Erste bestätigte Corona-Infektionen in Mülheim
Vier Reisende haben sich in Südtirol beim Skifahren angesteckt

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Am Mittwochvormittag stand es fest: Auch Mülheim hat seine ersten bestätigten Corona-Infektionen. Vier Mülheimer, alle um die 30 Jahre alt, haben sich beim Skilaufen in Südtirol mit dem Virus angesteckt. Sie hatten nach dem Urlaub aber keinen weiteren Kontakt mit anderen, sondern meldeten sich direkt beim Gesundheitsamt. Insgesamt 34 weitere Mülheimer wurden am Dienstag in dem Diagnosezentrum im ehemaligen Flüchtlingsdorf in Saarn getestet.

Drei Testergebnisse
stehen noch aus

Von den bisherigen Ergebnissen der Tests - drei stehen noch aus - sind alle weiteren negativ. Darunter ist auch die Schülerin der Broicher Schulklasse. Die Quarantäne für die Klasse ist aufgehoben, alle dürfen wieder zur Schule gehen. Insgesamt sieben Mülheimer befinden sich damit noch in Quarantäne, neben den vier positiv Getesteten auch die drei Patienten, deren Tests noch ausstehen. 

Auch am Mittwoch gibt es laufend zu tun im Diagnosezentrum. Es ist morgens um 9 Uhr, die Tür des Holzhauses steht offen. Im Eingangsbereich sitzt links ein junger Mann mit Mundschutz und wartet.
Die Tür zur Anmeldung im ersten Raum rechts ist geöffnet. Zwei Mitarbeiterinnen des Gesundheitsamtes, eingehüllt in einen Ganzkörperschutzanzug, mit Mundschutz und Handschuhen, nehmen die von den Ärzten per Fax überwiesenen Patienten in Empfang. Sie müssen als erstes ihre Hände desinfizieren, erhalten dann einen Mundschutz und nehmen im Wartebereich Platz, während die Daten aufgenommen und die Röhrchen mit dem Laborzettel fertiggemacht werden. Anschließend werden die Patienten in einen Raum geführt, wo sie auf einen Arzt warten.

Ärzte im Ruhestand nehmen Tests vor

An diesem Morgen ist Joachim zur Mühlen im Dienst. Der pensionierte Arzt hat sich bereit erklärt, stundenweise Dienst in dem Diagnosezentrum zu übernehmen. Er geht in das Zimmer, in dem inzwischen der Mann sitzt. Er war im Skiurlaub in Südtirol und wurde Anfang der Woche nach Hause geschickt, nachdem die Skigebiete abgesperrt wurden. Wegen leichter Symptomen wurde er zum Testen überwiesen. Zur Mühlen zückt ein Wattestäbchen und erklärt dem Mann, was er macht: "Das wird jetzt kurz unangenehm, aber es tut nicht weh". Weit in den Rachen geht er mit dem Wattestäbchen, das anschließend sofort in einem beschrifteten Glasröhrchen verschwindet. Das wird verschlossen und am späten Vormittag mit den bis dahin getätigten Tests ins Labor des Evangelischen Krankenhauses in Oberhausen geschickt. Die Tests, die nachmittags gemacht werden, gehen an das Vertragslabor des Gesundheitsamtes. Nach 24 bis 48 Stunden, je nach Laborkapazität, liegen die Ergebnisse vor.

"Wie werde ich informiert", möchte der Patient noch wissen. "Sie erhalten einen Anruf vom Gesundheitsamt, sobald das Ergebnis vorliegt", wird er von den Mitarbeiterinnen an der Anmeldung aufgeklärt. Danach darf er nach Hause fahren. Quarantäne ordnet das Gesundheitsamt erst an, wenn ein bestätigter Verdacht vorliegt. Zeigt jemand zu Hause Symptome und wird von seinem Arzt in das Diagnosezentrum überwiesen, so kann bereits der Arzt dazu raten, dass der Patient bis zum Ergebnis des Testes auch schon zu Hause bleiben soll.

An diesem Morgen sitzt auch Dr. Frank Pisani im Gesundheitszentrum. Er sieht etwas übernächtigt aus. Der Leiter des Amtes für Umweltmedizin und Infektionsschutz beim Gesundheitsamt ist verantwortlich für die städtischen Maßnahmen rund um die Virus-Epidemie. "Bisher konnten alle Patienten selbstständig zum Testen kommen", erklärt er. Sollte es mal jemand geben, der sich dazu nicht in der Lage sieht, dann würde das Gesundheitsamt mit den Rettungsdiensten eine Lösung finden.

Weitere Helfer gemeldet

Die Tests führen zurzeit rund acht Ärzte durch, allesamt im Ruhestand, die sich für diese Aufgabe freiwillig gemeldet haben. Weitere Helfer haben sich freiwillig angekündigt wie Krankenschwestern aus dem Marienhospital, die dann nach Feierabend mitarbeiten. "Damit gewährleisten wir auch, dass der Betrieb hier dauerhaft aufrechterhalten werden kann und bei möglichen Erkrankungen der Ärzte keine Praxen geschlossen werden müssen", erklärt Dr. Stephan von Lackum, Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung und Mitglied im Krisenstab. "Alle haben natürlich einen Vertrag, damit sie auch abgesichert sind."

Einige wenige Mülheimer sind einfach auf Verdacht vorbeigekommen und wollten sich testen lassen. "Wir machen Tests nur nach Überweisung des Arztes", betont Pisani. "Wer ohne kommt, wird abgewiesen und zum Hausarzt geschickt". Der Test wird von der Krankenkasse bezahlt, deshalb alleine ist schon eine Überweisung nötig. Das gilt auch für Privatpatienten. "Wir machen keine Tests für Privatpatienten, die das einfach wünschen, und auch nicht, wenn das jemand aus eigener Tasche bezahlen will. Hier geht Krankheit vor Geld", betont Stephan von Lackum. Auch vorsorgliche Tests für Arbeitgeber, die ihn von Mitarbeitern wünschen, die aus dem Urlaub zurückkommen, gibt es nicht.

Stichproben bei Quarantäne

Wenn jemand in Quarantäne ist, die das Gesundheitsamt angewiesen hat, so muss er sich auch daran halten. Wer das nicht tut riskiert Strafen, bis hin zu  einer Haftstrafe. Während der Quarantäne, so Dr. Pisani, findet auch eine stichprobenartige Kontrolle seitens des Gesundheitsamtes statt. Ist jemand erkrankt, wird er zudem je nach Schwere der Erkrankung täglich angerufen. Ist jemand ohne Symptome in Quarantäne, so kann auch vereinbart werden, dass er sich regelmäßig beim Gesundheitsamt meldet.

Und wenn sich jemand in Quarantäne nicht selber versorgen kann? "Diesen Fall hatten wir noch nicht", erklärt Pisani. "Sollte sich aber jemand melden, der sich nicht selbst versorgen kann, so werden wir versuchen, mit den Hilfsorganisationen eine Lösung finden." In der Regel würden hier familiäre oder nachbarschaftliche Strukturen greifen.

Öffnungszeiten des Diagnosezentrums

Das Diagnosezentrum in Saarn an der Mintarder Straße im ehemaligen Flüchtlingsdorf ist montags bis freitags von 8 bis 10 und von 16 bis 18 Uhr geöffnet, samstags von 8 bis 10 Uhr.

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Autor:

Regina Tempel aus Mülheim an der Ruhr

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