Großer Wollschweber
Impfdrohne? Keine Angst! (mit Foto- + Video-Update)

Der Große Wollschweber (Bombylius major) ist von der Rüsselspitze bis zum Hinterleib ca. 15-20 mm lang. Der Saugrüssel macht davon ca. 5-7 mm aus und wird in Ruhestellung lang nach vorn ausgestreckt, wodurch das Insekt gefährlicher aussieht als es in Wirklichkeit ist.
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  • Der Große Wollschweber (Bombylius major) ist von der Rüsselspitze bis zum Hinterleib ca. 15-20 mm lang. Der Saugrüssel macht davon ca. 5-7 mm aus und wird in Ruhestellung lang nach vorn ausgestreckt, wodurch das Insekt gefährlicher aussieht als es in Wirklichkeit ist.
  • Foto: von mir
  • hochgeladen von Torsten Richter-Arnoldi

Kürzlich entdeckte ich an unserer Terrasse auf einem Keramikgefäß in der Nachmittagssonne ein gefährlich wirkendes Insekt: ein Umriss wie ein Kampfflugzeug, mit einer langen, nach vorne gerichteten Spitze - nichts für schwache Nerven! Ich bekam zwar keine Angst, wusste aber auch nichts mit dieser Entdeckung anzufangen: Fliege oder Biene, Hummel oder gar ein verkappter Schmetterling?

Größenvergleich: Die kuppelförmige Keramik, auf der der Wollschweber sein Sonnenbad nimmt, ist ca. 15 cm hoch. Die aufgenommene Wärme kann er dann für sehr schnelle und wendige Flüge nutzen.
  • Größenvergleich: Die kuppelförmige Keramik, auf der der Wollschweber sein Sonnenbad nimmt, ist ca. 15 cm hoch. Die aufgenommene Wärme kann er dann für sehr schnelle und wendige Flüge nutzen.
  • Foto: von mir
  • hochgeladen von Torsten Richter-Arnoldi

Glücklicherweise saß das Tier ganz still und ließ sich auch von meinen Annäherungsversuchen mit der Kamera nicht irritieren. So konnte ich einige Aufnahmen aus verschiedenen Winkeln machen. Nachdem ich zwei der Fotos bei iNaturalist hochgeladen hatte, erhielt ich direkt einen ersten Bestimmungsvorschlag: Es könnte sich um einen Großen Wollschweber handeln. Das wurde bald darauf von einer anderen Nutzerin bestätigt. Doch damit war meine Neugierde natürlich nicht befriedigt, also suchte ich nach weiteren Informationen über das beeindruckende Insekt und fand einige interessante Details.

Aus dieser Perspektive ist die namensgebende Körperbehaarung gut zu erkennen.
  • Aus dieser Perspektive ist die namensgebende Körperbehaarung gut zu erkennen.
  • Foto: von mir
  • hochgeladen von Torsten Richter-Arnoldi

Zunächst einmal: Der vermeintliche Stachel ist in Wahrheit nichts weiter als ein Saugrüssel, der ausschließlich zum Nektarsaugen genutzt wird. Es geht also von diesem Insekt keine Gefahr für Mensch und Tier aus, und zum Impfen ist es sicherlich auch nicht geschaffen! Die Länge des Rüssels hat wohl eher einen direkten Bezug zu der Art, wie der Wollschweber (der übrigens zu den Fliegen gehört) an den Nektar gelangt: Er kann wie ein Kolibri vor einer Blüte schweben und dabei seinen Rüssel in die Blüte versenken (Foto im Update.) Ein genauerer Blick auf die Körperbehaarung offenbart dann auch die Herkunft des ersten Namensteils, denn der Hinterleib des Wollschwebers wirkt wie ein wolliger Pelz.

Kein lebenslanger Vegetarier

So weit die Schokoladenseite. Es gibt aber noch eine etwas "dunklere" Seite bei dieser Insektenart, wobei diese Wertung "natürlich" nicht ganz fair ist. Denn für seine Vermehrung benötigt der Wollschweber doch ein wenig tierische Kost. Das Weibchen legt seine Eier nämlich stets am Eingang von Nistplätzen bestimmter anderer Insekten ab, z.B. vor den Niströhren von Wildbienen, und deckt sie zum Schutz mit Sand ab. Sobald die Larve aus dem Ei geschlüpft ist, kriecht sie in die Niströhre hinein, frisst zunächst die Vorräte auf, die eigentlich für die Wirtslarve angelegt worden sind, und schließlich auch diese selbst. Im Herbst verpuppt sie sich dann und überwintert gut geschützt in der Röhre, bevor ab März das fertige Insekt schlüpft und sich seinen Weg in die Freiheit bahnt.
Für den Bestand der Wildbienen (und anderer Wirtstiere wie Grabwespen oder Eulenfalter) stellt dieses parasitäre Brutverhalten keine Gefahr dar. Die Natur hält die Arten im Gleichgewicht. Falls Sie also ein so genanntes "Bienenhotel" (das besser Bienenhaus heißen sollte) im Garten oder auf dem Balkon haben, könnte es sein, dass Ihnen Ende März oder Anfang April auch einmal ein Großer Wollschweber daraus entgegenkommt. Doch keine Angst: Der nimmt nur Nektar!

Update: Neue Aufnahmen

Der sonnige Nachmittag des 28.4. führte zu einer weiteren Begegnung mit einem Wollschweber, der dieses Mal aktiv im Garten unterwegs war. Zunächst sah ich das (doch eher klein und harmlos wirkende) Tierchen auf einer unbewachsenen Fläche in der Sonne sitzend, ähnlich wie einen Monat zuvor, doch "fächelte" er dabei unablässig mit den Flügeln - ein Verhalten, für das ich noch keine Erklärung habe. Einige Sekunden davon konnte ich filmen, bevor er wieder abhob und kräftig summend weiterflog.

Etwas später "erwischte" ich ihn dann beim Besuch von blühendem Gundermann, vor den Blüten schwebend. Da er sich an einer einzelnen Blüte kaum länger als ein bis zwei Sekunden aufhält, kam ich nicht noch einmal zum Filmen, konnte aber ein halbwegs scharfes Foto davon machen.

Update-Foto 3: Nun konnte ich den Wollschweber auch während seines kurzen Aufenthaltes an einer Blüte fotografieren. Übrigens direkt unterhalb eines "Bienenhauses" ...
  • Update-Foto 3: Nun konnte ich den Wollschweber auch während seines kurzen Aufenthaltes an einer Blüte fotografieren. Übrigens direkt unterhalb eines "Bienenhauses" ...
  • Foto: von mir
  • hochgeladen von Torsten Richter-Arnoldi
Autor:

Torsten Richter-Arnoldi aus Hattingen

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