Heute ist „Deutscher Hospiztag“
„Das Sterben in das Leben integrieren“

Andrea Braun-Falco, Anita Scholten und Helga Jochem-Balshülsemann (v.l.) von der Hamborner Hospizbewegung haben den Welthospiztag und den heutigen Deutschen Hospiztag stets dazu genutzt, öffentlich auf ihre Arbeit aufmerksam zu machen. Das ist in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie nicht möglich. Sie und die weiteren Organisationen in Duisburg haben aber andere Wege gefunden.
Foto: Reiner Terhorst
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Am Samstag war Welthospiztag, und am heutigen Mittwoch soll wie seit genau 20 Jahren immer am 14. Oktober der Deutsche Hospiztag nachhaltig ins Bewusstsein der Menschen rücken, wie wichtig die Begleitung sterbender Menschen und ihrer Angehörigen ist. Auch in Duisburg gibt es engagierte Menschen, die zumeist ehrenamtlich und bestens vorbereitet diese Aufgaben mit großem Einfühlungsvermögen wahrnehmen.

Wurde der Deutsche Hospiztag in den vergangenen Jahren auch in unserer Stadt oft dazu genutzt, mit Aktionen, öffentlichen Präsentationen oder Gottesdiensten auf die Tätigkeiten der Hospize und der Hospizbewegungen aufmerksam zu machen, so hat die Corona-Pandemie das in diesem Jahr weitgehend unmöglich gemacht. In Hospizbriefen, Videobotschaften Telefonaten, auf verschiedenen Internetseiten oder in persönlichen Gesprächen auf Abstand mit Anstand will man verdeutlichen, dass Hospize und Hospizbewegungen und -vereine „das Sterben in das Leben integrieren wollen.“

Solidarität bis zuletzt

Das Motto des diesjährigen Hospiztages lautet „Solidarität bis zuletzt“. Das verinnerlicht beispielsweise auch die Hospizbewegung Duisburg-Hamborn e.V., die seit 29 Jahren als erster Duisburger Hospizdienst Menschen in ihrer letzten Lebenszeit begleitet und unterstützt. Schwerstkranken und sterbenden Menschen die letzte Zeit ihres Lebens ihren Vorstellungen entsprechend zu gestalten, genau hinzuhören, was für den Einzelnen der richtige Weg ist, welche Bedarfe es gibt und dann einfühlend entsprechend der individuellen Vorstellungen zu begleiten, dafür steht Hamborner Hospizbewegung, aber auch die weiteren Organisationen wie etwa das Hospiz Bethesda e.V. in Hochfeld oder das Malteser Hospizzentrum St. Raphael im Duisburger Süden.

Gerade in Zeiten der aktuellen Pandemie, in der viele Menschen emotional noch mehr alleingelassen sind, sind die Begleitung und das persönliche Gespräch für viele Menschen besonders wichtig. In Angst und Sorge zu sein, am eigenen Lebensende oder als Angehöriger mit der Betreuung überfordert zu sein, kann Menschen an ihre persönliche Belastungsgrenze bringen. „Hier bietet das Dasein und Gespräch mit den Ehrenamtlichen und die Beratung durch die Hauptamtlichen eine wertvolle Stütze“, weiß Andrea Braun-Falco, Geschäftsführerin der Hamborner Hospizbewegung.

Angst vor Einsamkeit

Im Februar diesen Jahres hat das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe das seit 2015 bestehende „Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung“ für verfassungswidrig erklärt. In Lebensgrenzsituationen wie Einsamkeit, Abschied und Überforderung, die derzeit zusätzlich durch die Isolierung auf Grund von Corona verstärkt werden, können Suizidwünsche entstehen. „Wir wissen, dass ein Suizidwunsch Gründe hat, zum Beispiel die Angst vor Schmerzen und schweren Symptomen, die Angst vor Einsamkeit und Apparatemedizin und nicht zuletzt die Befürchtung, auf Hilfe angewiesen zu sein und seinen Angehörigen zur Last zu fallen“, so Braun-Falco im Gespräch mit dem Wochen-Anzeiger. „Wir haben aber in all' den Jahren auch die Erfahrung gemacht, dass unsere Koordinatorinnen und unsere wirklich sehr qualifizierten Ehrenamtlichen in der Lage sind, diese Ängste wahrzunehmen und die Menschen aufzufangen und gemeinsam mit ihnen Alternativen zu finden.“

Bis heute wissen viele Bürger, und selbst einige Mitarbeitende von Pflegediensten und Pflegeheimen nicht, dass die Ehrenamtlichen der Hospizbewegungen intensiv in Kursen vorbereitet werden. Manche Menschen glauben, dass die Ehrenamtlichen einfach nur mal zum Vorlesen vorbeikommen. Dass sie aber geschult sind, in Krisen und Konfliktlagen den Betroffenen und ihren Angehörigen beizustehen, dass wissen zumeist nur diejenigen, die selbst solche Begleitung erfahren haben.

Eine Sorge der Hospiztätigen ist zudem, dass Betroffene vermehrt die vermeintlich unkomplizierte Lösung der Selbsttötung suchen, um niemand zur Last zu fallen, auch der Gesellschaft nicht. Dann könnte das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu einer gesellschaftlichen Normalisierung der geschäftsmäßigen Suizidhilfe führen und der assistierte Suizid sich als normale Form der Lebensbeendigung insbesondere für alte und schwer erkrankte Menschen etablieren. „Dies darf nicht geschehen“, sind sich alle Haupt- und Ehrenamtlichen in allen Duisburger Hospizorganisationen einig.

Würde bewahren

Aus diesem Grund macht der heutige Hospiztag auf die hospizliche Arbeit mit den umfassenden Möglichkeiten zur Begleitung und Unterstützung eines würdevollen, selbstbestimmten und eher am „natürlichen Ablauf“ ausgerichteten Sterbens aufmerksam. Dass in diesem Kontext Palliativärzte und Palliativpflege mit hinzugezogen werden, um die letzte Lebenszeit auch so schmerzfrei und beschwerdefrei wie möglich zu gestalten, ist für die Hospizbewegung Duisburg-Hamborn, das Malteser Hospizzentrum St. Raphael und das Hospiz Bezhesda eine Selbstverständlichkeit.

Hospizarbeit ist Kulturarbeit“, betont Mechtihild Schulten, Gründerin und Gesamtleiterin des Malteser Hospizzentrums St. Raphael. Und Andrea Gerlach, Dagmar Albers und Melissa Amelong, die hauptamtlichen Koordinatorinnen des Hospiz Bethesda, legen Wert darauf, „dass menschliche Nähe in allen Situationen das oberste Gebot ist.“ Andrea Braun-Falco meint abschließend, dass es wichtig ist, „die Belastungen in der letzten Lebensphase zu mildern und die Würde zu bewahren.“

Andrea Braun-Falco, Anita Scholten und Helga Jochem-Balshülsemann (v.l.) von der Hamborner Hospizbewegung haben den Welthospiztag und den heutigen Deutschen Hospiztag stets dazu genutzt, öffentlich auf ihre Arbeit aufmerksam zu machen. Das ist in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie nicht möglich. Sie und die weiteren Organisationen in Duisburg haben aber andere Wege gefunden.
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Dagmar Albers, Melissa Amelong und Andrea Gerlach (v.l), die hauptamtlichen Koordinatorinnen des Hospiz Bethesda, legen Wert darauf, „dass menschliche Nähe in allen Situationen das obereste Gebot ist.“
Foto: www.hospizbethesda.de
Autor:

Reiner Terhorst aus Duisburg

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