Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein informiert über die Impfkampagne
Keiner muss sich vordrängeln

Die Impfzentren werden Ende September geschlossen. 
Foto: PR-Fotografie Köhring / Archiv
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  • Die Impfzentren werden Ende September geschlossen.
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Wenn Ende September die 53 Impfzentren im Land schließen, beginnt eine neue Phase der Corona-Impfkampagne. Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO), Dr. Frank Bergmann, möchte sobald wie möglich in einen Regelbetrieb finden.

Man vertraue den zurzeit 3.600 impfenden Arztpraxen im Bereich Nordrhein, wolle unnötige Bürokratie abbauen, fordere eine andere Konfektionierung des Impfstoffes: „Wir brauchen Einzeldosen. Patienten kommen nicht im Sixpack.“ Bergmann verströmte Optimismus, warnte zugleich: „Wir sind in NRW auf einem guten Weg. Impfen hilft. Das Risiko für Ungeimpfte ist deutlich höher. Das sollte überzeugen.“ Ein zusätzliche Argument könne eine Einführung der 2G-Regel sein: „Ein weiteres Instrument für Veranstalter und Innengastronomie. Ich persönlich würde das begrüßen.“

Aktuell wird fast nur noch mit Biontech geimpft. Die Impflinge werden gebeten, sich ihren Zweittermin direkt in einer Praxis zu besorgen. Ab dem 8. September bekommen die in einem Zentrum Erstgeimpften ein Infoblatt mit dem Hinweis auf ein Online-Register von impfenden Praxen an die Hand. Über 1.200 Niedergelassene bieten Impfungen auch für „externe“ Patienten an. Die Callcenter werden zwar bald keine Termine mehr ausmachen, aber bedarfsorientiert für Nachfragen bereit stehen.

Aktuelle Zahlen

Zunächst legte die KVNO aktuelle Zahlen vor. NRW liegt im bundesweiten Vergleich mit einer COVID-Erstimpfungs-Quote von 69,4 Prozent auf dem vierten Platz, hinter Bremen, Saarland und Schleswig-Holstein. Unter den bevölkerungs-starken Bundesländern ist dies die beste Quote. Bei den vollständig Immunisierten liegt das Land bei knapp 63,2 Prozent. Damit haben mittlerweile über 12.400.000 Menschen in NRW ihre Erst- und über 11.300.000 Menschen ihre Zweitimpfung erhalten.

Zurzeit laufe die Impfkampagne schleppend, und zwar in ganz Deutschland. Da zeigten sich die Effekte der Urlaubszeit. Im „Sommerloch“ seien die Erstimpfungen zurückgegangen, was natürlich Einfluss auf Zweitimpfungen hatte. Doch nun kehren die Menschen zurück aus den Ferien und die Zahlen steigen wieder. Die altersspezifischen Impfquoten laufen noch sehr auseinander. In der Altersgruppe 60 plus könnte man bei 88,9 Prozent schon von einer Sättigung sprechen, mehr sei kaum zu erwarten.

Bei der mittleren Altersstufe sei aber noch Luft nach oben. „Ich hatte keine Zeit“ oder „Es passte nicht in die Urlaubsplanung“ seien hier die Argumente, es handele sich also nicht um explizite Impfgegner. Gerade in dieser Gruppe müsste die Impfquote aber noch deutlich gesteigert werden. In der jüngsten Altersgruppe der 12- bis 17-Jährigen ist die Impfquote noch niedrig, sie zeigt aber eine starke Dynamik. Frank Bergmann denkt bereits an Impfungen für Jüngere: „Ich gehe davon aus, dass wir Anfang 2022 auch unter Zwölfjährige impfen, wenn eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission vorliegt. Vor Weihnachten rechne ich da noch nicht mit.“

Ausreichend Impfstoff

Mit Blick auf Schließung der Impfzentren stellte Bergmann klar, dass niemand Sorge zu haben brauche, dass zum Beispiel Auffrischungsimpfungen nicht gewährleistet werden könnten: „Es wird immer einfacher. Wir haben ausreichend Impfstoff.“ Die Impfungen sollten im Rahmen eines normalen Praxisbesuches erfolgen, zukünftig kann sich Bergmann durchaus ein Zusammenlegen mit der Grippeschutzimpfung vorstellen. Besonders gefährdete Gruppen, die mindestens vor einem halben Jahr mit einem Vektor-Impfstoff vollständig geimpft wurden, sollen als Drittimpfung einen Messenger-Impfstoff bekommen. In den Pflegeinrichtungen sollen die Bewohner im Rahmen der routinemäßigen Besuche drittgeimpft werden. Mobile Impfteams wird es nicht mehr geben.

Die KV Nordrhein beobachtet exponentiell wachsende Zahlen von Erkrankten, die in Kliniken und auf Intensivstationen behandelt werden müssen. Die Patienten werden immer jünger, zudem sind es zu rund 90 Prozent gar nicht oder nicht vollständig geimpfte Menschen. Sie hätten je nach Altersgruppe ein über 20-faches Hospitalisierungsrisiko. Hier müsse angesetzt werden. Erstimpfungen müssten in den Blick genommen werden, bei Auffrischungen werde nicht die Dringlichkeit gesehen. Hier werde medial unnötiger Druck aufgebaut, so Frank Bergmann: „Gesunde können durchaus acht Monate oder länger warten. Der Impfschutz lässt nicht schlagartig nach. Wir haben Zeit. Keiner muss sich vordrängeln.“

Die Impfzentren werden Ende September geschlossen. 
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Dr. med. Frank Bergmann ist Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein. 
Foto: KVNO
Autor:

Daniel Henschke aus Essen-Werden

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