Nicht bloß traurig: Bianca van Hardeveld von Herzenswunsch NDRH erzählt über ihre ehrenamtliche Arbeit und das neue Theaterprojekt für trauernde Kids

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(Foto: Bianca van Hardeveld)
 
(Foto: Bianca van Hardeveld)
 
(Foto: Bianca van Hardeveld)

Herzenswunsch Niederrhein bringt mit Trauerbegleiterin Bianca van Hardeveld die Kinder- und Jugendtrauerarbeit am Niederrhein auf den Weg - u.a. mit einer Ferienfreizeit, Foto- und Trommelworkshops und ganz aktuell dem Theaterprojekt. 

Ich bewundere sie ja. Die Menschen, die sich neben Job und Familie noch in großem Maße ehrenamtlich engagieren. So auch die Kinder- und Jugendtrauerbegleiterin Bianca van Hardeveld, die ich über Herzenswunsch Niederrhein kennengelernt habe. Anfang Februar fand das 2. Kreativ-Treffen zum Herzenswunsch-Theaterprojekt für trauernde Kinder und Jugendliche in Hau statt.

17 Menschen, teils in der Trauerbegleitung aktiv oder aber begeisterte Kreative, haben sich zusammengesetzt und beratschlagt, wie das Vorhaben Kasperletheater am besten in die Tat umgesetzt werden kann. Alle Beteiligten waren mit viel Begeisterung und Herzblut dabei. Beliebt sind gerade die etwas unkonventionellen Ideen - Herzenswunsch eben! Dabei reifte in mir der Wunsch, mehr von Bianca und ihrem Leben zu erfahren und ich freue mich, sie Euch / Ihnen heute hier vorstellen zu dürfen.

Bianca, wann ist Dir klargeworden, dass Du Dich zur Kinder- und Jugendrauerbegleiterin ausbilden lassen möchtest und warum bist Du diesen Schritt gegangen?

Ich war schon immer gerne mit anderen Menschen zusammen und ebenso gerne bereit zu unterstützen, wenn es Personen in meinem Umfeld nicht gut ging. Darum habe ich vor vielen Jahren bestimmt auch mal den Beruf der Arzthelferin erlernt, der mich dann aber über verschiedene Wege in die IT geführt hat… Aber auch hier war ich immer damit beschäftigt, anderen Menschen zu helfen. So auch vor etwas mehr als 8 Jahren, als ich ein großes IT-Projekt der stationären Hospize und ambulanten Hospizdienste betreute. In den 2 Jahren Projektgeschehen habe ich einen sehr guten Einblick in die Arbeit der Hospize erhalten, aber auch gemerkt, dass die Trauer bei Kindern und Jugendlichen nur wenig berücksichtigt wird, bzw. zu wenig Leute vorhanden sind, die sich diesem Thema widmen. Diese Erfahrung hat mich auf den Weg zur ehrenamtlichen Trauerbegleiterin gebracht. Angefangen mit dem Befähigungskurs für ehrenamtliche Sterbebegleiter über den Aufbaukurs Begleitung Kinder und Jugendlicher, bis ich dann in der Ausbildung bei Mechthild Schroeter-Rupieper war zur Trauerbegleiterin für Kinder, Jugendliche und junge Familien. Nach dem Basiskurs und dem Aufbaukurs war ich dann gewappnet, um in die Trauerbegleitung einzusteigen. Das ist jetzt über zwei Jahre her.

Wie sieht solch eine Ausbildung aus - wie lange dauert sie und gibt es eine Abschlussprüfung?

Die Ausbildung besteht aus einem Basisteil, dieser berechtigt dich dazu, Gruppen zu leiten. Nach der großen Basisqualifikation kannst du auch Einzelgespräche führen und bist eher dazu in der Lage zu erkennen, ob weitere Hilfe für den Trauernden notwendig ist. Aber auch wenn man hier viele hunderte Stunden in einer Fortbildung sitzt, eine Abschlussarbeit erstellt und nach jeder Kurseinheit mit Hausaufgaben nach Hause geht, so ist die Erfahrung, die man im Umgang mit den zahlreichen Menschen macht, der größte Lehrmeister. Daher war es mir auch wichtig, die Ausbildung bei Mechthild Schröter-Rupieper zu machen, da sie über jahrelange Erfahrungen im Bereich der Trauerbegleitung verfügt und ihr Wissen nicht nur aus Büchern bezieht.

Wie vereinbarst Du im täglichen Leben Familie, Job und Ehrenamt?

Ich habe einen erwachsenen Sohn, der mittlerweile ausgezogen ist und ich habe einen sehr hilfsbereiten und verständnisvollen Mann, der mich in meinem ganzen Tun unterstützt. Ich habe Kollegen und Vorgesetzte, die mir die Möglichkeit geben, zum Beispiel jeden Freitag zuhause zu arbeiten, von wo aus ich dann zu den Trauergruppen oder Workshops aufbreche. Der größte Motivator ist natürlich, dass es mir eine Herzensangelegenheit ist und alles, was von Herzen kommt, macht uns Freude und gibt uns immer wieder genug Gründe und Kraft, dabei zu bleiben

Ganz konkret - in meinem Umfeld hat es einen Trauerfall gegeben , ein Familienvater ist nach schwerer Krankheit verstorben. Wie kann ich helfen - alleine und über Herzenswunsch NDRH?

Ich kann zuhören und da sein, immer wieder und wieder. Als Ressource zur Verfügung stehen und alltägliche Dinge übernehmen: Wäsche waschen, Essen kochen, mit dem Hund spazieren gehen usw. Oft fehlt Trauernden dazu einfach die Kraft.
Was kann Herzenswunsch tun? Wir können ausgebildete Trauerbegleiter in die Familie bringen, die bestimmte Dinge ansprechen, über die nicht alle sprechen möchten. Wir bringen Normalität und den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, mal ohne Hemmungen zu reden, Fragen zu stellen oder gemeinsam die Beerdigung zu gestalten. Wir können ein Netzwerk aktivieren und somit für zusätzliche Unterstützung sorgen. Durch Workshops und Trauergruppen bieten wir den Kindern und Jugendlichen einen Rahmen, sich mit anderen auszutauschen, die dasselbe oder ein ähnliches Schicksal erlebt haben. Durch unsere Ferienfreizeiten bieten wir die Möglichkeit, einmal für eine gewisse Zeit alles hinter sich zu lassen, raus zu kommen aus dem so veränderten Alltag und Kraft zu schöpfen für die nächsten Tage, Wochen und vielleicht auch Monate.

Erzähle uns doch bitte ein bisschen von den aktuellen Trauerprojekten, z.B. den Foto-Wochenenden, der Ferienfreizeit und dem Trommel-Workshop - einfach was Dir am Herzen liegt!

Der Fotoworkshop:
Im letzten Jahr haben wir uns an zwei Wochenenden mit 8 Jugendlichen von Freitag bis Sonntag in der Wasserburg Rindern und in der Jugendherberge in Xanten getroffen. Beim ersten Wochenende stand das Kennenlernen der Teilnehmer und des Fotoapparates im Fokus. Es wurden erste Bilder geschossen, viel gelacht, am Lagerfeuer gesessen, Wasserbombenschlachten veranstaltet oder ein Spieleabend durchgeführt. In Xanten haben wir uns dann schon etwas mehr mit dem Thema Trauer beschäftigt. Wir haben einen Abschnitt aus dem Buch von Dada Peng gelesen und später darüber gesprochen. Dieses zweite Wochenende wurde dafür genutzt, das eigentliche Ziel des Projekts zu erreichen. Ein Bild, auf dem ein Gegenstand der verstorbenen Person in Szene gesetzt wird. Und obwohl das Thema nicht so einfach war, konnten wir die Pausen und die Abende voller Spaß und Freude genießen, z.B. beim Stand Up Paddling auf der Xantener Südsee.

Die Ferienfreizeit in Priwall:
Einfach mal die Seele baumeln lassen und mit Menschen zusammen sein, denen ich meine neue Lebenssituation, mein Schicksal, nicht groß erklären muss. Gegenseitiges Verständnis, eine Menge Freude und Spaß, so wenig Regeln wie möglich und eine superschöne Umgebung haben 8 Kindern und Jugendlichen tolle Tage an der Ostsee bei Travemünde beschert.

Der Trommelworkshop:
Jeden vierten Freitag im Monat treffen wir uns zum Trommeln in Xanten. Geleitet wird der Workshop von Klaus van Boekel, einem erfahrenen Kursleiter, der schon weit über den Niederrhein heraus bekannt ist. Beim Trommeln haben die Teilnehmer die Möglichkeit, einfach mal alles um sich herum zu vergessen und sich nur auf den Rhythmus konzentrieren zu müssen. Das ist so ähnlich wie bei der Meditation. Da konzentriere ich mich auch auf bestimmte Klänge, meine Atmung oder meinen Körper. Beim Trommeln kommt noch hinzu, dass es mega cool ist und wir somit nicht nur Erwachsene ansprechen, sondern auch Jugendliche.


Ganz aktuell - Herzenswunsch NDRH plant ein Theaterprojekt in der Kinder- und Jugendtrauerarbeit. Worum geht es da und wie können sich Freiwillige engagieren?


Unser neustes Projekt ist das Kasperletheater. Wir möchten gerne gemeinsam mit Jugendlichen, die einen schweren Verlust durch Tod eines nahen Angehörigen erlitten haben, ein Theaterstück schreiben. Da nicht jeder auf der Bühne stehen mag, haben wir uns entschieden, aus dem Stück ein Kasperletheater zu machen. Es müssen auch nicht unbedingt der Kasperle, das Krokodil und der Polizist darin vorkommen, sondern wir können auch ganz neue Figuren erfinden. Das Projekt soll über das gesamte Jahr 2018 laufen und am Ende des Jahres mit einem fertigen Stück beendet werden. Das erste Treffen findet am 03.03.2018 um 15:00 Uhr statt. Anmeldung weitere Infos bei mir unter 0151 65625815.

Und das sind unsere aktuellen Angebote im Überblick:

Offene Trauergruppe für Kinder ( 5-12 Jahre):
Immer am zweiten Freitag im Monat von 16:00-18:00 in Goch, Anmeldung unter 0151 65625815.

Theater-Workshop für trauernde Jugendliche (12-20 Jahre) „Kasperletheater“: 
Das erste Treffen findet am 03.03.2018 um 15:00 Uhr, in Goch oder Kleve statt, Anmeldung unter 0151 65625815. 

Fotos (1-6): Bianca van Hardeveld von der Ferienfreizeit Priwall 

Fotos (7-11): Benno Wienands und
(12-14): Christiane Bienemann vom Treffen in Hau am 02.02.18 
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9 Kommentare
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Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 27.02.2018 | 09:08  
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Marlies Bluhm aus Düsseldorf | 27.02.2018 | 10:30  
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Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 27.02.2018 | 11:13  
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Melanie Busche aus Menden (Sauerland) | 27.02.2018 | 18:10  
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Peter Eisold aus Lünen | 27.02.2018 | 22:47  
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Herbert Lödorf aus Gelsenkirchen | 27.02.2018 | 22:50  
71
Benno Wienands aus Kleve | 28.02.2018 | 14:50  
13
Reinhold Kohls aus Bedburg-Hau | 02.03.2018 | 04:15  
60.464
ANA´ stasia Tell aus Essen-Ruhr | 24.03.2018 | 12:01  
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