Das Herbstfest auf dem Petershof war in diesem Jahr wieder ein Treffen der Kulturen, ernste Themen wurden aber auch angesprochen
Viele Nationen feierten zusammen ein buntes Fest in Marxloh

Polnische Spezialitäten wurden beim Herbstfest von Irena Lukasik, Dorothea Suchy, Bernadette Jankowski, Ursula Czempik (von links) vorgestellt. Die Internationalen Speisen waren wieder ein Highlight an diesem Tag.
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  • Polnische Spezialitäten wurden beim Herbstfest von Irena Lukasik, Dorothea Suchy, Bernadette Jankowski, Ursula Czempik (von links) vorgestellt. Die Internationalen Speisen waren wieder ein Highlight an diesem Tag.
  • Foto: Bartosz Galus
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Am vergangenen Sonntag fand rund um den Petershof in Marxloh wieder das Herbstfest statt. Ein buntes und fröhliches Miteinander mit Menschen aus vielen Nationen, aber auch mit einem bedrückenden Leitthema: die zunehmende Obdachlosigkeit im Stadtteil.

Das Wetter spielte mit, die Sonne strahlte. Nach der Messe locken Speisen aus vielen Ländern die Gäste an die Essensstände. Hadeel Alaree ist 23 Jahre alt und vor knapp vier Jahren aus Syrien nach Marxloh gekommen. Deutsch kann sie inzwischen so gut sprechen, dass sie beim Dolmetschen in der Gemeinde aushilft: „Ich übe trotzdem viel, um zu zeigen, dass ich mich als arabische Frau in Deutschland integrieren und auch hier arbeiten möchte.“ Hadeel ist eine ausgebildete Apothekenhelferin und muss in Deutschland noch einige Prüfungen ablegen, um in diesem Beruf arbeiten zu können. Bei dem Herbstfest preist sie syrische Spezialitäten an: Burrak mit Spinat oder Käse oder Bulgur mit Hackfleisch und Zwiebeln.
Am Stand nebenan gibt es Bigos, eine polnische Spezialität aus Sauerkraut, Fleisch und Krakauern. Passend dazu strahlt Dorothea Suchy in einer bunten Krakauer Tracht mit der Sonne um die Wette: „Wir sind eine Gruppe von 20 bis 30 Leuten, die zusammen in solchen Kostümen tanzen und singen. Für mich ist diese Gemeinschaft hier am Petershof wie eine zweite Familie, denn ich vermisse natürlich viele meiner Verwandten, die noch in Krakau leben.“

Gemeinsam essen

In prächtige afrikanische Kleider gewandet, freut sich Meli Alvine über das schöne Fest. Die Mutter von drei Kindern lebt gerne in Marxloh: „Ich habe überhaupt keine Probleme hier und komme auch mit den Menschen gut aus“, versichert sie. „Hier am Petershof singen wir in der Kirche und geben den Kindern Nachhilfe in Mathe, Englisch und Französisch. Viele Landsleute aus Afrika trauen sich nicht, auf die Leute hier zuzugehen, deshalb unterstützen wir sie auch dabei." Meli ist offen für neue Eindrücke: Ich liebe Würstchen mit Brötchen“ verkündet sie lachend, „ und Erbsensuppe, aber die habe ich zum ersten Mal in Zypern probiert“.
Neben ihr sitzt die anmutige Tchi Mbouani (37) Sie hat ihre Wurzeln in Kamerun, wurde aber in Frankreich geboren, hat in Mannheim Betriebswirtschaftslehre studiert und arbeitet als Produktmanagerin. „Mir gefällt die Stimmung auf dem Fest sehr“, erklärt sie, „Es ist wunderbar zu sehen, dass sich die Menschen für die Speisen aus anderen Ländern öffnen. Gemeinsam essen ist christlich, und ich genieße die Atmosphäre des Teilens“.

Bewundernde Blicke

SPD-Landtagsabgeordneter Frank Börner ist vorbeigekommen und freut sich darüber, „dass es hier Menschen gibt, die alte Traditionen pflegen und so viele verschiedene Nationen zusammen ein richtig schönes Fest organisiert haben.“ Auch die Chili Con Carne mundet ihm bestens. „Ich hätte sie nur etwas schärfer gemacht“, kommentiert er.
Ein großes Highlight des Festes im Petershof Marxloh ist das Antreten der Eucharistischen Ehrengarden. Mit prächtigen Uniformen, Zweispitz, Federbusch, Schulterklappen und Degen sorgen sie für bewundernde Blicke. Solche Garden haben schon vor 100 Jahren Fronleichnam-Prozessionen vor den Übergriffen Andersgläubiger geschützt. Heutzutage dienen ihre Säbel nur noch als Zierde. Andrzej Piczak ist seit 20 Jahren Mitglied der Ehrengarde und fühlt sich geehrt, dass er die Uniform tragen darf: „Ich bin überzeugter Christ“, betont er, „ und wir bilden eine lebendige Gemeinschaft mit dem Leitspruch 'Mit Gott. Für Gott'. Wir versuchen gemeinsam auch in schwierigen Zeiten unseren Glauben nach vorne zu bringen.“

Hilfe für jeden

Der Petershof Marxloh ist eine sozialpastorale Einrichtung der Katholischen Kirche, die sich schnell und unbürokratisch für notleidende Menschen einsetzt. Klassische Gemeindearbeit geht hier mit Sozialarbeit und Streetwork einher- und das im großen Stil: Prämonstratenser-Pater Oliver Potschien leitet die Einrichtung mit viel Herzblut und der Unterstützung von 22 Angestellten und vier Auszubildenden. Dazu kommen noch rund 90 ehrenamtliche Mitarbeiter. Zusammen haben sie alle Hände voll zu tun, um die zahlreichen Hilfsbedürftigen zu versorgen, denn etwa 1.000 Menschen pro Woche nehmen mittlerweile die Angebote in Anspruch.
„40 Leute pro Tag kommen zum Mittagstisch, 40 bis 50 in die Kleiderkammer. Wir bieten Sozialberatung, Deutschkurse, Jugendgruppen, Kindergruppen, Seelsorge, eine Notschlafstelle und noch unzählige weitere Hilfestellungen“, berichtet Pater Oliver, „Im letzten Winter haben wir abends sogar die Kirche zum Übernachten für Obdachlose geöffnet.“
Nach der Fluchtwelle aus Syrien suchen jetzt verstärkt Roma Hilfe im Petershof, außerdem gibt es immer mehr Polen, die ihre Existenzgrundlage verloren haben und oftmals auf der Straße landen.
„Wir sind eine der größten Einrichtungen dieser Art in Deutschland“, versichert Pater Oliver, „eigentlich dürfte es eine solche Einrichtung in einem der reichsten Länder dieser Welt gar nicht geben. Was uns besonders ausmacht ist, dass wir uns schnell und flexibel für die Notleidenden einsetzen und den Menschen das geben, was sie gerade brauchen.“ Die Mühlen in der Politik arbeiten dagegen oft sehr schleppend, teilweise sogar gar nicht. Was wäre, wenn Pater Oliver einen Wunsch frei hätte. „Ich würde mir wünschen, dass wir die ganze Einrichtung auflösen könnten, weil sie nicht mehr nötig ist.“

Hintergrund
Vielfalt und Gastfreundlichkeit auf dem Herbstfest im Petershof Marxloh.
Leitthema war aber die Armut vieler Menschen im Stadtteil.
Kleider-und Geldspenden sind hier immer willkommen und ehrenamtliche Helfer ebenso.
Der Petershof Marxloh ist auf der Mittelstraße 2 zu finden.

Text von Andrea Niegemann

Polnische Spezialitäten wurden beim Herbstfest von Irena Lukasik, Dorothea Suchy, Bernadette Jankowski, Ursula Czempik (von links) vorgestellt. Die Internationalen Speisen waren wieder ein Highlight an diesem Tag.
Die "African Community" sorgte für gute Stimmung.
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Lokalkompass Duisburg aus Duisburg

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