Kirche
Essener Häftlinge gestalteten Weihnachtskrippe für die Marktkirche

Unter der Anleitung der Künstlerin Anne Berlit haben Inhaftierte aus der JVA Essen die diesjährige Weihnachtskrippe in der Marktkirche gestaltet. | Foto: Kirchenkreis Essen/Achim Pohl
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  • Unter der Anleitung der Künstlerin Anne Berlit haben Inhaftierte aus der JVA Essen die diesjährige Weihnachtskrippe in der Marktkirche gestaltet.
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Sie zählt zu den außergewöhnlichen Exponaten des diesjährigen Krippenweges durch die Essener Innenstadt: Anlässlich des zwanzigjährigen Bestehens des ökumenischen Arbeitskreises Essen.Krippenland. haben Häftlinge aus der Justizvollzugsanstalt Essen die Krippe „Feier des besonderen Lichts“ in der Marktkirche gestaltet. Unter Anleitung der bildenden Künstlerin Anne Berlit wurden von den Inhaftierten Krippenstelen erarbeitet, die sich mit der Rolle der Hirten, wie sie im Lukasevangelium beschrieben wird, auseinandersetzen.

Im nachfolgenden Text erläutert Anne Berlit das auf diese Weise entstandene Kunstwerk „Feier des besonderen Lichts“:

Feier des besonderen Lichts

Wie können Inhaftierte der JVA Essen eine Krippe realisieren, eine Krippe, die die individuellen Persönlichkeiten der Gefangenen nicht außenvor lässt, sondern sie teilhaben lässt an der Vorfreude auf Weihnachten? Und wie kann diese Gruppe das Weihnachtslicht, die Weihnachtsfreude an die BesucherInnen der Marktkirche weitergeben? Ich habe lange gezögert, eine Krippe mit den Inhaftierten für die Marktkirche zu realisieren.

Die Männer, die an der Malgruppe teilnehmen, haben alle unterschiedliche Herkunft, Alter, Bildung, kommen aus divergenter Sozialisation und Glauben und sie kommen zum Malen, nicht weil es sie brennend interessiert, sondern um einmal in der Woche im Malkurs kreative Freiheit zu erleben. Als ich im Lukasevangelium die Geschichte der Hirten gelesen habe, ist mir eine Idee gekommen, wie wir die Weihnachtsgeschichte erzählen könnten:

"In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat der Engel des Herrn zu ihnen und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr, der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt." (Lukas 2,8–12)

Die Engel bringen die Botschaft von der Geburt des Heilands zuerst den Hirten. Wie Zöllner wurden Hirten zur Zeit Jesu von den herrschenden Kreisen ähnlich geringgeschätzt und sozial benachteiligt. Wie die Inhaftierten, gehörten auch die Hirten nicht zur akzeptierten Gesellschaft. Sie waren Nomaden und lagerten da, wo die Schafe Futter fanden. In seiner Weihnachtsgeschichte bezieht Lukas Leute aus dem einfachen Volk mit ein – mit anderen Worten: Das Jesuskind ist für alle Menschen da, egal welcher Herkunft, egal welchen Glaubens.

Die Idee war, dass die Inhaftierten sich selbst zeigen, als Hirten des 21. Jahrhunderts, als Menschen, die das besondere Licht wahrnehmen und dies der Gesellschaft, den Besuchern der Kirche auf ihre bescheidene Weise mitteilen. Sie sind keine begnadeten Maler oder Bildhauer, sie kommen, wie sie sind und geben, was sie haben, Menschen, die Fehler gemacht haben, wie du und ich, wie jeder von uns. Sie zeigen sich selbst, oder eine Vorstellung von sich oder ihrer Familie, oder einfach eines Menschen, der Wärme und Geborgenheit sucht und diese Sehnsucht mit der Weihnachtsgeschichte verbindet. Besucherinnen und Besucher der Marktkirche sind eingeladen, ihre Weihnachtswünsche auf die Rückseite der Stelen zu schreiben.

Vielen Dank an die Teilnehmer der Malgruppe, an die Beamten der JVA, besonders an Herrn Marin, an Herrn Baumann, an Herrn Faller und an die Leitung der JVA, die das Projekt unterstützt haben.

Anne Berlit

Autor:

Stefan Koppelmann aus Essen

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