Karl-Ziegler-Schüler befragten Passanten zum Thema Tod und Sterben – Ergebnisse werden in einem Buch veröffentlicht
„Ich hatte noch nie so richtig darüber nachgedacht“

Die Neuntklässler des katholischen Religionsunterrichts am Karl-Ziegler-Gymnaisum trafen sich vor dem Medienhaus. Gleich ziehen sie zu einer Passantenbefragung los. Die Ergenbisse zum Thema Tod und Sterben sollen dann in einem Biuch veröffentlicht werden.
Foto: PR-Fotografie/AK
  • Die Neuntklässler des katholischen Religionsunterrichts am Karl-Ziegler-Gymnaisum trafen sich vor dem Medienhaus. Gleich ziehen sie zu einer Passantenbefragung los. Die Ergenbisse zum Thema Tod und Sterben sollen dann in einem Biuch veröffentlicht werden.
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Es ist nasskalt, halt ein richtig trüber Novembermorgen. Gut 20 Schüler aus der neunten Jahrgangsstufe des Karl-Ziegler-Gymnasiums versammeln sich vor dem Medienhaus am Viktoriaplatz. Gleich geht es los. Sie wollen Passanten befragen und dabei erfahren, wie die Mülheimer über das Sterben, den Tod und den Trauermonat November denken.

Die gut einstündige Straßenumfrage findet im Rahmen des Pilot-Schulprojekts „Danke, wir sterben nicht!“ statt, an dem zwölf Schulen aus dem Ruhrgebiet beteiligt sind. Unter Leitung des „Teams Zirkel“ aus Münster, arbeiteten und arbeiten auch die Karl-Ziegler-Schüler insgesamt zehn Wochen lang zum Themenbereich „Sterben und Tod“. Sie schreiben alle mit an einem Buch, das die verschiedensten Aspekte des Themas berücksichtigen und im nächsten Jahr veröffentlicht werden soll.

Projektleiter ist der Journalist und Theologe Gert Felder. Er stimmt im Eingang der Stadtbibliothek die 14- bis 16-Jährigen gemeinsam mit ihrer Lehrerin Christina Grätz auf die Passantenbefragung ein. Schon im Vorfeld hatte man im katholischen Religionsunterricht das Thema behandelt und sich teilweise erstmals intensiv mit Tod und Sterben befasst.

Rede und Antwort

„Ich hatte noch nie so richtig darüber nachgedacht“, bekennt Emilia Dally (14), denn „in meinem Umfeld sind bislang nur meine kleinen Haustiere gestorben. Da war ich aber auch sehr traurig.“ Marvin Lindner (15) hat noch tiefere Einschnitte in sein Gefühlsleben erfahren: „Als meine Oma starb, war ich lange Zeit richtig down.“ Er ergänzt: „Ich finde das toll, dass wir das Thema im Unterricht behandeln.“

Wie denken nun die Mülheimer über den Tod und den Umgang damit? Beschäftigen sie sich schon mit dem Sterben? Auf dem Wochenmarkt, in der Bürgerinformation, im Forum, auf der Straße und im Rathaus stellen die Schüler ihre Fragen. Gut 70 waren bereit, ihnen Rede und Antwort zu stehen. „Für mich ist der November kein trauriger Monat. Ich habe kürzlich erst kürzlich Hoppeditzerwachen gefeiert“, lacht ein älterer Herr, ruft Helau und geht weiter.

Ganz anders die Mülheimerin Irene Rudolph, die wenige Wochen nach der Geburt ihr Kind verlor. „Das war ein gewaltiger Einschnitt, der immer haften bleibt. Fast ein Trauma. Obwohl das schon lange her ist, habe ich das eigentlich nie richtig verarbeitet.“, sagt sie zu Resul, Marvin und Benjamin, die sich fleißig Notizen machen. „Mein Mann ist vor sieben Jahren gestorben. Ich gehe immer noch zweimal in der Woche zum Friedhof“, berichtet Maria Weber. Andere sagen fast verschämt, dass sie nur an bestimmten Tagen zum Friedhof gehen, etwa am Muttertag. Oder an Allerheiligen und am Ewigkeitssonntag.

Keine Tabu-Ecke

Die Schülerinnen und Schüler gewinnen bei ihrer Befragung verstärkt den Eindruck, dass Sterben und Tod für die meisten Menschen in ihrer Stadt offensichtlich zum Leben gehören und nicht in irgendeine Tabu-Ecke. Nicht alle, aber weitaus die meisten Befragten, haben sich schon mit Sterben und Tod auseinandergesetzt. Einige wenige wollen das Thema am liebsten ignorieren: „Ich lebe doch, was soll die Frage?“

Fast alle haben keine Angst vor dem Tod, allerdings vor einem qualvollen Sterben mit Schmerzen und einem langen Leiden. Und noch eines wurde bei der Umfrage deutlich: Friedhöfe als Orte des Gedenkens halten die Mülheimer nach wie vor für sehr wichtig. Bei einem Ergebnis stutzt Gert Felder. Im Gegensatz zu Befragungen in anderen Ruhrgebietsstädten betrachten fast alle in Mülheim interviewten Passanten den Monat November als  “ganz normalen“  Monat und sehen ihn nicht als düster, traurig, als Totenmonat oder Monat des Gedenkens an. Nur etwa vier bis fünf Personen meinten, der November stimme nachdenklich und habe eine besondere Bedeutung wegen des Totengedenkens und der wichtigen Daten in der deutschen Geschichte.

Jetzt geht es im Unterricht von Christina Grätz an die Detailauswertung. Dann wird darüber geredet, und es werden Texte geschrieben, die dann Bestandteil des Buches werden.

Autor:

Reiner Terhorst aus Duisburg

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