Einen Tag nach seinem 75. Geburtstag
Reinhold Messner begeistert Besucher im Gasometer

Reinhold Messner ist einer der bekanntesten Bergsteiger überhaupt. Als erster Mensch bezwang er alle 8.000er Berge ohne Sauerstoffflasche.
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  • Reinhold Messner ist einer der bekanntesten Bergsteiger überhaupt. Als erster Mensch bezwang er alle 8.000er Berge ohne Sauerstoffflasche.
  • Foto: Carsten Walden
  • hochgeladen von Christian Schaffeld

Reinhold Messner - alleine der Name sorgt schon für Aufsehen. Der Südtiroler, der in der vergangenen Woche seinen 75. Geburtstag feierte, wird nicht nur bei eingefleischten Bergsteigern als Legende angesehen. Schließlich war Messner der erste Mensch, der den Mount Everest und alle 13 weiteren 8.000er Berge ganz ohne Sauerstoffflasche erklommen hat. Kein Wunder also dass sein Vortrag im Gasometer bereits seit Monaten restlos ausverkauft war.

Mit 75 Jahren genießen die meisten Menschen ihren wohlverdienten Ruhestand - nicht so Reinhold Messner. Der Extrembergsteiger tourt auch heute noch durch Europa, um den Menschen von seinen Expeditionen zu berichten. "Muss man mit 75 auf dem Sofa sitzen und Däumchen drehen? Mit mir nicht", sagt Messner entschlossen gegenüber dieser Redaktion. "Ich bin glücklich, dass ich gestalten darf, dass ich mich ausdrücken darf und dass ich alles, was ich noch will, machen kann." Das Glück sehen ihm die 450 Gäste im Gasometer sofort an. Frisch verliebt kam er in Begleitung seiner Freundin nach Oberhausen.

Familie hat hohen Stellenwert in Messners Leben

Welchen Stellenwert die Familie für den viermaligen Vater hat, wird auch in seinem Vortrag schnell deutlich. "Ohne die Familie wäre das alles nicht möglich gewesen. Erst hat mich meine Mutter in die Berge gehen lassen, später meine Frau und meine Kinder", erzählt Messner glücklich. Er berichtet, dass es dann oft Monate keinen Kontakt zur Familie gab und diese nicht wusste, ob möglicherweise etwas passiert ist. "Ich habe zwar regelmäßig Briefe geschrieben, aber bis die Daheim ankamen verging eine lange Zeit." Messner, geboren in Brixen, aufgewachsen in Villnöß, einem Dorf inmitten der Dolomiten, wurde quasi mit dem Bergsteigen groß.

1945 das erste Mal auf 2.000 Metern gewesen

"Im Jahr 1945 stand ich im Alter von einem Jahr bereits auf einer Almhütte auf 2.000 Metern Höhe", erinnert sich der heute 75-Jährige. Mit fünf Jahren ging es für den auch heute noch durchtrainierten Südtiroler das erste Mal auf einen 3.000er Berg. In den nächsten 20 Jahren sollte er viele weitere Touren durch die Dolomiten unternehmen. "Die Dolomiten sind meine Lieblingsberge, weil es für mich einfach die schönsten Berge der Welt sind." Bei den Worten funkeln seine Augen im Scheinwerferlicht des dunklen Gasometers. Gespannt lauschen die Besucher den Schwärmereien von seiner Heimat.

Verlust des Bruders schmerzt bis heute

Doch es wurde auch ernster an diesem Abend. Messner berichtete vom 29. Juni 1970. An jenem Tag verlor er seinen geliebten Bruder Günther beim Besteigen des Nanga Parbat (8.125 Meter) in Pakistan. Reinhold Messner trennte sich an diesem Tag von der Gruppe und wollte die Rupalwand alleine besteigen. Nach einiger Zeit folgte ihm sein Bruder Günther, der ihn auch einholte. "Mein Bruder war mit seinen Kräften am Ende", erinnert sich Reinhold Messner. Das lag nach seiner Einschätzung an dem hohen Tempo, das Günther gehen musste, um seinen Bruder einzuholen. Beim gemeinsamen Abstieg verloren sich die Brüder. Günther Messner wurde wahrscheinlich von einer Lawine verschüttet. In der Folge irrte Messner alleine durch das Gebiet am Nanga Parbat. Dabei machte sich auch Angst breit. "Es gibt keinen Bergsteiger, der keine Angst in bestimmten Situationen hat." Bei den eisigen Temperaturen erfroren sogar seine Zehen, sodass diese später amputiert werden mussten. Daran macht sich bemerkbar, dass er auch immer volles Risiko ging. "Der Alpinist geht halt dahin, wo die Anderen nicht sind."

Eine Woche lang durch Nanga Parbat Gebiet geirrt

Nach einer Woche erreichte Messner dann einen Mann, der ihn bei sich aufnahm. "Das rührte mich schon sehr", sagte Messner über den mittlerweile verstorbenen Mann. Aus Dank errichtete Messner in der Region eine Schule, die er bis heute bereist.
2005 wurden schließlich Günther Messners sterbliche Überreste gefunden. "Ich sah die Schuhe und brauchte den Rest gar nicht mehr sehen. Das Dreieck, das an der Spitze der Schuhe war, hatte nur mein Bruder", erinnert sich Messner nachdenklich. In der Folge wurde Günther Messner nach tibetischer Tradition bestattet. "Ich reiste mit der gesamten Familie dorthin, um es ihnen zu zeigen. Jeder braucht auch einen Ort zum Trauern."

Touren mit seinem Sohn sind besonders

Mittlerweile sagt Messner, würde er eine "Gruppe nicht mehr führen", und nicht vorweg gehen. Besonders gerne unternimmt er heute Touren mit seinem Sohn, auch wenn der mehr in der Halle klettert. "90 Prozent klettern heute in der Halle. Das ist wirklicher Sport, da er messbar ist. Das ist toll, hat aber nichts mit Alpinismus zu tun." Vor fünf Jahren kletterten Vater und Sohn dann gemeinsam. "Zum 70. Geburtstag hat er mir eine Tour durch die Dolomiten geschenkt, die ich früher zwar nicht versäumt aber einfach nicht gemacht habe." Um Gipfelbesteigungen geht es bei dem 75-Jährigen heute nicht mehr. "Es geht darum, uns auszudrücken, als Vater und Sohn in der Seilschaft", sagte er abschließend zufrieden.

Foto- und Autogrammwünsche wurden geduldig erfüllt

Danach wurde er nur so vom Applaus des Publikums überschüttet. Zum Abschluss signierte er im Erdgeschoss des Gasometers fleißig seine Bücher und erfüllte zahlreiche Fotowünsche.

Ein Exklusiv-Interview mit Reinhold Messner lesen Sie hier.

Autor:

Christian Schaffeld aus Oberhausen

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