Coronavirus: Theater an der Ruhr zieht Konsequenzen und steigt in das „Streichkonzert“ ein
Zwangspause legt den Kulturbetrieb lahm

Ein Foto mit trauriger Symbolkraft. Es zeigt Sven Schlötcke im leeren Saal des Theaters an der Ruhr.
Foto: Grittner
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  • Ein Foto mit trauriger Symbolkraft. Es zeigt Sven Schlötcke im leeren Saal des Theaters an der Ruhr.
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Eigentlich hat man sich im Theater an der Ruhr schon lange auf ein besonderes Highlight in dieser Spielzeit gefreut. Eigentlich! Aber die Freude war mehr als verhalten, als jetzt Geschäftsführer Sven Schlötcke, Dramaturg Helmut Schäfer und Regisseur Markus Sascha Schlappig Einzelheiten zur für Donnerstag ins Auge gefassten, vielversprechenden Premiere von „Judas“ mitteilten. Denn alle städtischen kulturellen Einrichtungen werden bis auf Weiteres geschlossen.

Schon zuvor wurde beschlossen, dass es bis einschließlich Sonntag keine Veranstaltungen im Haus am Raffelbergpark geben wird. Betroffen davon waren zunächst Die Physiker, Boat Memory, Schneewittchen, die Matinee zu Judas, aber auch die Klanglandschaft Mali, die im Vorfeld auf großes Interesse gestoßen ist. Die bereits erworbenen Karten können in Gutscheine umgewandelt und für künftige Veranstaltungen genutzt werden. Kunden, die ihre Karten an externen Vorverkaufsstellen oder im Internet gekauft haben, sollten sich beim Theater unter Tel. 0208 / 599 01 88 oder per E-Mail an info@theater-an-der-ruhr.de melden.

Die bisherigen Absagen werden aber vermutlich längst nicht das Ende der Zwangspausen im Spielbetrieb sein. „Verantwortung und Fürsorgeplicht gegenüber Besuchern und Beteiligten stehen einfach im Mittelpunkt unseres Handelns“, stellt Sven Schlötcke emotionslos fest. Beim Durchlesen der Empfehlungen und Richtlinien des Robert-Koch-Instituts zum Umgang mit dem Coronavirus schrillten bereits die Alarmglocken.

"Nichts Genaues
weiß man nicht"

„Abstand zum Nachbarn halten ist bei unseren Vorstellungen gar nicht möglich“, sagt Schlötcke, „und die durchgängige Belüftung ist aufgrund unserer Anlage ebenfalls nicht machbar.“ Mitunter dauern die Veranstaltungen auch länger, als im Kriterienkatalog vorgegeben. Hinzu kommen klare Signale aus der Politik. So hat Bundeskanzlerin Angela Merkel jetzt deutlich appelliert, auf alle öffentlichen Veranstaltungen zu verzichten. Freitag hat die Stadt bekannt gegeben, bis auf Weiteres alle städtischen Veranstaltungen abzusagen.

Wenn sich das Coronavirus weiter ausbreitet, und davon gehen Experten aus, stünden selbst die für das letzte Juni-Wochenende geplanten „Weißen Nächte“ auf dem Prüfstand. Schlötcke: „Wir planen und arbeiten weiter, als würde dann planmäßig alles vonstattengehen, aber nichts Genaues weiß man nicht.“

Riesenloch in
der Etatplanung

Im Zuge einer Gesamtentscheidung könnten auch die Ruhrfestspiele in Recklinghausen gefährdet sein, und dort ist das Theater an der Ruhr fest eingeplant. Das würde ein Riesenloch in der Etatplanung bedeuten. Auch habe man schon Hotels und Reisen für auswärtige Ensembles gebucht, die demnächst in Mülheim ihre künstlerische Visitenkarte abgeben sollten. Über die Erstattung solcher Kosten müsse an „übergeordneter Stelle“ entschieden werden. Das gelte auch für die Agenturen und Honorarkräfte. Während die festangestellten Mitarbeiter wie gewohnt ihrer Tätigkeit nachgehen, stehen etwa die freiberuflichen Schauspieler und die weiteren an den jeweiligen Produktionen beteiligten Menschen vor hohen Einnahmeverlusten. Für sie müsse das Kanzlerinnenwort von der „gemeinsamen Solidarität der Gesellschaft“ ebenfalls gelten.

Klarheit, eindeutige Vorgaben und Anweisungen seien jetzt nötig, um Rechtssicherheit zu haben und nicht jeder „sein eigenes Ding“ machen könne. Bislang seien, so Schlötcke, „die Erlasse nicht eindeutig gewesen. Ihnen fehlte es an Schärfe und Verbindlichkeit.“ Dieser Schwebezustand dürfte aufgrund der aktuellen Maßnahmen und Entwicklungen bald ein Ende finden.

"Galgenhumor mit
möglichem Weitblick"

„Wir proben erst einmal weiter“, sagen Markus Sascha Schlappig und Helmut Schäfer. „Galgenhumor mit möglichem Weitblick“ macht sich breit. Vielleicht gäbe es ja eine Geisteraufführung, die man aufzeichne und den potentiellen Besuchern „wie auch immer“ zukommen lässt...!

Update:
Die neuesten Entwicklungen (Stand Freitag, 13.3., 17 Uhr sowie weitere Links zu Artikeln rund um die Auswirkungen in Mülheim gibt es hier.

* Mülheim legt das öffentliche Leben lahm

Autor:

Reiner Terhorst aus Duisburg

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