Corona-Studie in Heinsberg: Bereits 15 Prozent immun
Virologe hält Lockerung von Auflagen für möglich

Der Virologe Hendrik Streeck leitet die Heinsberg-Studie. Heute stellte er erste  positive Ergebnisse vor und sagte, dass Lockerungen der strengen Auflagen dann möglich sein könnten, wenn Hygieneregeln weiter strikt beachtet würden. Foto: Land NRW/Uta Wagner
  • Der Virologe Hendrik Streeck leitet die Heinsberg-Studie. Heute stellte er erste positive Ergebnisse vor und sagte, dass Lockerungen der strengen Auflagen dann möglich sein könnten, wenn Hygieneregeln weiter strikt beachtet würden. Foto: Land NRW/Uta Wagner
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Weil "die Menschen so aktiv und diszipliniert mitmachen", hält der Bonner Virologe Hendrik Streeck eine Lockerung der strengen Corona-Auflagen für möglich. Voraussetzung sei die strikte Einhaltung von Hygiene-Regeln, sagte Streeck heute in Düsseldorf. Dort stellte er gemeinsam mit Ministerpräsident Armin Laschet erste Ergebnisse der sogenannten Heinsberg-Studie vor.

Streeck leitet die von der Landesregierung in Auftrag gegebene Studie, die Aufschluss über die Verbreitung des Corona-Virus geben soll. Bereits jetzt steht fest, dass sich mehr Menschen als angenommen mit Covid-19 infiziert haben. In der Gemeinde Gangelt, von der sich nach einer Karnevalssitzung das Virus schnell ausgebreitet hat, waren Erkenntnissen der Forscher zufolge rund 15 Prozent der Einwohner infiziert - und sind jetzt wahrscheinlich in den nächsten sechs bis 18 Monaten immun.

"An riesengroßer Katastrophe vorbeigeschlittert"

Weitere Zwischenergebnisse aus der Studie: 0,37 Prozent der Infizierten in Gangelt sind gestorben. Im übrigen Deutschland ist die Sterblichkeitsrate fünfmal höher. Laut Streeck liegt das daran, dass in Gangelt deutlich mehr Tests als anderswo gemacht werden. Deshalb seien die Zahlen auch nicht auf andere Teile Deutschlands übertragbar.

Die Forscher gehen davon aus, dass der frühe "Lockdown" dazu beigetragen hat, die Ausbreitung des Virus frühzeitig einzudämmen. "Wir sind an einer riesengroßen Katastrophe vorbeigeschlittert", zeigte sich der Heinsberger Landrat Stephan Pusch erleichtert. Momentan sei die Lage in den Krankenhäusern des Kreises "entspannt, die Belegung liegt bei 60 bis 70 Prozent".

"Strenge Hygieneregeln weiter einhalten"

Der ebenfalls an der Studie beteiligte Hygiene-Forscher Martin Exner mahnte das Einhalten strenger Hygieneregeln bei möglichen Lockerungen der Auflagen an, zum Beispiel wenn der Betrieb in Kindertagesstätten und Schulen schrittweise wieder aufgenommen werde. "Wir müssen die Schutzmaßnahmen für verletzliche Bevölkerungsgruppen unbedingt aufrecht halten", sagte Exner bei der Präsentation in Düsseldorf. Nur so könne das Virus auch weiterhin "minimiert werden und es gibt weniger schwere Infektionen". Dass junge Menschen der Studie zufolge deutlich weniger gefährdet wären, sei "sehr ermutigend, um die bisherigen Maßnahmen kontrolliert zurückzuführen".

Da sich das Virus hauptsächlich direkt übertrage, zum Beispiel durch Anhusten, müsse nach wie vor auf Abstand geachtet werden. Um eine Infektion über den Kontakt mit kontaminierten Flächen zu vermeiden, sei das häufige Händewaschen und das Fernhalten der Hände vom Gesicht weiter sehr wichtig.

Autor:

Martin Dubois aus Essen-Süd

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