Mülheimer Schultüten-Aktion nimmt Eltern die Scheu vor der Schule
„Lehrer sind Brückenbauer“

Judith Brinkmann (l.), Koordinatorin im Bildungsnetzwerk Styrum, und Bildungsdezernent Marc Buchholz (4.v.l.) haben in der Brüder Grimm-Schule gemeinsam mit Lehrern und Schulsozialarbeitern eine erste Bilanz der diesjährigen Mülheimer Schultüten-Aktion gezogen.    Foto: Walter Schernstein
  • Judith Brinkmann (l.), Koordinatorin im Bildungsnetzwerk Styrum, und Bildungsdezernent Marc Buchholz (4.v.l.) haben in der Brüder Grimm-Schule gemeinsam mit Lehrern und Schulsozialarbeitern eine erste Bilanz der diesjährigen Mülheimer Schultüten-Aktion gezogen. Foto: Walter Schernstein
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Bevor ihre Kinder am Tag der Einschulung vielfach traditionell eine mit kleinen Leckereien gefüllte Schultüte bekommen, hält deren neuer Lebensabschnitt für die Eltern nicht selten eine „Tüte voller Überraschungen und Unwägbarkeiten“ bereit. Um ihnen Ängste und Sorgen zu nehmen, hat die Stadt Mülheim die Aktion Schultüte auf den Weg gebracht.

Die Mülheimer Schultüte, ein Programm für Eltern vor dem Schulstart, wurde bereits 2018 als Pilotprojekt in Eppinghofen gestartet. Mit Erfolg, denn dort ging es jetzt bereits in die zweite Runde, bei der die Styrumer Grundschulen neu hinzugekommen sind. Knapp 100 Eltern der Astrid Lindgren-Schule, der Brüder-Grimm-Schule, der GGS Dichterviertel, der GGS Styrum und der GGS Zunftmeisterstraße wurden noch vor den Schulferien in wöchentlichen Zusammenkünften auf den Weg in den „Ernst des Leben“ ihrer Kinder mitgenommen. Lehrer und Schulsozialarbeiter nahmen ihnen und dadurch auch den „I-Dötzchen in spe“ die Scheu vor der Schule.

Die Sommerferien geben in der Regel auch den Lehrern an den fünf Grundschulen in Styrum und Eppinghofen die gleichermaßen willkommene wie notwendige Gelegenheit, Luft zu holen und Kraft zu tanken. Das alte Schuljahr ist abgehakt und bis zum Start des neuen ziehen noch ein paar Wochen ins Land. Und dennoch, im Endspurt des letzten Schuljahres hatten sie die künftigen Erstklässler und vor allem ihre Eltern fest im Blick. Und nicht nur im Blick, denn wöchentliche Treffen auf freiwilliger Basis und in betont zwangloser Atmosphäre bei Kaffee und Kuchen waren Praxis pur.

Fragen über Fragen

Wie sieht der Schulweg meiner Kinder aus? Was müssen sie dabei beachten? Wie ist die Schule ausgestattet? Sind die Lehrer okay? Was müssen die Kinder alles mitbringen? Wer sind die Ansprechpartner, wenn mein Kind mal Probleme hat? Wie lese und kapiere ich einen Stundenplan? Fragen über Fragen, die durch die Mülheimer Schultüte exakt beantwortet wurden. „Die Kinder werden oft in den Kitas auf die Schule vorbereitet, die Eltern aber nicht“, stellte Bildungsdezernent Marc Buchholz fest, als er mit Judith Brinkmann, Koordinatorin im Bildungsnetzwerk Styrum, in der Brüder Grimm-Schule eine erste Bilanz der diesjährigen Schultüten-Aktion zog. Mit dabei waren selbstredend Lehrer und Sozialarbeiter der beteiligten fünf Grundschulen.

„Wir haben den Eltern die Schwellenangst und eine gewisse Scheu vor der Schule genommen.“ Dieser Satz zog sich wie ein roter Faden durch das „Bilanzgespräch“. Gerade an den beteiligten Schulen hätten Eltern nicht selten Sprach- und deshalb Verständigungsprobleme. Das sei für einen geordnteten Schulbetrieb nicht unbedingt förderlich, wissen die Beteiligten aus Erfahrung. „Sie sind Brückenbauer“, sprach Buchholz das Pädodagogen- und Sozialarbeiterteam an den fünf Grundschulen direkt an, „denn die Eltern intensiv einzubeziehen, ist ganz wichtig. Oft sind sie genauso nervös wir die Kinder.“

Nachhaltige Wirkung

Judith Brinkmann ist fest davon überzeugt, dass die Aktion Schultüte Nervosität, Ungewissheit und Unsicherheit abgebaut habe und das Projekt weiter Schule machen wird. „Eltern, die bei den wöchentlichen Vorbereitungstreffen nicht dabei waren, wurden von den Teilnehmern informiert. Das war und ist so eine Art Schneeballsytem und Mund-zu-Mund-Propaganda“, berichtet sie.

Nicht selten waren nicht Mütter, sondern Väter bei den Treffen dabei und haben für ihre Kinder sogar Schultüten gebastelt. Finanziert wurde die diesjährige Aktion aus Mitteln des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds sowie von der Leonhard-Stzinnes-Stiftung. „Das Ganze wird Früchte tragen“, ist der Bildungsdezernent von der nachhaltigen Wirkung überzeugt.

Autor:

Reiner Terhorst aus Duisburg

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