Trotz Corona-Lockerungen - Gottesdienste am kommenden Sonntag ausgeschlossen
Kirchen wollen bei strengen Maßnahmen nichts überstürzen

Oberhausens Stadtdechant Dr. Peter Fabritz warnt vor zu früher Euphorie. In den Kirchen müssen strengste Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden. An einen "normalen" Gottesdienst ist weiterhin nicht zu denken.
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  • Oberhausens Stadtdechant Dr. Peter Fabritz warnt vor zu früher Euphorie. In den Kirchen müssen strengste Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden. An einen "normalen" Gottesdienst ist weiterhin nicht zu denken.
  • Foto: Gers Hülsmann
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Nach mehr als sechs Wochen Pause dürfen die Evangelischen und Katholischen Kirchen ab dem 1. Mai wieder öffentliche Gottesdienste feiern. Während die Katholiken erste Vorgaben umsetzen wollen, verhält sich die Evangelische Kirche aus Angst vor neuen Infektionen, zurückhaltender. Gottesdienste schon am kommenden Sonntag schließen jedoch Beide aus. Der Wochen-Anzeiger hörte sich bei Pfarrern in Oberhausen um.

"Der Bischof hat uns in einem Brief mitgeteilt, dass wir in den Kirchen ab Freitag wieder Gottesdienste feiern dürfen", sagte Stadtdechant Dr. Peter Fabritz im Gespräch mit dieser Redaktion. In einem Begleitschreiben wurde definiert, welche Maßnahmen zu einer Gottesdienst-Durchführung notwendig sind. Dazu gehören neben der Einhaltung des Sicherheitsabstandes von mindestens 1,5 Metern auch Hygieneregeln, getrennte Ein- und Ausgänge, markierte Laufwege und eine Einlaskontrolle.

Nur 50 Gläubige in manchen Kirchen

Pro zehn Quadratmetern darf sich auch hier nur eine Person befinden. Bedeutet: In manchen Kirchen werden kaum mehr als 50 Gläubige zugelassen werden. Ordner sollen dafür sorgen, dass diese Regeln eingehalten werden. „Wir werden jetzt nicht in eine Normalität unseres Gottesdienst- und Gemeindelebens zurückkehren, wie wir es aus der Zeit vor der Corona-Pandemie kennen“, stellte Bischof Franz-Josef Overbeck klar.

"Eine Menge logistische Arbeit"

"Da wird noch eine Menge logistischer Arbeit auf uns zu kommen", sagte auch Pastor Hans-Werner Hegh nachdenklich. Der 58 Jährige Pastor der Gemeinde St. Theresia in der Walsumermark sieht die größten Herausforderungen in der Einlassregelung sowie der Kommunion. Letztere soll aber auf jeden Fall durchgeführt werden. "Dabei müssen wir uns nochmal die Hände desinfizieren. Außerdem wird 'Der Leib Christi' mit der gesamten Gemeinde gesprochen. Auf das 'Amen' beim Empfang der Kommunion muss verzichtet werden", so Fabritz. Mindestens zweimal pro Gottesdienst sollen sich der Pfarrer von St. Clemens in Sterkrade und seine Kollegen die Hände desinfizieren.
Aufgrund der vielen Bestimmungen schließt Fabritz einen Gottesdienst am kommenden Sonntag aus. "Das ist auf die Schnelle nicht umsetzbar."

Kein Termin für erste Gottesdienste

Auf einen Termin für Gottesdienste wollte er sich nicht festlegen lassen. Generell warnte er vor zu viel Euphorie. "Ich warne davor, dass jetzt nicht wieder alles so ist, wie vorher."
Insbesondere das Thema Einlassbeschränkung bereitet den Geistlichen in Oberhausen weiterhin Sorge.
Diese Meinung teilen, so Fabritz, auch viele seiner Kollegen. Pastor Hegh brachte Gottesdienste mit Voranmeldung ins Gespräch, während Fabritz die Überlegung kundtat, zusätzliche Gottesdienste anzubieten. Wie groß der Andrang der Gläubigen sein wird, wollen weder Hegh noch Fabritz einschätzen. Beide wissen aus Gesprächen jedoch, dass bei vielen Menschen noch Angst und Sorgen da sind.
Diese sollen durch die Umsetzung der Maßnahmen genommen werden. Klarheit über die Umsetzung der Maßnahmen soll die Sitzung des Pastoralteams (fand nach Redaktionsschluss statt) bringen.

Evangelische Pfarrer noch ohne Infos

Weniger konkret sieht es bislang bei den Evangelen aus. Thomas Levin, Pfarrer der Evangelischen Kirche am Buchenweg, hat bislang keine Infos für eine mögliche Durchführung eines Gotesdienstes. "Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es noch keine Informationen." Anders als bei den Katholiken das Bistum, müssen sich die Evangelischen Kirchen selbst organisieren. Levin strebt eine Klärung bis Mitte Mai an. Vorher kommen auch für in keine Gottesdienste in Frage.
Superintendent Joachim Deterding wirft dem Bischof derweil ein "Vorpreschen" vor. "Es ist noch nichts vereinbart. Die zu treffenden Maßnahmen werden erst am 30. April in Berlin mit Vertretern der Bundesregierung und der religiösen Gemeinschaft beschlossen", sagte Deterding verwundert. Ihm stehe der Schutz der Menschen im Vordergrund. So lange der nicht gewährleistet werden kann, kommen für ihn auch keine Gottesdienste infrage. "Das ist ein Virus, das für viele Menschen tödlich ist", warnt Deterding.

"Ich vermisse die Gottesdienste"

Er selbst beschreibt sich als vorsichtigen Mensch. Jedoch will er nicht missverstanden werden. "Ich vermisse die Gottesdienste auch. Das tut mir richtig weh." Er kann sich aber auch Bedingungen vorstellen, unter denen es möglich ist, einen Gottesdienst zu feiern. "Allerdings müssen diese Bedingungen erstmal mit den Gemeindevorständen beschlossen werden." Vorher hält er einen Gottesdienst für "unverantwortlich".
Er warnt auch davor, im Gottesdienst zu singen, da hierbei die Tröpfcheninfektion auf mehr als zwei Metern möglich sei. "Da müssten die Abstände zwischen den Menschen schon sechs bis acht Meter betragen." Bei den großen Kirchen der acht evangelischen Gemeinden in Oberhausen hält Deterding das aber für kein Problem. "Ich kann mir auch Gottesdienste nur mit Orgelmusik und ohne Gesang vorstellen."
Wie genau die Evangelen den Besuch letztendlich regeln werden, wird sich laut Deterding wohl erst in 14 Tagen entscheiden.

Oberhausens Stadtdechant Dr. Peter Fabritz warnt vor zu früher Euphorie. In den Kirchen müssen strengste Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden. An einen "normalen" Gottesdienst ist weiterhin nicht zu denken.
Oberhausens Superintendent Joachim Deterding hält Gottesdienste derzeit für "unverantwortlich". Er fordert erst präzise Maßnahmen.
Autor:

Christian Schaffeld aus Oberhausen

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