CDU und Bündnis 90 / Die Grünen nominierten Diane Jägers als gemeinsame OB-Kandidatin
„Eine Riesenherausforderung"

Diane Jägers wurde von CDU und Bündnis 90 / Die Grünen als gemeinsame Kandidatin für das Amt der Mülheimer Oberbürgermeisterin nominiert. 
Foto: Regina Tempel
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Zwei Parteien, die sehr selbstbewusst in den Kommunalwahlkampf gehen werden, haben eine wichtige Personalie festgelegt: CDU und Bündnis 90 / Die Grünen nominierten Diane Jägers als gemeinsame Kandidatin für das Amt der Mülheimer Oberbürgermeisterin.

Bei der CDU waren es satte 97 Prozent, selbst bei den in ihren Abstimmungen sonst so kontroversen Grünen gab es 75 Prozent Zustimmung für Jägers. Was sagen die Parteien, was die Kandidatin selbst? Die Mülheimer Woche hat nachgefragt.

Die CDU-Vorsitzende Astrid Timmermann-Fechter ist überzeugt von der Wahl: „Eine hoch qualifizierte Kandidatin. Was durch das tolle Ergebnis ja auch bestätigt wurde. Wir freuen uns sehr, dass Diane Jägers mit uns in den Wahlkampf ziehen wird.“ In ihrer Vorstellungsrede sei Jägers sehr positiv rübergekommen: „Sie hat einen hervorragenden Eindruck hinterlassen. Die ganze Person fand volle Zustimmung der Versammlung.“ In Vorgesprächen hatten Christdemokraten und Grüne feststellen können, dass ihr Anforderungsprofil für eine neue Mülheimer Stadtspitze in vielem deckungsgleich ist. Zur Freude von Timmermann-Fechter: „Diese gemeinsamen Kriterien sind für uns sehr wichtig gewesen, denn wir brauchen für Mülheim einen echten Neuanfang. Mit ihr haben wir genau die Kandidatin gefunden, die das mitbringt. Sie kann das umsetzen.“ Ob denn eine Auswärtige die Richtige sein kann für die krisengeschüttelte Stadt? Diane Jägers lebt in Gelsenkirchen. Astrid Timmer-Fechter verweist darauf, dass hier ganz bewusst eine Kandidatin von außen ausgewählt wurde: „Frau Jägers wird nach Mülheim ziehen, wenn sie gewählt wird.“ Rechtlich verpflichtend sei es übrigens nicht für die OB, in Mülheim zu wohnen. Und ein unverstellter neuer Blick auf die Stadt sei gewiss nicht das Verkehrteste. Die CDU sei wild entschlossen, mit Diane Jägers den Neustart für Mülheim einzuläuten: „Wir freuen uns über sehr gute Ergebnisse für eine hervorragende Kandidatin und wünschen von Herzen alles Gute für den bevorstehenden Wahlkampf. Wir werden sie tatkräftig unterstützen.“

Breite Zustimmung

Die grüne Vorstandssprecherin Kathrin-Rosa Rose war positiv überrascht, wie gut die gemeinsame Kandidatin bei den Vertretern von Bündnis 90 / Die Grünen ankam: „Weil bei uns Personalentscheidungen sonst nie so eindeutig ausfallen. Da sind 75 Prozent ein eindeutiges Ergebnis. Sicherlich gab es auch Nein-Stimmen, aber das ist doch gut so und noch mehr Ansporn, unsere grünen Themen nach vorne zu bringen. Über die breite Zustimmung sind wir sehr erfreut.“ Ausschlaggebend für eine gemeinsame Kandidatin sei der Wunsch gewesen, ihr auch kräftigen politischen Rückhalt geben zu können: „Vermutlich bleibt die Stichwahl abgeschafft. Da könnte jemand mit ganz knapper Mehrheit an die Stadtspitze gewählt werden. Aber eine OB muss handlungsfähig sein. Da braucht es eine breite Zustimmung. Und daher macht diese gemeinsame Kandidatur Sinn. Wir haben politische Leitlinien und Eckpfeiler gefunden. Wir haben da viele Schnittmengen. Das ist eine gute Grundlage.“ Eine Frau in der Verantwortung sei den Grünen sehr wichtig: „Umso besser, wenn sie so viel Qualifikation und Durchsetzungsfähigkeit mitbringt. Frau Jägers muss sich nicht verstecken. Aber ohne Mehrheiten kann sie auch nichts machen.“ Das stimmt natürlich. CDU und Grüne werden im Wahlkampf in den Wettstreit um Wählerstimmen treten. Bei aller Eintracht hält Astrid Timmermann-Fechter deshalb fest, dass ihre Partei in Sachen Stadtrat und Bezirksvertretungen einen eigenständigen Wahlkampf führen wird. Im Frühjahr werde das Grundsatzprogramm mit klarer christdemokratischer Handschrift vorgestellt. Kathrin-Rosa Rose betont: „Wir wollen für ein starkes grünes Ergebnis kämpfen. Wir haben erstmals die Chance, eine Kommunalwahl zu gewinnen. Wir könnten sogar Wahlkreise für uns entscheiden. Wir sind froh, dass wir diese wichtige Personalentscheidung gefällt haben. Nun können wir uns auf unseren eigenen Wahlkampf konzentrieren. Wir wollen die Leute mit guten Inhalten überzeugen.“

„Fantastischer Rückenwind“

Diane Jägers ist im NRW-Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung Leiterin der Gleichstellungsabteilung. Nach ihrem Studium in Rechtswissenschaft und Sozialwissenschaft war sie Richterin in Düsseldorf und dann Beigeordnete in Bochum und Dortmund. Dort erwarb sie sich den Ruf einer „zupackenden Rechts- und Innenpolitikerin“ und einer „pragmatischen Managerin mit Talent zum Klartext.“ Jägers zeigte sich erfreut über die Abstimmungsresultate: „Die Ergebnisse sind ein fantastischer Rückenwind für mich. Nicht nur bei uns drei Frauen stimmt die Chemie. Das ist maßgeblich für den Erfolg. Menschlich muss es passen.“ Bei aller Freude über die Unterstützung sei sie durchaus auf Gegenwind und persönliche Anfeindungen besonders in den „sozialen“ Medien gefasst. Sie habe als Verwaltungsfachfrau schon so viel erlebt, auch bereits unter Polizeischutz gestanden: „Die Hemmschwelle gerade im Netz ist niedrig. Das ist manchmal schwer auszuhalten. Doch ich werde mich weiterhin sachlich austauschen und auseinandersetzen. Respektvoll mit dem Gegenüber umgehen. Ich habe aber nicht die Absicht, auf Angriffe unterhalb der Gürtellinie einzugehen.“ Die allermeisten Wähler wollten inhaltliche Antworten bekommen und keine Schlammschlachten. Daher werde sie „immer auf die Sachebene zurückkommen, nicht ausfällig werden und stets Anstand wahren. Entweder man findet zusammen oder eben nicht.“ Das habe etwas mit Streitkultur zu tun: „Politisch ist meine Familie kunterbunt aufgestellt. Da gibt es auch knallrote Typen.“ Debattenkultur sei ihr Ding, da sei sie in anderen Stadtparlamenten schon durch Stahlbäder gegangen.

„Einfach kann jeder"

Sie habe bereits einen guten Eindruck davon, was auf sie zukomme. Mehltau liege über der Stadt: „Aber mit neuer Motivation für die städtischen Mitarbeiter und Fachkunde werden wir das hinkriegen. In Bochum und Dortmund ist mir das auch gelungen. Da passte nachher kein Blatt Papier mehr zwischen mich und meine Dezernate.“ Die Haltung im Rathaus müsse sich ändern und Stadtverwaltung sich wieder als Einheit verstehen: „Wir sind doch nicht zum Selbstzweck da. Wir werden aus Steuermitteln bezahlt. Da müssen wir auch liefern. Das ist der Deal.“ Sie werde sich ohne Wenn und Aber vor ihre Leute stellen: „Wo ich stehe, ist vorne.“ Dafür müsse sie gar nicht immer „vor Kopf“ sitzen, sei jedoch für klare Kante: „Ich fackel da nicht lange. Am Ende ist schon klar, wer hier die Entscheidungen trifft und sie auch zu vertreten hat.“
Mülheim sei eine Aufgabe und die Herausforderung vielfältig. Eine unvollständige Aufzählung: Ökonomisch und ökologisch den Flächenverbrauch betrachten. Wirtschaftsförderung, das subjektive Sicherheitsgefühl. Kultur und Sport. Den ÖPNV und die gesamte Mobilität modernisieren: „Ich möchte zurzeit in Mülheim kein Fahrrad fahren. Man kann sich in einer Stadt aber auch anders bewegen als nur im Auto.“ Bezahlbarer Wohnraum sei ein Thema, das gut ausgebaute Kita- und Schulsystem teilweise in die Jahre gekommen. Ihr Fazit: „Eine Riesenherausforderung, das alles wieder in die Spur zu kriegen.“ Und dennoch: „Vielleicht reizt mich gerade das. Einfach kann jeder.“ Sie hätte ja in ihrer Wohlfühlzone bleiben können. Doch alle hätten ihr gesagt: „Du bist doch Kommunale durch und durch.“ Es sei auch hilfreich, so viel kommunale Erfahrung im Rucksack zu haben. Natürlich würden ihr Mann und sie nach Mülheim ziehen, falls sie gewählt würde: „Man muss sich zu seiner Stadt bekennen. Ich möchte in Mülheim morgens aufwachen und abends einschlafen. Ich mag diese Stadt.“ Mit Mann und Hund habe sie bereits Wanderungen durch Mülheims „traumschöne“ Landschaften absolviert. Nach Ostern werde sie zu Bürgerspaziergängen einladen: „Die Mülheimer sollen mir dann vor Ort erzählen, wo es drückt. Ich möchte mit sehr Vielen reden, gut zuhören und genau hinschauen. Ich brauche das Vertrauen der Menschen. Ich möchte Mülheim durch ihre Augen sehen.“
Und wenn sie wirklich gewählt werden sollte? „Dann gibt es sofort intensive Gespräche. Was haben wir für Möglichkeiten, von den Schulden runter zu kommen, ohne die Stadt kaputt zu sparen? Das ist ohne jede Alternative. Wir müssen raus aus der Lähmung. Da müssen Entscheidungen getroffen werden. Ich traue es mir zu.“

Diane Jägers wurde von CDU und Bündnis 90 / Die Grünen als gemeinsame Kandidatin für das Amt der Mülheimer Oberbürgermeisterin nominiert. 
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Die Fraktionssprecher von CDU Christina Küsters und Grünen Tim Giesbert, Kathrin-Rosa Rose, Diane Jägers, Astrid Timmermann-Fechter und Grünen-Vorstandssprecher Fabian Jaskolla.
Foto: Regina Tempel
Autor:

Daniel Henschke aus Essen-Werden

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