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Altenessen neu denken – Teil 1

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„Die dringenden und für die Bewohnbarkeit der Stadtteile wichtigen Aufgaben liegen in der Humanisierung der Wohnbedingungen an den vielen Hauptstraßen im Bezirk. Hauptverkehrsstraßen sind auch Hauptwohnstraßen und somit Lebensraum für viele tausend Menschen. Die Wohnsituation im Bezirk kann grob als eine Zweiklassengesellschaft bezeichnet werden. Auf der einen Seite die „verkehrsberuhigten Bereiche“, die sich ausschließlich in ohnehin ruhigen Bereichen befinden, auf der anderen Seite die Hauptwohnstraßen, die vom überbordenden Verkehr terrorisiert werden.“

Egal ob Backwinkelstraße, Altenessener Straße, Gladbecker Straße oder Stauderstraße, wohl kein dort lebender Anwohner wird diesen Worten widersprechen. Manch einer wird jedoch aufhorchen, wenn er erfährt, dass diese Worte bereits vor 28 Jahren von einem Stadtplaner aus Altenessen, damals auf einer Schreibmaschine, geschrieben wurden. Dieser Blick in die Vergangenheit lässt den heutigen Blick auf unseren Stadtteil in einem anderen Licht erscheinen oder anders gesagt: In mehr als drei Jahrzehnten fehlte es am Willen der politischen Entscheidungsträger, sonst würde Altenessen längst großflächig mit besseren und gesünderen Wohn- und Lebensbedingungen punkten.

Die Zweiklassengesellschaft in Altenessen

Anhand der Gladbecker Straße wird es deutlich: Man redet gerne von einer Hauptverkehrsader, einer Bundesstraße, einer „Stadttautobahn“ und verschweigt dabei gerne, dass diese Straße (und andere „Raser- und Rumpelstrecken“ ebenso) durch Wohngebiete führt. Diese Denkweise, die sich auf dem Niveau der bisherigen – auf Ausschnittdenken beruhenden – Verkehrsplanung bewegt, muss aus unseren Köpfen verschwinden. Es ist höchste Zeit, dass man die Belange und die Gesundheit der tausenden betroffenen Anwohner konsequent in den Vordergrund stellt.
Es muss ein Ende haben, dass die negativen Folgen einer auf Außeninteressen gerichteten Verkehrsplanung allein von der „zweiten Klasse“ Altenessens getragen werden, währenddessen sich die Mehrheit der, meist in ruhigen Bereichen wohnenden, Politiker weiterhin der Verwaltung des Stillstandes widmet. Ein Blick in diverse Facebook-Posts zeigt es deutlich: Sie sitzen in hübschen Einfamilienhäusern, präsentieren zufrieden ihr Naturidyll hinterm Haus und pöbeln Menschen wie mich an, wenn ich auf die Missstände an zahlreichen Straßen Altenessens hinweise. Sie scheinen regelrecht froh zu sein, wenn darüber hinaus möglichst viele nichtbetroffene Bürger mit ihnen ins gleiche Horn blasen, naserümpfend auf das ausgemachte „Verkehrsgau-Prekariat“ zeigen und deren Hilferufe hämisch mit einem „Zieh doch weg“ oder „Freie Fahrt für freie Bürger“ beantworten.

2020 – Die nächste Wahl kann Altenessen verändern

Das Abwälzen der negativen Verkehrsfolgen auf eine mittlerweile resignierte, stumme und zum Teil schön an den Folgen von Lärm und Dreck erkrankten Bürgerschaft, die man bei leisester Kritik mundtot machen möchte, kann nur dadurch beendet werden, indem Politiker aufhören, die Kämpfe von vorgestern für die Lösungen von gestern auszufechten. Sie haben damit nichts erreicht, nicht für Altenessen, nicht für diese Stadt und nicht für die Region. Welche Politiker ihren Willen für eine wirkliche Verkehrswende zeigen, müssen wir genau unter die Lupe nehmen.

Altenessen – Eine Stellschraube für die ganze Stadt

Hier im Norden kann in puncto Verkehr an wahrhaft großen Stellschrauben für die ganze Stadt gedreht werden. Punkt. Wir sollten diesen Satz langsam sacken lassen und uns endlich von der Vorstellung verabschieden, dass hier eben alles so ist wie es ist und alles genau so bleiben muss. Das muss es ganz sicherlich nicht.

Neu denken und die Stimme erheben

Wir müssen über die Verkehrsmassen reden, die ungezügelt unsere nördlichen Einfallsstore zur Stadt fluten. Wollen wir das weiter hinnehmen? Lasst uns über das endgültige Begraben der A-52-Planungen reden, über Pförtnerampeln, den Umstieg auf gut getaktete Busse an den Stadtgrenzen, Flüsterasphalt auf Altenessens maroden Straßen, eine Umweltspur auf der B 224, den merkwürdigen Experimenten, die gerade im Essener Süden auf einem Ministück der Alfredstraße/Rüttenscheider Straße "gefeiert" werden und wahrscheinlich nicht irgendein Verkehrsproblem lösen, geschweige denn auf den Norden zu übertragen sind. Mal ehrlich, in Rüttenscheid an den Binnenverkehren rumschrauben und so zu tun, als entstünde dort eine Insel, ein Labor der Zukunft, ist völlig unrealistisch. Wir Altenessener sollten mutig unsere eigene „Zweiklassengesellschaft“ verlassen und gemeinsam gegen die autofixierte Stadtplanung einstehen.

Fakt ist: Klimaschutz und Verkehrswende sind untrennbar miteinander verbunden. Denkt neu und schaut den Politiker genau auf die Hände. Sie sind es, die es in den Händen haben, dass in Altenessen Verkehr, Klimaschutz und Menschenschutz Hand in Hand gehen können. Ein Politiker, der wirklich handeln will, macht sich zum Beispiel auf den Weg zu „Stadttempo 30“, was auch von der Polizei immer wieder gefordert wird. Die Stadt wird ruhiger, der Schadstoffausstoß sinkt unmittelbar und die Überlebenschancen bei Unfällen mit Fußgängern und Radfahrern steigen erheblich.

Voraussetzung für all das ist die Abkehr von alten Denkstrukturen. In (Alten-)Essen würde das den Abschied von weiteren Autobahnplanungen und die Rückgewinnung der Stadträume für die Menschen, die in den Quartieren leben, bedeuten.

Autor:

Susanne Demmer aus Essen-Nord

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