„Die Stadt muss als Arbeitgeber attraktiver werden“

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Stadtdirektor Dr. Frank Steinfort ist auch Personaldezernent von Mülheim an der Ruhr. (Foto: Stadt Mülheim)
Mülheim an der Ruhr: Mülheimer Woche NEU |

Dr. Frank Steinfort erläutert Personalplanung und Kosten der Mülheimer Verwaltung

Die zweiwöchigen Haushaltsberatungen enden und die Parteien gehen in Klausur, um sich abzustimmen. Anlass genug für den Personaldezernenten Dr. Frank Steinfort, sich zu Personalplanung und Kosten der städtischen Verwaltung zu äußern.

Der Personalaufwand schlägt 2018 mit 164 Millionen Euro zu Buche, rund 172 Millionen Euro werden für 2019 aufgerufen. Ein Plus von 4,69 Prozent. In Zukunft soll dieser Anstieg flacher ausfallen. Sogar sinken sollen die Rückstellungen zur Altersvorsorge: von in diesem Jahr 28,1 Millionen auf 25,1 Millionen in 2020. Einfache Erklärung: „Wir planen für die Zukunft sinkende Besoldungserhöhungen.“
Steinfort blickt zurück auf die Einsparbemühungen seit 2010, da wurden durch Personalabbau 16,5 Millionen erreicht: „Es ist keine kleine Summe, die wir da geleistet haben.“ Seit 2005 konnten 705 neue Stellen durch 611 Streichungen fast kompensiert werden. Insgesamt fährt die Kernverwaltung in Unterdeckung, nur 90 Prozent der Stellen sind auch wirklich besetzt. Der Krankenstand ist im Gegensatz zum gestiegenen Bundesschnitt in Mülheim stabil. Die Verwaltung ist im Schnitt 47 Jahre alt, in den nächsten 20 Jahren werden jeweils über hundert Mitarbeiter aus Altersgründen ausscheiden: „Nicht nur Mülheim bekommt da ein Nachwuchsproblem. Es hat jetzt schon ein enormer Wettbewerb um die besten Köpfe begonnen. Daher müssen Anreize gesetzt und die Stadt Mülheim als Arbeitgeber attraktiver werden. 2016 wurden die Mitarbeiter detailliert über ihre Zufriedenheit befragt, rund die Hälfte machte mit. Es gab in den meisten Bereichen eine Verbesserung zur letzten Umfrage von 2009.“

Insgesamt 59 Stellen weniger

Für 2019 sollen 24,52 neue Stellen eingerichtet werden. Zehn Stellen im Außendienst, um das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger stärken. Steinfort hält fest: „Das ganze politische Spektrum hat dies beschlossen.“ Auch werden sechs neue Stellen im kommunalsozialen Dienst geschaffen: „Ein Stichwort ist hier das Kindeswohl.“ In Bauordnungsamt und Immobilienservice sollen fünf neue Stellen dabei helfen, in Sachen Bau und Unterhaltung von Kitas und Schulen voran zu kommen. Allerdings: „Die Einrichtung neuer Stellen ist das eine. Aber man muss erst einmal die Leute dafür finden. Und dann noch Handwerker, die die Arbeiten dann auch ausführen.“ Den neuen Plätzen steht die Einsparung von 83,52 Stellen gegenüber. Ergibt ein Minus von 59 Stellen netto, das hat absoluten Seltenheitswert. Im Reinigungsbereich wird es 17 Stellen weniger geben, gleich 33 Stellen entfallen, da die Flüchtlingszahlen rückläufig sind: „Überwiegend im Sozialamt und bei den Betreuern.“ Hier gibt es auslaufende Zeitverträge und natürliche Fluktuation, niemand muss entlassen werden.

"Ein gewisser Punkt ist erreicht"

Kritisch sieht Steinfort, viele städtische Aufgaben an externe Dienstleister zu vergeben. Kontrolle und Einflussnahme würden erschwert. Nicht zuletzt deshalb wurden Einrichtungen wie Grün und Wald, Immobilienservice, Sport oder Kultur wieder rekommunalisiert. Frank Steinfort: „Da müsste man mal unaufgeregt und vor allem gemeinsam drüber nachdenken, was da die wirtschaftlich sinnvollen Alternativen sind.“ Im Bereich der Digitalisierung wird zurzeit mit einer privaten Firma ein Masterplan erstellt: „Doch Digitalisierung dient der Vereinfachung von Abläufen und nicht primär der Stellenersparnis.“ Das ist Frank Steinfort ein Anliegen: „Die Menschen, die da arbeiten, kosten Geld. Also müsste man sie betriebsbedingt entlassen. Es ist aber Konsens, dass dies nicht erfolgen soll. Auch haben wir einen gewissen Punkt der Arbeitsverdichtung erreicht. Bei weiteren Kürzungen müssten Aufgaben und Standards gekappt werden.“ Wird sein Stellenplan von der Politik wieder so scharf attackiert werden wie im Vorjahr? Steinfort zuckt mit den Achseln: „Ich weiß es nicht. Ich hoffe nicht, befürchte es aber.“
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