Ökumenische Video-Aktion zur Bundestagswahl
#ummehralsmich

Im Interview mit Pfarrer Jan Vicari: Harth (17) aus Essen ist Schüler am Gymnasium Nord-Ost und am 26. September nicht wahlberechtigt.
  • Im Interview mit Pfarrer Jan Vicari: Harth (17) aus Essen ist Schüler am Gymnasium Nord-Ost und am 26. September nicht wahlberechtigt.
  • Foto: Kirchenkreis Essen
  • hochgeladen von Stefan Koppelmann

Im Endspurt zur Bundestagswahl lenken die Evangelische und die Katholische Kirche in Essen mit ihrer gemeinsamen Video-Aktion #ummehralsmich die Aufmerksamkeit auf eine besondere Gruppe in unserer Gesellschaft: Menschen, die am 26. September nicht wahlberechtigt sind.

In kurzen Clips kommen Kinder und Jugendliche, Migrantinnen und Migranten mit ihren Ideen, Interessen und Forderungen zu Wort. Sie selbst dürfen ihre Wünsche am Wahlsonntag nicht auf dem Stimmzettel zum Ausdruck bringen – weil sie das Wahlalter noch nicht erreicht haben oder nicht die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen. Da ist zum Beispiel Mats (7), der sich mehr Engagement für den Klimaschutz wünscht. Oder Gülfidan: Sie ist zwar in Deutschland geboren, besitzt aber keinen deutschen Pass und macht sich deshalb große Sorgen um die Zukunft ihres Sohnes. Die Interviews mit ihnen sollen Wahlberechtigte dazu motivieren, das eigene Stimmverhalten zu hinterfragen: Dient es dem Wohl aller Menschen in unserem Land? Denn auch Menschen ohne Wahlrecht sind vom Ausgang der Wahl betroffen.

„Die Rückmeldungen zeigen uns, dass wir mit diesem Thema einen Nerv treffen“, freut sich Domvikar Bernd Wolharn, Leiter der Cityseelsorge am Essener Dom und Mitorganisator der ökumenischen Aktion, über die positive Resonanz. Auch Jan Vicari, Pfarrer an der evangelischen Marktkirche in der Essener Innenstadt, hat durchweg gute Erfahrungen bei den Gesprächen gemacht: „Die Kinder, mit denen wir gesprochen haben, sprühen nur so vor Ideen und sind unglaublich kreativ; bei den Geflüchteten spüre ich einen gut geschärften Sinn für Gerechtigkeit. Es macht mich nachdenklich, dass diese Haltungen so wenig Platz in unserer Politik haben. Denn Deutschland, das sind schließlich wir alle – egal ob alt oder jung oder wo wir geboren sind. Ich hoffe, wir können mit unserer Aktion viele Menschen für dieses Thema sensibilisieren.“

Die Videos des Projektteams werden täglich auf verschiedenen Kanälen veröffentlicht: Auf der Homepage www.ummehralsmich.de erscheinen alle Videos nach und nach gesammelt. Die Social-Media-Accounts der Marktkirche und der Evangelischen Kirche in Essen verbreiten die Videos unter dem Hashtag #ummehralsmich über Facebook, Instagram und Twitter. Auch auf der Homepage kirche-essen.de des Kirchenkreises und in einer gesonderten Playlist des YouTube-Kanals „Evangelisch in Essen“ werden die Clips veröffentlicht. Den Auftakt macht Kinderarzt Eissa Aljassem, der als Flüchtling aus Syrien nach Deutschland gekommen ist - wir ergänzen in den kommenden Tagen auch die anderen Videos. Die Organisatoren danken dem Innovationsprojekt "Forum Advocacy" des Kirchenkreises Essen für die Vermittlung mehrerer Interviewpartner.


Zum Hintergrund

Wenn am kommenden Sonntag, 26. September, ein neuer Bundestag gewählt wird, dürfen ca. 60 Millionen Menschen ihre Stimme abgeben – gut 400.000 davon in Essen. Die ökumenische Aktion #ummehralsmich will die Demokratie in Deutschland unterstützen und ruft alle Wahlberechtigten dazu auf, ihre Stimme abzugeben. Darüber hinaus macht sie darauf aufmerksam, dass viele Menschen von der Wahl betroffen sind, ohne selbst dabei abstimmen zu dürfen: Mehr als 20 Millionen Kinder und Jugendliche, Migrantinnen und Migranten haben Interessen und Wünsche, aber (noch) kein Stimmrecht. In Essen betrifft das rund 160.000 Mitmenschen.

„In den Tagen vor der Wahl geben wir ihren Stimmen ein Forum und Resonanz“, sagen Jan Vicari, Pfarrer an der Marktkirche, und Domvikar Bernd Wolharn, Leiter der Cityseelsorge am Essener Dom. „Durch die Veröffentlichung der gesammelten Botschaften wollen wir die Wahlberechtigten dafür sensibilisieren, dass es bei der Bundestagswahl um mehr als nur sie selbst und ihre eigenen Befindlichkeiten und Wünsche geht. Es wäre schön, wenn alle Stimmberechtigten ihre Stimme bei der Bundestagswahl in dem Bewusstsein einsetzen, dass sie nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere, nicht wahlberechtigte Essenerinnen und Essener ‚mit abstimmen‘.“

Autor:

Stefan Koppelmann aus Essen-Nord

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