Mülheimer können spannendes Familienleben per Live-Stream miterleben
Falkenpärchen im Turm der Petrikirche

Pfarrer Justus Cohen, Gastronom Hendrik Peek und Küster Harry Helming-Arnold zeigen voller Stolz die ersten Aufnahmen aus dem Turm der Petrikirche, wo erneut ein Turmfalken-Paar eine Brutstätte gefunden haben. Jetzt ist das tierische Familienleben per Live-Steam zu beobachten. Begleitet wird das Projekt von den NABU-Vogelexperten Peter Brüseke und Reinhard Plath (alle v.l.)
Foto: PR-Foto Köhring.
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  • Pfarrer Justus Cohen, Gastronom Hendrik Peek und Küster Harry Helming-Arnold zeigen voller Stolz die ersten Aufnahmen aus dem Turm der Petrikirche, wo erneut ein Turmfalken-Paar eine Brutstätte gefunden haben. Jetzt ist das tierische Familienleben per Live-Steam zu beobachten. Begleitet wird das Projekt von den NABU-Vogelexperten Peter Brüseke und Reinhard Plath (alle v.l.)
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Ein Falke kreist hoch über den Dächern Mülheims. Dann setzt er zum Landeanflug an. Sein Ziel ist der Turm der Petrikirche in der Altstadt. Diese Szene wird sich in den nächsten Wochen und Monaten noch oft wiederholen. In den letzten Jahren hat dort mit schöner Regelmäßigkeit ein Turmfalkenpaar gebrütet. Und diese tierische „Liebes-Tradition“ geht weiter.

In diesem Jahr allerdings können die Mülheimer Bürger dem Falkenpärchen beim Brüten und der Aufzucht der Jungen zuschauen. Dafür brauchen sie keine unerlaubten waghalsigen Kletterpartien unternehmen, sondern können im Netz stille und bequeme Beobachter sein. Pfarrer Justus Cohen, Vorsitzender des Presbyteriums der Vereinigten Evangelischen Kirchengemeinde (VEK) ist mehr als angetan: „Unser Küster Harry Helming-Arnold und der Wirt der benachbarten Mausefalle, Hendrik Peek, haben dort Kameras installiert.“ Um die Falken nicht zu stören und „alles richtig zu machen, „haben wir uns Rat und Unterstützung beim Naturschutzbund Ruhr (NABU) eingeholt und uns zum genauen Vorgehen beraten lassen“, berichten sie.

Jetzt gibt es rund um die Uhr Live-Streams aus dem kirchlichen Vogel-Paradies. Und auf den Internetseiten der Mausefalle und der VEK gibt es auch schon eindrucksvolle Fotos und viel Wissenswertes über die „Falken-Tradition“ im Turm der Petrikirche. Die hat Hendrik Peek in einer Chronologie höchst informativ zusammengefasst, denn der Falken-Alltag im Turm hat eine lange Vorgeschichte. Schon in früheren Jahren hatten nachweislich Turmfalken dort gebrütet. Dann herrschte plötzlich Sende-, oder besser gesagt, Brutpause.

Baulärm hatte
nicht gestört

2009 entfernte Küster Harry Helming-Arnold einen Stein, den jemand vor das Einflugloch gelegt hatte. Aber es dauerte noch drei weitere Jahre, bis die Falken den Brutkasten wieder neu entdeckten. Der Blick nach oben wurde für Helming-Arnold und Peek zur Gewohnheit. „2013 und 2014 schauten die Falken immer mal vorbei, aber ein Gehege konnten wir nicht entdecken“, so der Küster. 2015 war es wieder soweit. Während der Bauzeit des Petrikirchenhauses brüten sie zum ersten Mal wieder und ziehen drei Junge groß. Der Baulärm hatte sie offensichtlich nicht gestört. Das laute Glockengeläut neben ihrer Brutstätte hatte sie wohl immunisiert.

Auch 2016 sind die Turmfalken wieder da. Und seitdem halt in besagter schöner Regelmäßigkeit. „Die sind wirklich Nest treu“, weiß Ornithologe Peter Brüseke vom NABU und rechnet damit, dass das Brüten dort eine „unendliche Geschichte wird.“ Die „Falken-Paten“ Helming-Arnold und Peek berichten aber auch von weniger schönen Begebenheiten und Ereignissen: „2017 war ein trauriges Jahr. Da verirrte sich ein junger Falke im Glockenturm und stirbt.“ Als die Beiden gegen Jahresende das Gehege inspizierten, fanden sie dort einen toten Falken und zwei nicht ausgebrütete Eier. Dann haben sie im wahren Sinn des Wortes „Hand angelegt“. Der Brutkasten wurde gereinigt und mit Buchenspänen eine saubere Unterlage geschaffen. So flogen 2018 wieder drei junge Falken über Mülheims Kirchenhügel.

Einer fiel
aus dem Nest

2019 werden erneut drei Falken erbrütet Einer fällt aus dem Nest, landet vor dem Petrikirchenhaus und „tapst“ sogar durch den Biergarten der Mausefalle. Tatsächlich schaffte es der Jungvogel am Tag darauf wieder auf das Kirchendach und wird von den Eltern ins Nest gelotst. Ein Jahr später liegen wieder drei Eier im Nest. Dann kommt es zu einer Tragödie, zu einem „Natur-Krimi“. Eine Krähe will das Nest erobern und ausräubern. Zwar konnten die werdenden Falken-Eltern den Eindringling vertreiben und verletzten ihn dabei so schwer, dass er starb. Das Gehege aber war zerstört. Wieder brachten der Küster und der Gastronom alles auf Vordermann.

Und nun haben sie ihre lange gehegte Idee einer Live-Übertragung aus dem dem Glockenstuhl in die Tat umgesetzt. Ein neuer Kasten ist gebaut, aus dem die Jungvögel nicht mehr in den Glockenstuhl fallen oder fliegen können, und der auch für Krähen zu eng ist. Peek lacht: „Im Lockdown hatte und habe ich ja jede Menge Zeit.“ Kameras werden installiert, die Technik für die Live-Übertragungen getestet. Es klappt. Erste Highlights sind zu sehen. So lockte ein Falken-Männchen mit einer Maus ein Weibchen ins Nest. Wieder lachen die Beteiligten: „Mit Speck fängt man bekanntlich Mäuse, aber mit Mäusen anscheinend Weibchen.“

Es sind künftig weitere spannende Momentaufnahmen zu erwarten. Thomas Brüseke und Reinhard Plath, die beiden begleitenden Vogelexperten des NABU, sind den beiden Initiatoren dankbar. Schließlich sei es interessant und lehrreich, zu dokumentieren, wie sich die Vögel verhalten.
Über die Links https://m.twitch.tv/petrifalke_vek. und www.mausefallemuelheim.ruhr können die Aktivitäten der Falken jetzt beobachtet werden.

Namen gesucht

„Die Falken sind uns so vertraut, dass sie Namen bekommen müssten“, meinten die „Paten“. Pfarrer Cohen reagiert prompt: „Petri und Paula wären doch passen.“ Ein anderer meint, dass Theo treffend wäre. Der Name symbolisiere ja durch das Luftschiff das Fliegen in Mülheim. Jetzt bekommen die Mülheimer das Vorschlagsrecht. Ihre Namensideen sollen sie mailen an: vek@kirche-muelheim.de. Selbstredend sind Harry Helming-Arnold und Hendrik Peek in der Jury vertreten.

Pfarrer Justus Cohen, Gastronom Hendrik Peek und Küster Harry Helming-Arnold zeigen voller Stolz die ersten Aufnahmen aus dem Turm der Petrikirche, wo erneut ein Turmfalken-Paar eine Brutstätte gefunden haben. Jetzt ist das tierische Familienleben per Live-Steam zu beobachten. Begleitet wird das Projekt von den NABU-Vogelexperten Peter Brüseke und Reinhard Plath (alle v.l.)
Foto: PR-Foto Köhring.
Das Foto zeigt das Turmfalkenmännchen im Anflug auf den Turm der Petrikirche. Von solchen imposanten Momentaufnehmen wird es in den kommenden Wochen noch einige geben.
Foto: PR-Foto Köhring
Autor:

Reiner Terhorst aus Duisburg

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