch Dirk Boehme ganz genau: „Auf dem Weg zur Arbeit in der Werkstatt komme ich an einer Bushaltestelle vorbei. Wenn ich höre, wie sich die Schülerinnen und Schüler dort gegenseitig mit ‚Spasti‘ oder ‚Du bist ja behindert!‘ beschimpfen, tut mir das weh. Ich wünsche mir, dass sie ein wenig nachdenken und damit aufhören.“ Auch das will er am kommenden Sonntag erzählen.

Stichwort: Gemeinsam aktiv werden für Inklusion und Barrierefreiheit

Die Aktion auf dem Gelände des UNESCO-Welterbes Zollverein ist eine von rund 180 Veranstaltungen, die anlässlich des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am 5. Mai in Deutschland stattfinden. „Inklusion ist geltendes Menschenrecht – doch strukturelle Diskriminierung ist nach wie vor in fast allen Lebensbereichen sichtbar. Die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen muss besser umgesetzt werden als bisher. Am 5. Mai rufen wir daher zu einem lauten Protest für eine inklusive und barrierefreie Gesellschaft auf, in der alle Menschen selbstbestimmt leben können“, so Christina Marx, Sprecherin der Aktion Mensch. Die Sozialorganisation unterstützt die Aktivitäten zum Protesttag und stellt Förder- und Aktionsmittel zur Verfügung. Wer sein Engagement über soziale Netzwerke mit anderen teilen möchte, kann dazu die Hashtags #5Mai und #VielVor verwenden.

Internet-Tipps

www.zollverein.de
www.aktion-mensch.de

Autor:

Stefan Koppelmann aus Essen

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