Christoph 8: Ein Team für alle Notfälle

Das Team für alle Notfälle: (v.l.) Pilot Holger Hoven, Notarzt Rüdiger Franz und Rettungsassistent Thomas Kade. Foto: Magalski
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Wenn er abhebt, dann geht es oft um Leben und Tod. Ob Unfall, Brand oder medizinischer Notfall – für viele ist der Christoph 8 ein echter Lebensretter. Reporter Daniel Magalski hat das Team einen Tag begleitet.

Es ist 7.06 Uhr, als Holger Hoven zum Telefon greift und bei der Rettungsleitstelle anruft. Christoph 8 ist startklar. Gerade ist die Sonne aufgegangen. Jetzt geht der Rettungshubschrauber in Dienst. Holger Hoven ist der stationsleitende Pilot bei Christoph 8. Den täglichen Sicherheitscheck hat er schon früh am Morgen erledigt. Der leitende Notarzt des Rettungshubschraubers Rüdiger Franz und der leitende Rettungsassistent Thomas Kade, den hier alle nur Tomka nennen, sind auch schon da. Mit einem gemeinsamen Frühstück startet der Tag.

Bis der schrille Ton des Alarmmelders das Team zum Einsatz ruft. Rund 1.300 Mal hoben die Retter im letzten Jahr ab. Oft zu medizinischen Notfällen wie Schlaganfall, Herzinfarkt oder Bewusstlosigkeit. Aber auch zu schweren Unfällen. Dann muss das Käsebrötchen warten. „Innerhalb von 90 Sekunden müssen wir in der Luft sein“, erzählt Thomas Kade. „Meistens schaffen wir es aber schneller.“ Doch es bleibt alles ruhig. Ein paar Minuten für die Büroarbeit. Immer knallharte Action – das gibt’s bei den Rettungsfliegern nicht. Und wenn Zeit ist, hilft Rüdiger Franz im St.-Marien-Hospital mit. Denn hier, in der Klinik für Anästhesiologie, Intensiv- und Notfallmedizin im Klinikum Lünen, arbeiten alle Notärzte, die mit Christoph 8 fliegen. Doch dann piepst der Melder. Rein in die Jacke, Stiefel an. Gleichzeitig spuckt der Drucker einen Zettel aus. Die sogenannte Alarmdepeche mit allen wichtigen Einsatzinformationen. Schon drehen sich die Rotoren und Christoph 8 hebt ab. Es geht nach Dortmund-Wickede.

Ein Mann braucht hier in einer Arztpraxis dringend Hilfe. Er hatte einen Herzinfarkt. Wenige Minuten nach dem Alarm landet der Hubschrauber in der Siedlung. Thomas Kade öffnet die Tür und blickt nach unten. Er ist sozusagen das dritte Auge von Pilot Holger Hoven. Der Landeplatz ist frei. Von hier sind es nur noch ein paar Meter bis zur Einsatzstelle. Ein Rettungswagen wartet schon. Notarzt Rüdiger Franz kümmert sich um den Patienten. „Vielleicht hat er lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen. Der Mann muss in eine kardiologische Spezialklinik.“ Mit dem Rettungswagen geht’s zum Krankenhaus. Auch das kommt vor. Nicht immer werden die Patienten im Hubschrauber geflogen. Zurück in Lünen geht es gleich weiter. Nicht mit einem Einsatz, nein, natürlich mit Büroarbeit. Rüdiger Franz füllt das Notarztprotokoll aus. Die Maschine muss getankt werden. Da schrillt wieder der Melder.

Kaum in der Luft, kommen schon die ersten Informationen über Funk: Schwerer Verkehrsunfall zwischen Bus und Pkw, eine Person ist eingeklemmt. Das meldet die Leitstelle im Kreis Warendorf. Der Hubschrauber nimmt Kurs auf Wadersloh, irgendwo zwischen Oelde und Lippstadt. Rüdiger Franz zieht die Schutzhandschuhe an. Die Crew weiß nicht, was sie erwartet. Unten zischt die Landschaft vorbei. Straßen, Häuser, Flüsse und Felder. 250 km / h schafft Christoph 8, eine Maschine vom Typ EC 135, spielend. Deshalb kann der Hubschrauber für Patienten ein Lebensretter sein. Am Unfallort die Entwarnung. Alles nicht so schlimm. Es hat zwar mächtig gescheppert, der Bus hat den Kleinwagen auf einer Landstraße seitlich gerammt. Aber die Unfallopfer hatten einen guten Schutzengel. Zwei Rettungswagen reichen für den Transport ins Krankenhaus. „Aber lieber einmal zu viel als zu wenig alarmieren“, meint Rüdiger Franz.

Der nächste Einsatz kommt bald. In einer alten Scheune in Hamm will sich ein Mann mit Tabletten und Alkohol das Leben nehmen. Wieder sind die Retter schnell vor Ort. Und wieder unterstützt Notarzt Rüdiger Franz seine Kollegen im Rettungswagen. Draußen dämmert es, als Holger Hoven gegen 18.26 Uhr die Maschine vom Dienst abmeldet. Langsam schließen sich die Hangar-Tore. Ein letzter Check, dann gehen die Lichter aus. Bis zum Morgen. Dann hebt Christoph 8 wieder ab, um Leben zu retten.

Autor:

Daniel Magalski aus Lünen

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