Wegen Bomben-Verdacht Entschärfung geplant: 7.200 Bewohner der Dortmunder Innenstadt müssen Sonntag evakuiert werden
Nur noch ein möglicher Blindgänger

Bis 8 Uhr sollten Bewohner den zu evakuierenden Bereich der City am Sonntagmorgen, 15. August, verlassen haben. Dann werden die Straßen im Evakuierungsradius abgesperrt. Busse bringen von drei Haltepunkten Betroffene kostenlos zur Stadtbahn, die zur Evakuierungsstelle fährt. Ein Ticket ist nicht nötig.  | Foto: Archiv/ Schmitz
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  • Bis 8 Uhr sollten Bewohner den zu evakuierenden Bereich der City am Sonntagmorgen, 15. August, verlassen haben. Dann werden die Straßen im Evakuierungsradius abgesperrt. Busse bringen von drei Haltepunkten Betroffene kostenlos zur Stadtbahn, die zur Evakuierungsstelle fährt. Ein Ticket ist nicht nötig.
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Fünf Tage vor der lange geplanten, großen Evakuierung der Dortmunder Innenstadt gibt es jetzt nur noch einen Bombenverdachtspunkt. Der Radius der Evakuierung wurde kleiner und es sind nur noch rund 7.200 City-Bewohner rund um den Schwanenwall am Sonntag, 15. August, von Evakuierung betroffen.

Aktuell werden am Schwanenwall Untersuchungen zur Kampfmittelbeseitigung durchgeführt. Hierbei wurden Anomalien festgestellt, die auf mögliche Bombenblindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg hinweisen. Diese Verdachtspunkte (VP) werden für eine mögliche Entschärfung am Sonntag, 15. August, vorbereitet und dabei von Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes  untersucht. Nachdem für den Verdachtspunkt in der Stiftsstraße bereits Entwarnung gegeben werden konnte, sind nun auch für zwei Stellen im Bereich am Schwanenwall/Geschwister-Scholl-Straße  und am Schwanenwall in Höhe Milchgasse alle Zweifel ausgeräumt und diese als negativ beschieden.

Radius wurde verkleinert

Jetzt verbleibt nur der VP am Schwanenwall/Platz von Novi Sad. Dadurch kann der Radius für die Evakuierung am 15. August nochmals verkleinert werden. Mit insgesamt 7.200 Menschen in 4.590 Haushalten zuzüglich der Hotels müssen nun weniger Anwohnende das Gebiet verlassen.
Und weil der Kampfmittelbeseitigungsdienst nur einen potenziellen Blindgänger entschärfen muss, kann die Evakuierung wohl schneller beendet werden. 

Entwarnung für zwei Stellen

Bei dem Verdachtspunkt in der Stiftsstraße hatten die Sondierungsbohrungen ergeben, dass hier kein Kampfmittel festgestellt werden konnte. Dieser Punkt war bis dahin noch nicht vorsondiert worden. Ergibt sich bei Sondierungsbohrungen, dass sich im Boden Anomalien befinden, dann gilt ein Verdachtspunkt als erhärtet. Das war bei den drei Punkten am Schwanenwall der Fall.

Umfeld vorsichtig aufgegraben

Diese Punkte werden dann, bei einer planbaren Maßnahme wie der aktuellen, für die spätere Entschärfung vorbereitet. Das Umfeld wird vorsichtig aufgegraben, um die Anomalien zu untersuchen. Dabei müssen die Experten vermeiden, dass sie den potenziellen Blindgänger erschüttern oder bewegen. Bei den beiden VP am Schwanenwall wurde nun zahlreiches Störmaterial gefunden, so dass die Messungen danach entkräftet werden konnten.

Kurzfristige Evakuierung vermieden

Bei dem nun verbliebenen VP am Platz von Novi Sad konnten die Anomalien bisher nicht aufgelöst werden. Spätestens am Sonntag werden die letzten Meter bei der Aufgrabung freigelegt. Würde man im Vorfeld bei diesen Vorarbeiten zu nahe an einen möglichen Bombenblindgänger kommen, riskiert man einen Spontanfund und damit eine sehr kurzfristig notwendige Evakuierung von über 7.200 Menschen und kritischen Infrastrukturen wie Senioreneinrichtungen oder auch die JVA – also genau die Situation, die es zu vermeiden gilt.

Info-Flyer wird aktualisiert

Das Ordnungsamt überarbeitet derzeit den Info-Flyer, der somit erst ab Donnerstag, dann aber mit dem aktuellen Radius, an die Anwohnenden und betroffenen Haushalte verteilt wird. Ergänzend wurden bereits viele Einrichtungen, Gewerbebetriebe etc. durch Multiplikatoren informiert.

Bitte um 8 Uhr Wohnung verlassen

Die erforderlichen Sperr- und Evakuierungsmaßnahmen am kommenden Sonntag werden ab 8 Uhr eingeleitet. Um einen reibungslosen Ablauf der Evakuierung zu gewährleisten, werden die Anwohner*innen gebeten, ihre Wohnung oder ihr Haus am Sonntag, 15. August, bis 8 Uhr zu verlassen. Dies sollten auch Angehörige berücksichtigen, die jemanden aus dem Evakuierungsradius abholen möchten.

Gesamtschule wird Evakuierungsstelle

Für die Zeit der erforderlichen Sperr- und Evakuierungsmaßnahmen wird für betroffene Anwohner*innen, die nicht bei Verwandten oder Freunden unterkommen können ab 8 Uhr eine Betreuungsstelle in der Gesamtschule Scharnhorst, Mackenrothweg 15, in 44328 Dortmund eingerichtet. In der Einrichtung besteht die Pflicht zum Tragen eine medizinischen Atemmaske oder einer FFP2-Maske.

Busse fahren für Betroffene

Zur Beförderung der zu evakuierenden Personen in die eingerichtete Betreuungsstelle in der Gesamtschule Scharnhorst wird DSW21 am 15. August Busse im Evakuierungsbereich bereitstellen, die die Personen zur Haltestelle Brunnenstraße bringen. Von dort werden die zu evakuierenden Personen dann weiter mit der Stadtbahn in die Betreuungsstelle in Scharnhorst gebracht.

Drei Halte für Pendelbusse

Die Pendelbusse halten an drei provisorisch eingerichteten Haltestellen: Weißenburger Straße/Geschwister-Scholl-Straße; Ostwall/Arndstraße; Kuckelke/Höhe Fina-Parkhaus bzw. Parkhaus Conti-Park. Etwa im 15-Minuten-Takt werden die Bürger*innen zur Stadtbahn-Haltestelle »Brügmannplatz« gebracht. Von dort fahren Stadtbahnen der Linie U42 ebenfalls im 15-Minuten-Takt zur Haltestelle Scharnhorst Zentrum, von Dort aus geht es zu Fuß zur zentralen Betreuungsstelle in der Gesamtschule Scharnhorst. Für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste steht an dieser Stelle zusätzlich ein Pendel-Bus bereit.

Von der Brunnenstraße fährt U42

Natürlich kann man auch selbst direkt die Haltestelle Brunnenstraße aufsuchen und von dort den kostenlosen Beförderungsservice der DSW21 in die Betreuungsstelle nutzen. Es wird davon abgeraten, die Evakuierungsstelle mit dem eigenen PKW anzufahren, da die Zu- und Abfahrtswege an der Evakuierungsstelle für Einsatzfahrzeuge freigehalten werden müssen und nicht genügend Parkplätze vorhanden sind.

Kostenloser Besuch im Zoo und Park

Anwohner*innen des Evakuierungsgebiets können am Sonntag die Zeit bei freiem Eintritt im Dortmunder Zoo von 9 bis 16.30 Uhr oder im Westfalenpark von 9 bis 23 Uhr verbringen. Der Personalausweis reicht hier zur Legitimation vor Ort aus.

dortmund.de, Facebook, Twitter, NINA

Sobald die eventuell gefundene Bombe entschärft ist und die Absperrmaßnahmen aufgehoben werden können, wird dies auf den Social Media-Kanälen der Stadt Dortmund bekannt gegeben.

Auf „Dortmund Evakuierung“ oder „Dortmund Entschärfung“ gibt's alle Informationen zur Evakuierung im Überblick, wie auch über die Warn-App NINA.

Hilfe bei Krankentransporten

Anwohner*innen, die gehbehindert oder bettlägerig sind, oder unter Quarantäne stehen, teilen dies bitte schnellstmöglich, spätestens jedoch bis zum 14. August, 18 Uhr, der Stadt Dortmund unter Tel: (0231) 50 – 1 33 33 mit. Die Hotline ist folgendermaßen zu erreichen:

  •  Ab bis Freitag, 13. August von 7 bis 18 Uhr
  •  Samstag, 14. August von 9 bis 18 Uhr
  •  Sonntag, 15. August ab 7 Uhr

Evakuierung trotz Quarantäne

Das Gesundheitsamt ermittelt bereits im Vorfeld der Räumungsaktion die Personen, die sich unter häuslicher Quarantäne befinden. Für diese Personen stehen separate Aufenthaltsbereiche während der Bombenentschärfung zur Verfügung, um die Ansteckung anderer zu verhindern. Sofern erforderlich, übernimmt die Feuerwehr den Transport unter den notwendigen Schutzmaßnahmen. Da der Zeitpunkt der Räumung in diesem Fall planbar ist, kann im Vorfeld zu diesen Personen Kontakt aufgenommen werden.

Schutz-Regeln beachten

Das Gesundheitsamt rät allen von der Räumung betroffenen Menschen dazu, während der Evakuierungszeit die AHA-AL-Regeln zu beachten. Das bedeutet: Abstand wahren, auf Hygiene achten und eine Alltagsmaske bzw. eine medizinische Maske tragen, zusätzlich die Corona-Warn-App nutzen und Räume regelmäßig und ausreichend lüften.

Notwendiges bereit legen

Da bisher nicht absehbar ist, wie lange die Evakuierung von Nöten sein wird, bittet die Stadt Dortmund die Anwohner*innen, notwendige Medikamente, Baby- und Spezialnahrung oder Dinge des besonderen Bedarfs, wie Windeln mitzuführen. Vor dem Verlassen der Wohnung soll darauf geachtet werden, dass alle elektrischen Geräte ausgeschaltet, alle Wasserhähne abgedreht und sämtliche Fenster sowie die Wohnungstür geschlossen sind. Haustiere sind ausreichend zu versorgen.

In 62 Häusern kein Wasser und Gas 

Im Zuge der Entschärfung wird DONETZ aus technischen Gründen ab 06:00 Uhr die Wasserversorgung für folgende 64 Häuser sperren:

  •  Schwanenwall 8, 10, 12, 24, 26, 28, 31, 33, 35, 36, 37 a, 38, 40, 42, 44 und 46
  • Schwanenstr. 17, 17 a, 17 b, 21, 23, 27, 28, 30, 32, 34, 38, 40, 41, 42, 42 a, 42 b, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 51 und 53
  • Bornstr. 1 und 21
  • Brügmannstr. 20 (Sport-/Turnhalle), 21, 25, 27 und 29
  • Gronaustr. 1, 2a, 3 und 4
  • Geschwister-Scholl-Str. 4, 6, 8, 10, 12, 14, 16, 18, 20, 22, 24, 26 und 28
  • Milchgasse 5 und 7
  • Weißenburger Str. 42
  • Auch die Gasversorgung muss ab 6 Uhr in einigen Häusern unterbunden werden. Folgende Häuser sind betroffen:
  • Schwanenwall 17, 19 und 21
  • Milchgasse 5

Polizei will Einbrüche verhindern

Die Dortmunder Polizei unterstützt den Einsatz zur Evakuierung und Bombenentschärfung der Stadt. Hierbei wird die Polizei im evakuierten Bereich insbesondere auch ihr Augenmerk auf die Verhinderung von Einbrüchen bzw. Straftaten legen.

Die Auswirkungen auf Stadtbahnen:

Mit Betriebsbeginn ab  8 Uhr nehmen am 15. August zunächst alle Stadtbahnlinien in Dortmund ihren regulären Linienbetrieb nach Sonntagsfahrplan auf. Die einzige Ausnahme stellt die U44 dar, die an diesem Tag von Beginn an nur zwischen der Endhaltstelle »Walbertstr./Schulmuseum« und »Kampstraße« pendelt.
An den drei Stadtbahn-Haltestellen im Evakuierungsbereich – Reinoldikirche, Ostentor und Brügmannplatz – wird jedoch lediglich der Einstieg in die Bahnen und der direkte Umstieg in andere Linien, aber kein Ausstieg und Verlassen der Haltestellen mehr möglich sein. Zur Unterstützung der Fahrgäste setzt DSW21 hier zusätzliches Servicepersonal ein. Außerdem werden in Fahrzeugen und Haltestellen Lautsprecherdurchsagen gemacht.

Transport zum Brügmannplatz

Im Auftrag der Stadt werden die Bürger*innen im Evakuierungsbereich von den drei provisorisch eingerichteten Haltestellen Weißenburger Straße / Rosa-Buchthal-Straße; Ostwall / Arndstraße; Kuckelke mit Pendelbussen etwa im 15-Minuten-Takt zur Stadtbahn-Haltestelle Brügmannplatz gebracht.
Von dort fahren Stadtbahnen der Linie U42 etwa im 15-Minuten-Takt zur Haltestelle »Scharnhorst Zentrum«, die fußläufig zur zentralen Betreuungsstelle in der Gesamtschule Scharnhorst liegt. Für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste steht an dieser Stelle zusätzlich ein Pendel-Bus bereit.

Stadtbahnlinien werden unterbrochen

Mit Beginn der Entschärfung kommt es dann zu deutlichen Einschränkungen im Stadtbahn-Verkehr:
-Die Stadtbahn-Linie U42 fährt nur noch zwischen der Endstelle in Hombruch und der Haltestelle »Stadtgarten« sowie zwischen der Endstelle in Grevel und der Haltestelle »Brunnenstraße«.

  • Die U43 fährt nur noch zwischen der Endstelle Wickede und der Haltestelle »Am Zehnthof«.
  • Die U44 fährt weiterhin nur zwischen der Endstelle in Marten und »Kampstraße«.
  • Die U46 fährt lediglich zwischen »Stadtgarten» und »Westfalenhallen«.
  • Die Stadtbahnlinien U41, U45, U47 und U49 fahren regulär.

Schienenersatzverkehr als Verbindung

Um die unterbrochenen Stadtbahnlinien miteinander zu verbinden, richtet DSW21 mit Beginn der Entschärfung einen Schienenersatzverkehr mit Gelenkbussen etwa im Acht-Minuten-Takt ein. Dieser umfährt den Evakuierungsbereich vom Hauptbahnhof über die nördliche und östliche Innenstadt bis zur U43-Haltestelle »Am Zehnthof« und fährt auf gleicher Strecke wieder zurück.
Konkret werden damit folgende Ersatz-Haltestellen bedient: »DO-Hauptbahnhof (Nordausgang/Cinestar)«, »Brunnenstraße«, »Borsigplatz«, »Funkenburg«, »Von-der-Tann-Straße«, »Berliner Straße« und »Am Zehnthof«.
Vom Hauptbahnhof ist über den Einstieg in die regulär fahrenden Stadtbahn-Linien U41, U45, U47 und U49 und den Ausstieg an den Stadtbahn-Knotenpunkten »Kampstraße» bzw. »Stadtgarten« die Anbindung an die unterbrochenen Stadtbahnabschnitte im Süden und Westen gewährleistet. Das Gleiche gilt in entgegengesetzter Richtung.

Extra-Taxi an der Brunnenstraße

Da der Aufzug an der SEV-Umstiegs-Haltestelle »Brunnenstraße« wegen eines Starkregen-Schadens außer Betrieb ist, kann dort kein barrierefreier Ein- und Ausstieg in die Stadtbahn-Linie U42 gewährleistet werden. Daher richtet DSW21 für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste einen Extra-Taxi-Service ein. Die Fahrzeuge stehen an der Haltestelle »Brunnenstraße« und weiter nördlich an der Haltestelle »Schulte-Rödding« bereit.

Auch 2 Buslinien eingeschränkt

Im Busbereich gelten die Einschränkungen bereits ab Betriebsbeginn und betreffen die Linie 452 sowie die aus Unna kommende S30, die nicht wie regulär am Hauptbahnhof, sondern bereits an der Haltestelle »Schulte-Rödding« endet. Die 452 muss den Evakuierungsbereich weiträumig umfahren, daher entfallen die Haltestellen »Bismarckstr.«, »Moltkestr.«, »Heiliger Weg« und »Olgastr.«. Einschränkungen bei den Nachtexpress-Linien wird es voraussichtlich nicht geben.

Anwohner werden zurück gebracht

Nach Ende der Evakuierung stellt DSW21 für die Rückfahrt der in Scharnhorst betreuten Bürger*innen erneut Pendelbusse an der U42-Stadtbahn-Haltestelle »Brügmannplatz« bereit. Alternativ können diese mit den wieder regulär fahrenden Stadtbahnlinien auch auf direktem Wege ins Evakuierungsgebiet zurückkehren.

Autor:

Antje Geiß aus Dortmund-City

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