A 52-Ausbau: So fern und doch so nah

Was rollt da auf Essen zu? Sollte sich Gladbeck zu einem „Ja“ zum Ausbau durchringen, fänden die ersten Bauarbeiten direkt an der Stadtgrenze statt. Foto: Grey59/pixelio.de
  • Was rollt da auf Essen zu? Sollte sich Gladbeck zu einem „Ja“ zum Ausbau durchringen, fänden die ersten Bauarbeiten direkt an der Stadtgrenze statt. Foto: Grey59/pixelio.de
  • hochgeladen von Patrick Torma

Das Phantom lugt wieder hervor: Nachdem es in Essen um den A52-Lückenschluss ruhig geworden war, weil Bund und Länder die Anschubfinanzierung für das millionenschwere Projekt scheuten, fachen die Entwicklungen in der Nachbarstadt Gladbeck neue Diskussionen an.

Dort hat Straßen.NRW eine Tunnellösung in Aussicht gestellt, am 25. März sollen die Gladbecker mit einem „Ratsbürgerentscheid“ Stellung beziehen. Sprächen sich die Bürger zugunsten des A52-Ausbaus aus, würde dies den Druck auf Essen erhöhen: Die ersten Bauarbeiten fänden direkt an der Stadtgrenze statt.
Dieses Szenario ruft die Parteien aller Couleur auf den Plan. Der Nord Anzeiger klopft die Gemütslage im Norden ab:

Mit welchen Auswirkungen für Essen ist durch den möglichen Bau eines A 52-Tunnels in Gladbeck zu rechnen? Sowohl die Fraktionsgemeinschaft aus Linke und Freier Essener Norden (FEN) als auch der Grüne Einzelvertreter Joachim Drell warfen diese Frage in der Bezirksvertretung V (Stadtteilparlament für Altenessen, Karnap und Vogelheim) auf, dies allerdings unter unterschiedlichen Gesichtspunkten.

So sieht Dieter Stodiek (FEN) die Verwaltung in der Pflicht, „Maßnahmen zur Entlastung der Gladbecker Straße darzustellen“: „Die Gladbecker ist jetzt schon eine Problemzone. Es wäre zu überlegen, ob ein Konzept mit dem öffentlichen Nahverkehr und Park&Ride-Plätzen nicht entlastend wirken könnte.“ Ein Auftrag, dem sich das restliche Gremium anschloss.

Weniger Beifall fand das Papier der Grünen, fordert es doch dazu auf „bis zur Vorlage dieser Untersuchungen alle Planungs- und Baumaßnahmen zum Weiterbau der A 52 zu unterlassen.“ „Der Antrag ist uns zu ideologisch, deshalb können wir ihn nicht mittragen“, erklärte beispielsweise Stefan Kutzner (CDU), die Bezirks-SPD schlug in eine ähnliche Kerbe.
Auf Stadtebene ließen sich die Sozialdemokraten bislang nur zu einem „Jein“ zum Lückenschluss hinreißen, parteiintern scheiden sich die Geister. Der Karnaper SPD-Ratsherr Guido Reil wagte einen Vorstoß und warnte vor den Folgen eines Autobahnausbaus für den nördlichsten Stadtteil Essens.

Man müsste meinen, ein solcher Auftritt stieße bei den benachbarten Ortsverbänden auf Zuspruch, in Altenessen und Vogelheim hat man schließlich ebenso wenig Lust auf zusätzliche Verkehrsströme. In einem offenen Brief prangerte der Vorsitzende der SPD-Altenessen, Theo Jansen, jedoch Reils „Rolle rückwärts“ an: „Bisher warst du ein eifriger Befürworter des Ausbaus der A 52. [...] Mit deiner sturen Haltung hast du unsere Arbeit erschwert und behindert. Dadurch haben wir viel Zeit verloren.“ Grabenkämpfe zwischen Genossen.

Die SPD Altenessen plant nun ihrerseits einen neuen Anlauf, um das Thema A 52 ad acta legen zu können. Einen passenden Aktendeckel will der Ortsverband auf der Jahreshauptversammlung am 26. Februar verabschieden.

Die Politik hat bislang keine Linie gefunden, deshalb regt Udo Bayer vom Essener Bürgerbündnis an, es den Gladbeckern gleichzutun. „Ich bin deshalb dafür, dass wir uns an Gladbeck ein Beispiel nehmen und auch in Essen den Souverän bitten, direkt zu sagen, was er will“, verkündete der Ratsherr im Interview mit der WAZ. Allerdings: Die rechtliche Grundlage, um den Essenern diesen Wahlgang zu ermöglichen, die fehlt. Das Planungsrecht liegt bei Bund und Ländern - in Gladbeck entscheiden die Bürger nicht direkt über den A52-Ausbau, sondern die finanzielle Beteiligung der Stadt (siehe Artikel hier ).

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