Schock für Mülheimer Künstler
Aus von Kulturzentrum Fünte besiegelt

In seiner heutigen Form besteht die Fünte in Heißen seit 1761 und hat in all den Jahren so einiges erlebt. Früher stand es direkt am viel genutzten Ruhrschnellweg. Das Kulturzentrum war hier seit 2007 beheimatet.
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  • In seiner heutigen Form besteht die Fünte in Heißen seit 1761 und hat in all den Jahren so einiges erlebt. Früher stand es direkt am viel genutzten Ruhrschnellweg. Das Kulturzentrum war hier seit 2007 beheimatet.
  • Foto: PR-Foto Köhring/AK
  • hochgeladen von Christian Schaffeld

Die Fünte im Mülheimer Stadtteil Heißen schließt aufgrund einer umfangreichen Sanierung zum Jahresende. Ein Schock für viele Mülheimer, denn für das Kulturzentrum in dem denkmalgeschützten Haus bedeutet die Sanierung das Aus. Wie die Mülheimer Woche von Eigentümer Frank Bruns exklusiv erfuhr, wird in das historische Gebäude nach Wiedereröffnung ein Architektenbüro einziehen. Den Künstlerinnen und Künstlern wurde zum 31. März gekündigt.

Zu Beginn will Frank Bruns klar stellen, dass die Fünte keineswegs abgerissen werden und einer Tankstelle weichen soll. "Es gibt so viele Gerüchte, die einfach nicht stimmen." Damit bezieht sich Bruns auch auf Äußerungen von Betroffenen, die sich ungerecht behandelt gefühlt haben. "Es hat rechtzeitig eine ganz normale Kündigung gegeben", entkräftet Bruns Behauptungen von Künstlern, die sich vor den Kopf gestoßen fühlen. Zum 31. März müssen alle vier Ateliers leergezogen sein.

Sanierung unabdingbar

Der 71-Jährige betont, dass eine Sanierung unabdingbar sei. Insbesondere das Haupthaus benötige eine Grundsanierung. "Als Miteigentümer ist jetzt auch Architekt Oliver Sattar eingestiegen. Ohne ihn wäre das nicht möglich gewesen." Die Kosten hätte Frank Bruns nicht alleine tragen können und auch mit dem Miteigentümer alleine wäre es schwer geworden. "Deshalb haben wir alle Hebel in Bewegung gesetzt und europäische Mittel für Denkmalschutz beantragt."
Die Chancen auf Gelder stehen laut Bruns gut und so soll die Fünte voraussichtlich im Oktober diesen Jahres schließen. Nachdem die Statik vermessen worden ist, wird das Gebäude dann entkernt, um Schäden zu beseitigen, sowie Gebälk und Fachwerk zu erneuern. Das ganze geschieht in enger Zusammenarbeit mit der Unteren wie Oberen Denkmalbehörde sowie dem Landschaftsverband Rheinland. Um richtig arbeiten zu können, muss daher das gesamte Gebäude für die Übergangszeit leer gezogen werden.

Kulturzentrum schließt für immer

Dieser Schritt bedeutet für das 2007 von Frank Bruns gegründete Kulturzentrum das Aus. Denn fest steht: Die Künstlerateliers werden in seiner jetzigen Form nicht weiter bestehen bleiben. "Ich werde es nicht weiter machen. In einem Jahr bin ich 72 Jahre alt und da ist es mir einfach zu viel Arbeit", kündigt Bruns an.
Stattdessen will Architekt Oliver Sattar mit seinem Architektenbüro ins Erdgeschoss des zweitälteste Gebäude Mülheims einziehen und die obere Etage für seine Handwerker nutzen. Den alten Festsaal will Sattar zu einer Wohnung umbauen, in die er selbst einziehen will.

Fünte bald nicht mehr öffentlich zugänglich

Für die Mülheimer Kulturszene ist der Schritt ein Schock, denn das bedeutet: die Fünte wird in Zukunft nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich sein.
Vorher wird es am Donnerstag, 5. März, aber noch eine von Frank Bruns geleitete geschichtliche Abschlussführung durch das alte Gemäuer geben, ehe sich die Künstler am Samstag, 14. März , mit einer großen Abschlussveranstaltung vom Atelier und ihren Besuchern verabschieden. Die genauen Uhrzeiten für beide Veranstaltungen stehen zur Zeit noch nicht fest und werden nachgeliefert. Nicht betroffen von der Sanierung sind dagegen die Theatergruppe und die Tiertafel. Während die Tiertafel im ehemaligen Brauhaus beheimatet bleibt, ist die Theatergruppe auf der Suche nach einer neuen Bleibe.

Zukunft der Künstler unklar

Doch auch hier ist Bruns optimistisch, eine "neue Heimat" zu finden. Wie es mit den Künstlerinnen und Künstlern weiter gehen wird, ist aktuell noch unklar.

Zur Geschichte der Fünte:

  • Das Fachwerkhaus "die Fünte" besteht in seiner jetzigen Form seit 1761 an der B1 und ist damit das zweitälteste Gebäude Mülheims. 1902 wurde der Festsaal angebaut. Die Kellergewölbe stammen sogar aus der Römerzeit von 11 v. Chr..
  • Früher bestand im Keller eine heute versiegte Quelle.
  • Zur Zeit des 30-jährigen Krieges (1618 bis 1648) wurde das Gebäude von Spaniern besetzt, die das Haus "la fuente", zu deutsch: die Quelle nannten. Aus diesem Begriff entwickelte sich später der heutige Name Fünte.
  • Bereits im 15. Jahrhundert kam das Gebäude in den Besitz der alteingesessenen Familie Schulte-Baumann, genannt Bruns, in dessen Besitz es bis heute geblieben ist.
  • In den Epochen wurde das Gebäude ganz unterschiedlich genutzt. So befand sich dort zuerst eine Pferdewechselstation, anschließend eine Poststelle und später eine Gaststätte mit Pension. Auch Johann Wolfgang Goethe nächtigte dort auf einer seiner Reisen. Nach dem Aus eines französischen Nobelrestaurants wechselten die Pächter der Fünte mehrfach. Schließlich stand sie leer.
  • Nach einem jahrelangen Leerstand befand sich seit 2007 das Kulturzentrum Fünte samt der Künstlerateliers in den Räumlichkeiten im Mülheimer Süden. Diese Zeit geht im März zu Ende.
In seiner heutigen Form besteht die Fünte in Heißen seit 1761 und hat in all den Jahren so einiges erlebt. Früher stand es direkt am viel genutzten Ruhrschnellweg. Das Kulturzentrum war hier seit 2007 beheimatet.
Auch Künstlerin Gabriele Wahle-Conrady muss ihr Atelier zum 31. März verlassen.
Autor:

Christian Schaffeld aus Oberhausen

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