Evangelische Kindertagesstätte Vogelnest
Kinder fragen: Was bedeutet es, auf der Straße zu leben?

Es tut gut, wenn man helfen kann! Kinder aus der Evangelischen Kindertagesstätte Vogelnest in Altenessen haben eine Initiative für wohnungslose Menschen unterstützt.
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  • Es tut gut, wenn man helfen kann! Kinder aus der Evangelischen Kindertagesstätte Vogelnest in Altenessen haben eine Initiative für wohnungslose Menschen unterstützt.
  • Foto: Kirchenkreis Essen/Till Schwachenwalde
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Kinder und Eltern aus der Evangelischen Kindertagesstätte Vogelnest in Altenessen haben für das Jugendhilfswerk deinKult e.V. gesammelt und mit ihren Spenden eine Initiative für Menschen ohne Wohnung unterstützt. Auf die Idee für ihre Aktion kamen die Kinder selbst – bei der Vorbereitung auf das Martinsfest. Die gesammelten Spenden – Hygieneartikel und Gutscheine für Lebensmittelgeschäfte, Drogeriemärkte, Apotheken oder Imbissketten – übergaben sie am Mittwoch (25.11.) an Eyyüphan und Neslihan Duy von deinKult e.V. Dabei hatten die Kinder Gelegenheit, viele dringende Fragen zu klären: Was bedeutet es eigentlich, "auf der Straße zu leben"? Wo bekommen obdachlose Menschen ihre Kleidung, ihr Essen und Trinken her? Und bekommen sie auch einen Geburtstagskuchen?

Während Mustafa, vier Jahre alt, eingehüllt im roten Umhang stolz mit dem Steckenpferd seine Runde dreht, sitzt Lisa, fünf Jahre alt, am Boden und bibbert vor Kälte. Alle Kinder der Papageiengruppe schmettern laut, das Lied von Sankt Martin. Es klingt: „Sankt Martin zieht die Zügel an, sein Ross steht still beim armen Mann …“ Konzentriert löst Mustafa seinen Umhang und teilt ihn mit einem Schwert aus Pappe in der Mitte. Ein Klettverschluss macht es möglich, dass dieses Rollenspiel mehrmals am Tag rund um das Martinsfest in der Kindertagesstätte Vogelnest gespielt werden kann. In allen Gruppen, also auch bei den Seemöwen, Spatzen und Eulen, haben die Kinder die wichtigen Utensilien um die Geschichte nachzuempfinden. In den letzten Wochen beschäftigten sich die Kinder viel mit dem Thema „Teilen“. Wie fühlt es sich an, wenn ich etwas teile, was mir lieb und wichtig ist?

„Vielleicht hat der arme Mann keine Arbeit!“

Aber es geht auch darum, dass wir achtsam sind und schauen, wie es dem Menschen neben mir geht. Wie konnte das eigentlich sein, dass dort mitten im Winter jemand sitzt, der keinen warmen Mantel hatte oder kein Haus, das ihm Schutz bietet? Paula glaubt: “Das könnte daran liegen, dass der arme Mensch vielleicht keine Familie hat.“ Und Aysel meint: “Vielleicht hatte der arme Mann keine Arbeit.“ Gibt es auch heute noch arme Menschen, die vielleicht im Winter draußen frieren? Dazu fällt Raman sofort ein, dass am Supermarkt jemand stand, der die Hand ausgestreckt hat und von seiner Mutter Geld wollte; und Mira erklärt: „Das war ein Bettler, der hatte bestimmt Hunger.“ In den Gesprächen mit den Kindern wird deutlich, dass sie in ihrem Umfeld Armut und auch Not wahrnehmen.

Wie hilfreich ist dann die Geschichte von Sankt Martin? Wie fühlt sich der, der helfen kann, und was macht Hilfe mit dem Menschen, der es nötig hat? Im gemeinsamen Spiel kommen die Kinder ins Spüren und entwickeln Mitgefühl. Was heißt das eigentlich, „auf der Straße zu leben“? Wo bekommen Menschen ohne Wohnung ihre Kleidung, ihr Essen und Trinken her? Was ist, wenn sie ein Baby haben? Bekommen wohnungslose Menschen auch einen Geburtstagskuchen? Über die vielen Fragen und Gespräche mit den Kindern ist die Idee entstanden, ein gutes Projekt im Stadtteil zu unterstützen.

Wir können selbst aktiv werden!

Wenn Kinder begreifen, dass es Dinge in der Welt gibt, die anderen nicht guttun, wenn sie Armut, Not und Leid mehr und mehr verstehen, ist es wichtig, wenn sie aktiv werden können. Gemeinsam wurde entschieden, eine Spendenaktion zugunsten des Jugendhilfswerks deinKult e.V. zu starten. Das Team von deinKult hat schon während des Corona-Lockdowns im Frühjahr, als viele Hilfsorganisationen in ihren Möglichkeiten eingeschränkt waren, obdachlose Menschen in Essen mit warmen Speisen und Lebensmitteln versorgt. Daraus ist nun schon eine feste Institution geworden und die Mitarbeitenden fahren täglich durch Essen, um Menschen auf der Straße nicht alleinzulassen. In den Gruppen der Kindertagesstätte wurde überlegt, welche Dinge hilfreich sein könnten; außerdem gestalteten die Kinder gemeinsam mit den Erzieherinnen einen Spendenaufruf für ihre Familie.

Und so landeten an jedem Tag Duschgel, Zahnpasta und andere Hygieneartikel in der Spendenbox. Die Kinder erzählten im Morgenkreis davon, was sie extra mit ihren Eltern für die Spendenbox eingekauft haben und blieben miteinander im Gespräch. Solidarität, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft wurden im Kindergarten erfahrbar – erst durch das Spiel der Martinsgeschichte und dann, ganz lebensnah, im Stadtteil. Gemeinsam, das bestätigen Kinder, Eltern und alle Mitarbeitenden der Kindertagesstätte Vogelnest, fühlt es sich wirklich gut an, wenn wir anderen helfen können.

Autor:

Stefan Koppelmann aus Essen-Nord

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